Pflegebedürftige
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Ein Paar wurde durch die Corona-Krise getrennt - der Mann lebt im Pflegeheim. Doch beide hielten die Sehnsucht nicht aus. (Symbolbild)

“Habe genauso geweint“

Keine Besuche in Corona-Zeiten - Sehnsucht zu groß: Frau holt Ehemann aus Heim zurück

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Aufgrund des Coronavirus sind derzeit keine Besuche in Pflegeheimen möglich. Ein Paar hielt die Sehnsucht jedoch nicht mehr aus und so traf die Ehefrau eine Entscheidung.

  • Besuche in Pflegeheimen wurden verboten - Grund ist das Coronavirus*.
  • Eine Frau hatte ihren Mann im Februar in ein Pflegeheim gegeben.
  • Nun hielten beide die Sehnsucht nacheinander nicht mehr aus.
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Ingolstadt - Barbara Meier (72) hatte es ihrem Mann Hans versichert: „Ich werde mich um dich kümmern und dich pflegen, solange meine Kräfte reichen". Das war im Jahr 2002, nachdem der heute 91-Jährige einen Schlaganfall hatte, wie der Donaukurier berichtet.

Coronavirus - Sehnsucht zu groß: Frau holt Ehemann aus Pflegeheim zurück

Der gebürtige Ingolstädter ist seitdem halbseitig gelähmt und kann kaum noch sprechen. Seine Frau hielt Wort und pflegte ihn - bis sie im Februar an ihre Grenzen kam. Für ihren Mann suchte die 72-Jährige deshalb einen Pflegeplatz. Sie besuchte ihn jeden Tag - bis die Corona-Krise kam. Besuche in Pflegeheimen wurden verboten. „Erst habe ich noch zweimal die Woche zu Besuch kommen dürfen, dann noch einmal und zuletzt gar nicht mehr", berichtet Barbara Meier der Zeitung

Am 6. April hielt sie die Sehnsucht nicht mehr aus und fuhr am Heim vorbei. Im Obergeschoss öffnete jemand ein Fenster: Dort stand ihr Mann Hans - tränenüberströmt. „Er hat sich nicht mehr beruhigt, und unten bin ich gestanden und habe genauso geweint,“ erzählt seine Frau.

Corona - Frau holt Mann aus Heim zurück: „Ich habe gewusst, wir packen das nicht“

Drei Tage lang hatte die 72-Jährige dieses Bild im Kopf. „Ich habe gewusst, wir packen das nicht. Da habe ich beschlossen, ihn wieder heimzuholen. In den Wochen ohne ihn war immer die Sehnsucht und Sorge um ihn da und auch die Angst, es könnte ihm was passieren, und ich bin nicht bei ihm“, begründet sie ihre Entscheidung.

Am 9. April holte sie ihren Mann aus dem Heim ab. Nun wohnen die beiden wieder zusammen in der gemeinsamen Wohnung. Kennengelernt hatte sich das Paar bei der Arbeit im Ingolstädter Armeemuseum, er kümmerte sich dort um alte Waffen, sie arbeitete an der Kasse.

Frau pflegt Ehemann nach Schlaganfall - und kann damit etwas zurückgeben

„Nähergekommen sind wir uns aber erst, als ich 1993 einen schlimmen Unfall hatte“, so Barbara Meier. Ihr damaliger Mann hatte sich nicht recht um sie gekümmert, Hans dafür schon. Noch im gleichen Jahr ließ sich die 72-Jährige scheiden und heiratete drei Jahre später Hans. „Der Altersunterschied hat nie eine Rolle gespielt, wir haben uns immer sehr gut verstanden.“

Nach dem Schlaganfall ihres Mannes konnte sie sich um ihn kümmern - so wie er sie nach ihrem Unfall umsorgt hatte. „Es hat 18 Jahre lang alles geklappt, bis mir jetzt im Februar die Kraft ausgegangen ist", erzählt die 72-Jährige. „Ich hab' nachts nicht mehr schlafen können und war völlig kaputt“, berichtet sie dem Donaukurier. Im Februar zog ihr Mann Hans deshalb ins Heim. „Er war dort wirklich sehr gut untergebracht und man hat ihn echt liebevoll betreut“, findet die 72-Jährige lobende Worte. Doch ohne den anderen ging es nicht, deshalb holte sie ihren Mann heim.

Das öffentliche Leben in Bayern ist aufgrund der Corona-Krise eingeschränkt, Veranstaltungen wurden abgesagt. Festwirte in Landshut hatten eine Idee.

Seit heute gilt in Bayern eine wichtige Lockerung der Corona-Maßnahmen. Derweil veröffentlicht das Landesamt für Statistik heftige Zahlen für die Tourismusbranche.

Als ein 16-Jähriger mit dem Zug nach Ingolstadt fahren wollte, kam es zu einem Angriff - ein Unbekannter attackierte den Fußballfan wohl wegen seines Vereins.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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