Eichstaett, Marktplatz mit Rathaus und Brunnen
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Eichstätt, Marktplatz mit Rathaus und Brunnen

Kreisstadt an der Altmühl

Eichstätt

Eichstätt besitzt große Bedeutung für die katholische Kirche. Die Stadt ist Bischofssitz und hat eine katholische Universität.

  • Eichstätt liegt im Altmühltal und war bereits in der Frühzeit besiedelt.
  • Die Stadt weist eine lange Geschichte als Bischofssitz auf und ist noch heute stark durch die katholische Kirche geprägt.
  • Eichstätt hat als Kreisstadt eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Region.

Eichstätt – Am 5. Februar 908 wurde dem Eichstätter Bischof Erchanbald von König Ludwig IV das Münz-, Markt- und Zollrecht verliehen. Darüber hinaus erhielt er das Recht, den Ort mit einer Mauer zu umgeben. Dieser Tag gilt allgemein als Gründungsdatum der Stadt. Allerdings durfte sich Eichstätt formaljuristisch erst seit 1042 als „Civitas“ oder Stadt bezeichnen.

Eichstätt: Lage und Geografie

Eichstätt liegt an der Altmühl, einem Fluss, der die Fränkische Alb durchzieht, um in die Donau zu münden. Die Altmühl durchquert das Gebiet der Stadt. Darüber hinaus hat die Kreisstadt mit dem Kapellenbach ein weiteres Fließgewässer. Eichstätt liegt auf 400 Metern Höhe. Das Gebiet der Kreisstadt erstreckt sich über eine Fläche von knapp 48 Quadratkilometern. Die Lage von Eichstätt im geografischen Mittelpunkt von Bayern und die Anbindung an die Bundesautobahn A6 (Anschlussstelle Ansbach) stellen einen Vorteil für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt dar.

Eichstätt: Geschichte von der Frühzeit bis zum Ende des Mittelalters

Die Geschichte von Siedlungen in der Region Eichstätt reicht bis zum Ende der letzten Eiszeit zurück: Im 8. Jahrhundert v. Chr. ließen sich Menschen hier nieder. In der Antike gehörte Eichstätt zur römischen Provinz Raetia. Dabei lag die Region direkt südlich des Limes, den die Römer als Schutzwall gegen germanische Stämme errichtet hatten. Im 3. Jahrhundert gelang es den Alemannen, den Limes zu überwinden und die Römer zu vertreiben.

Dokumente aus dem 8. Jahrhundert enthalten erste urkundliche Erwähnungen der Stadt unter ihrem damaligen Namen „Eihstat“. In der Mitte dieses Jahrhunderts errichtete Bischof Willibald von Eichstätt, ein Benediktinermönch, ein Kloster in diesem Ort. Dies entwickelte sich zum Bischofssitz. In dieser Epoche bildete Eichstätt einen Bestandteil des Nordgaus. Dieses wurde mehrere Jahrhunderte von den Karolingern regiert. Der Karolinger König Ludwig IV verlieh Bischof Erchanbald 908 das Zoll-, Markt- und Münzrecht. Nach der Niederschlagung eines Aufstandes zu Beginn des 11. Jahrhunderts durch den Ottomanen-Herrscher Heinrich II erfolgte die Zerschlagung des Nordgaus. Danach entwickelte sich Eichstätt zur Residenz der Grafen Hirschberg. Ab 1305 regierten die Eichstätter Fürstbischöfe die Stadt.

Eichstätt: Geschichte von der frühen Neuzeit bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts

Das 17. Jahrhundert war vom Dreißigjährigen Krieg sowie mehreren Pest-Epidemien geprägt. Da Eichstätt als Zentrum des Katholizismus und der Gegenreformation galt, wurde das Bistum massiv von schwedischen Truppen angegriffen. 1632 und 1633 eroberten die Schweden die Stadt und zerstörten sie nahezu vollständig. Wie in vielen Gebieten Deutschlands kam es in Eichstätt nach dem Ende des Mittelalters zu umfangreichen Hexenverfolgungen beziehungsweise -prozessen. Insbesondere während der Regentschaft des Fürstbischofs und Gegenreformators Johann Christoph von Westerstetten von 1612 bis 1637 wurden viele Männern und Frauen wegen des Vorwurfs der Hexerei verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ließen die Fürstbischöfe die Stadt im barocken Baustil neu errichten. Insbesondere die folgenden Architekten aus Italien und Graubünden prägten mit ihren Bauten das Stadtbild:

  • Jakob Engel
  • Gabriel de Gabrieli
  • Maurizio Pedetti

Die Geschichte Eichstätts im 18. Jahrhundert war von einem Aufblühen der Wirtschaft gekennzeichnet, das vor allem durch das Handwerk vorangetrieben wurde. 1708 erhielt die Stadt ihre erste kaiserliche Poststation. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde sie in das Königreich Bayern integriert. Der Anschluss Eichstätts ans Eisenbahnnetz erfolgte erst im Jahre 1870 – dies erschwerte die wirtschaftliche Entwicklung der Region erheblich.

Eichstätt: Die Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde im Rahmen der November-Revolution ein Arbeiter- und Soldatenrat in der Stadt gegründet. Ökonomisch erlebte Eichstätt während der Weimarer Republik eine Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs mit steigender Arbeitslosigkeit und einer Verarmung großer Bevölkerungsschichten. Während der nationalsozialistischen Herrschaft erfolgte die Gleichschaltung aller öffentlichen Institutionen Eichstätts innerhalb kurzer Zeit. Adolf Hitler besuchte die Stadt mehrfach. Die in Eichstätt lebenden Juden wurden verfolgt und diskriminiert, auf dem Gebiet der Stadt wurde eine Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenburg errichtet. Im Gegensatz zu anderen bayerischen Regionen kam es in Eichstätt zu keinen größeren Zerstörungen während der Eroberung durch alliierte Truppen.

Nachdem Eichstätt 1940 den Status als kreisfreie Stadt verloren hatte, wurde dieser 1949 wieder hergestellt. In ganz Bayern erfolgte in der Zeit 1971 und 1980 eine umfassende Gebietsreform. In deren Rahmen wurde die Zugehörigkeit von Eichstätt zum Regierungsbezirk Mittelfranken beendet, um die Stadt in den Regierungsbezirk Oberbayern zu integrieren. Darüber hinaus wurde Eichstätt der Status als kreisfreie Stadt erneut aberkannt. Seit dieser Zeit ist Eichstätt eine mittelgroße Kreisstadt.

Eichstätt: Einwohner, Politik und Wirtschaft

Die Stadt Eichstätt gliedert sich in 14 Gemeindeteile, dabei handelt es sich um:

  • Blumenberg
  • Buchenhüll
  • Bahnhof Eichstätt
  • Hauptort Eichstätt
  • Häringhof
  • Landershofen
  • Lüften
  • Marienstein
  • Pietenfeld an der Leithen
  • Rebdorf
  • Wasserzell
  • Wimpasing
  • Wintershof
  • Ziegelhof

Ende 2019 lebten knapp 13.400 Einwohner in Eichstätt. Nachdem sich die Anzahl der Einwohner Eichstätts durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg um ein knappes Drittel erhöht hatte, nahm sie in den folgenden Jahrzehnten nur langsam zu. 2008 erreichte die Bewohnerzahl mit 14.103 Personen den höchsten Wert.

Die Parteien CSU und SPD prägen die Politik in Eichstätt seit vielen Jahrzehnten. In der Kommunalwahl vom 15. März 2020 gewann die CSU neun der insgesamt 24 Sitze im Stadtrat, die SPD erreichte fünf und die Grünen vier Sitze. Seit dieser Wahl bekleidet Josef Grienberger (CSU) das Amt des Oberbürgermeisters.

Die Wirtschaft Eichstätts weist zahlreiche Handwerks- und mittelständische Betriebe auf. Darüber hinaus besitzt der Dienstleistungssektor eine große Bedeutung, insbesondere aufgrund der Funktion Eichstätts als Einkaufs- und Verwaltungszentrum im Altmühltal. Auch die Industrie ist mit einigen größeren Betrieben hier vertreten.

Eichstätt: Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt spielt eine wichtige Rolle für das Geistesleben und die Wirtschaft der Stadt Eichstätt. Sie gilt als eine der größten, nicht-staatlichen Hochschulen in Deutschland. Im Wintersemester 2019/2020 waren an der Universität knapp 5.000 Studierende immatrikuliert.

Eichstätt bietet Touristen eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören mehrere Museen, unter anderem:

  • Diözesanmuseum mit Domschatz
  • verschiedene Domherrenhöfe
  • Eisenbahn-Freilicht-Museum

Die fürstbischöfliche Residenz wurde als dreiflügeliger Barockbau errichtet. Darin befindet sich der Spiegelsaal mit prachtvollen Stuckaturen und anderen Dekorationen. Die Willibaldsburg stammt aus dem 14. Jahrhundert und diente über viele Jahrhunderte als Bischofssitz. Die Anlage kann heute besichtigt werden und vermittelt einen Eindruck von der wechselhaften Geschichte der Burg.

Als Bischofssitz hat Eichstätt zahlreiche weitere bedeutende historische Sakralbauten, dazu gehören beispielsweise:

  • der Dom mit Motuarium
  • die Kapelle Maria Hilf
  • die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt
  • die Marienkapelle auf dem Frauenberg

Der nach historischem Vorbild in den 80er-Jahren wiederhergestellte Residenz-Platz lockt als Beispiel für barocke Baukunst in Bayern zahlreiche Besucher an. Der im Stil eines englischen Landschaftspark gestaltete Hofgarten ist wie der Bastionsgarten auf der Willibaldsburg ein beliebtes Touristenziel.

In unmittelbare Nähe der Stadt befindet sich der Naturpark Altmühltal, der durch gut ausgebaute Wanderwege erschlossen ist. Neben weitgehend unberührter Natur können Besucher hier prähistorische Fossilien entdecken. Auch das vom Bildhauer Alois Wünsche-Mitterecker geschaffene Figurenfeld im Hessental erfreut sich als Sehenswürdigkeit großer Beliebtheit. Es stellt ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt dar.

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