Im Fokus: die Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland.
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Helfer vor Ort sind bei der Corona-Impfung in der höchsten Prioritätsstufe. Eine Impfpflicht darf es aber nicht geben, fordert das BRK.

BRK fordert: „Keine Impfpflicht durch die Hintertür für Helfer vor Ort“

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Bei ihren Einsätzen ist die Corona-Infektionsgefahr hoch: Ehrenamtliche Helfer vor Ort gehören deshalb zu den Personen, die bevorzugt geimpft werden. Doch eine Pflicht darf es auch für sie nicht geben, stellt das BRK klar

München – Wenn es besonders eilig ist, dann sind sie oft als erstes vor Ort: Helfer vor Ort und First Responder sind ehrenamtliche Ersthelfer, die bei Notfällen ausrücken, um die Zeit zu überbrücken, bis der Rettungsdienst ankommt. Auch in Ingolstadt und den Landkreisen Eichstätt, Pfaffenhofen und Neuburg-Schrobenhausen gibt es solche Freiwilligen. Nach einer Corona-Pause könnten sie wieder eingesetzt werden – doch ein Brief, den der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Region Ingolstadt dazu an die zuständigen rund 25 Organisationen schickte, sorgte für Irritationen.

Voraussetzung für eine Alarmierung sei, „dass die Einsatzkräfte, welche zum Einsatz ausrücken, eine ausreichende Impfung (zwei Impfungen) mit einem der zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 erhalten haben“, heißt es in dem Schreiben. Die verantwortlichen Organisationen werden gebeten, das zu überprüfen und sicherzustellen, „dass nur Einsatzkräfte ausrücken, bei denen die Impfung bereits durchgeführt wurde.“

Das kritisiert BRK-Pressesprecher Sohrab Taheri-Sohi. „Eine Impfpflicht über die Hintertür ist ein Unding“, findet er. „Wir setzen auf Freiwilligkeit.“ Die Corona-Impfung sei eine „wichtige Entscheidung, die jeder bewusst treffen soll“, sagt er. „Eine Vorschrift wäre das falsche Signal.“ Er weist darauf hin, dass sie gar nicht umsetzbar sei. Zum einen sei die Überprüfung mangels einer Meldepflicht für den Mitarbeitenden kaum möglich. Und: „Es gibt noch nicht genügend Impfstoff.“

Ein Großteil im Rettungsdienst will sich impfen lassen

Seiner Erfahrung nach ist die Impfbereitschaft im Rettungsdienst zudem sowieso sehr hoch. „Die Mitarbeiter haben besonders stark erlebt, was das Coronavirus anrichten kann“, erklärt er. „Ein Großteil von ihnen will sich impfen lassen.“

Das bestätigt der BRK-Kreisverband Ingolstadt. „Bei uns arbeiten alle Helfer vor Ort sowieso im Rettungsdienst“, erklärt der Kreisgeschäftsführer Firat Avutan. Deshalb gebe es keine Probleme, wenn diese sich zusätzlich ehrenamtlich als Helfer vor Ort engagieren. Auch bei ihnen sei die Nachfrage nach der Impfung groß.

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Region Ingolstadt betont, niemanden zur Impfung zwingen zu wollen. „Wir hatten die Alarmierung der Helfer vor Ort ausgesetzt, um die ehrenamtlichen Kräfte nicht zu gefährden“, sagt Geschäftsführer Günther Griesche. „Jetzt kam der starke Wunsch von den Ehrenamtlichen, wieder auszurücken“, berichtet er. Eine Impfpflicht für sie bestünde nicht: „Wir verlangen gar nichts“, sagt er. Eigentlich sei es nur darum gegangen, die Organisationen mit dem Hinweis auf die Impfung auf den Schutz der Ehrenamtlichen aufmerksam zu machen. Denn: „Wir können als Zweckverband die Verantwortung nicht übernehmen, dass sich niemand infiziert.“

Zu einem Impf-Missverständnis ist es zudem im Brunnthal im Kreis München gekommen. Dort kursierten Gerüchte, dass die Feuerwehr geimpft wurde, obwohl über 80-Jährige noch nicht drangekommen sind. Tatsächlich wurde jedoch nur das gefährdete First-Responder-Team immunisiert - und diese Helfer sind in der höchsten Prioritätsstufe, da sie einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.

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