In der Innenstadt von Ingolstadt (Archivfoto).
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In der Innenstadt von Ingolstadt (Archivfoto).

Bayern wählt

Kommunalwahl in Ingolstadt: Die Stadtrat-Kandidaten aller Listen

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Welche Kandidaten für den Stadtrat von Ingolstadt setzten sich bei der Kommunalwahl 2020 durch? Die Spitzenkandidaten im Überblick.

+++ Ergebnisse Bürgermeisterwahlen +++

+++ Ergebnisse Stadt- und Gemeinderatswahlen +++

Ingolstadt - Jeder wahlberechtigte Ingolstädter hat bald ziemlich viele Kreuze zu vergeben: Der Stadtrat Ingolstadt hat inklusive Oberbürgermeister (OB) 51 Mitglieder. Auch der OB wird 2020 neu gewählt*.

Aktuell ist hier die CSU mit 20 Sitzen mit Abstand am stärksten vertreten, gefolgt von der SPD mit neun Sitzen. Grüne und Freie Wähler haben jeweils fünf Mandate, die Unabhängigen Demokraten Ingolstadts (UDI) belegen vier Sitze, die ÖDP und Die Linke jeweils zwei und die FDP einen. Die AfD zog bei der vergangenen Kommunalwahl nicht offiziell in den Stadtrat ein, zwischenzeitlich wechselte aber ein Stadtrat der Republikaner zur AfD. Laut Umfrage vor der Kommunalwahl in Ingolstadt* soll es 2020 ein knapperes Ergebnis geben.

Merkur.de* hält sie im Ticker zur Kommunalwahl 2020* auf dem Laufenden und hat außerdem mit den Spitzenkandidaten der Listen, die zur Stadtratswahl Ingolstadt 2020 antreten, gesprochen. Auch in unserem Bayern-Ticker* und München-News-Ticker* erhalten Sie Infos zur Kommunalwahl heute. 

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidatin der Linkspartei für den Stadtrat - Eva Bulling-Schroeter

Eva Bulling-Schroeter (Die Linke Ingolstadt)

Die Linke tritt in Ingolstadt 2020 mit einer Doppelspitze an. Christian Pauling ist im Wahlkreis der jüngste OB–Kandidat, und Eva Bulling-Schröter eine erfahrene Spitzenkandidatin für den Stadtrat von Regensburg. Von 1994 bis 2002 und von 2005 bis 2017 war Bundestagsabgeordnete. Von 2007 bis 2016 und seit 2018 hat sie außerdem den Landesvorsitz der Linken in Bayern inne. 1974 in die DKP eingetreten, wechselt sie 1990 in die PDS, die dann 2007 in Die Linke aufging. Seit 2018 ist Bulling-Schröter erneut deren Landessprecherin für Bayern.

Die Ökologin und ehemalige Betriebsrätin wirbt für sich mit einem „sozial- ökologischen Umbau, der die Beschäftigten mitnimmt und Schwächere nicht ausgrenzt.“ Größtes Problem in Ingolstadt ist ihrer Meinung nach „die Aufklärung der vielen Korruptionsfälle in Zusammenhang mit dem ehemaligen OB“ und den Beteiligten. „Deshalb braucht es im neuen Stadtrat Transparenz und ein neues Denken, das derlei Machenschaften ein für alle Mal verhindert und daraus auch Konsequenzen zieht“, sagte die 63-Jährige Stadtratskandidatin zu Merkur.de*.

Außerdem wolle sie konsequent gegen den Klimawandel handeln, der für sie nicht nur „Jugendthema“ sei, „sondern Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft“. Neben der Pflege stehe bezahlbares Wohnen sowie die Abschaffung von Altersarmut sowie prekärer Beschäftigung und Leiharbeitsverhältnisse auf ihrer Agenda.

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der AfD für den Stadtrat - Lukas Rehm

Lukas Rehm (AfD Ingolstadt)

Lukas Rehm tritt für die AfD Ingolstadt an. Der 30-Jährige lebt seit mehr als fünf Jahren in Ingolstadt und arbeitet in der Personalabteilung eines Ingolstädter Unternehmens. 2015 trat Rehm der AfD bei. Im Stadtrat Ingolstadt würde der Kandidat sich dafür einsetzen, „in unserem Land eine konservative und freiheitliche Politik wieder zu etablieren.“ Gerade deshalb sei ihm Kommunalpolitik wichtig.

Für Ingolstadt sei das Ziel, so Rehm zu Merkur.de*, „eine nach links treibende CSU mitsamt ihrem Klon namens ‚Freie Wähler‘ durch die schiere Präsenz einer starken AfD im Stadtrat wieder auf den rechten Weg zu bringen.“ Er sehe sich in erster Linie als „Diener der Ingolstädter Bürger“, um in den kommenden sechs Jahren die Stadt fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen: „Dabei werde ich sachlich vernünftigen Anträgen zustimmen, ganz gleich aus welchem politischen Lager sie kommen.“

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der UDI für den Stadtrat - Jürgen Köhler

Jürgen Köhler (Unabhängige Demokraten Ingolstadts)

Jürgen Köhler hat 2017 die politische Vereinigung „Unabhängige Demokraten Ingolstadts“ (UDI) mitbegründet, die 2020 erstmals bei einer Nürnberger Kommunalwahl antreten - mit Köhler als OB-Kandidat und an der Spitze ihrer Stadtratsliste. Der 65-Jährige leitete dis Ende 2019 das Kulturamt in Ingolstadt. Falls er in den Stadtrat einzieht oder gar OB wird, will er in Ingolstadt den öffentlichen Personennahverkehr und das Radwegenetz verbessern. Wichtig ist ihm auch, dass Schulanlagen und Sportstätten saniert werden - „längst überfällig“ nennt er es. „Dabei darf nicht der langjährige ‚Zwang zum Sparen‘, sondern die Nachhaltigkeit unseres Handelns im Vordergrund stehen“, sagte Köhler zu Merkur.de*.

Eine weitere Idee Köhlers: Die Gründung eines Jugendparlaments mit eigenem Stimm- und Antragsrecht im Stadtrat: „‘Fridays for Future‘ liefern für die Notwendigkeit der Einbeziehung der Jugend nicht nur beim Thema Natur- und Umweltschutz seit vielen Monaten den eindringlichen Beweis.“

Da er aus dem Kulturbetrieb kommt, ist nicht verwunderlich, was noch auf der Agenda des Spitzenkandidaten für den Stadtrat steht: Den Orchestermitgliedern des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt, welches zu den „renommiertesten Orchestern in Deutschland“ gehöre, einen tarifgerechten Lohn zu zahlen. Zudem befürwortet er eine Sanierung des Stadttheaters Ingolstadt und „für die Erhaltung der Theaterkultur in unserer Stadt“ den baldigen Bau der Kammerspiele.

Video: Welche Aufgaben haben Stadtrat und Gemeinderat?

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der Jungen Union für den Stadtrat - Markus Meyer

Markus Meyer (Junge Union Ingolstadt)

Der Spitzenkandidat der Jungen Union, für den Ingolstädter Stadtrat heißt Markus Meyer. Er war Vorsitzender der Jungen Union von 2012 bis 2019. Bereits seit 2014 sitzt er im Stadtrat Ingolstadt. Der Referent für Sozial- und Gesellschaftspolitik bei der „Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft“ hat in Geschichte promoviert. 

Meyer ist Jahrgang 1987 und will Ingolstadt als „Sportstadt“ weiterentwickeln, unter anderem durch einen hauptamtlichen Sportreferenten, durch „multifunktionale Sportstätten“, an denen etablierte und neue Sportarten angeboten werden und eine vereinsübergreifende „Sportcard“. 

Zum Thema Wohnraum sagte er zu Merkur.de*: „Höher, schneller, einheimischer!“ Die Junge Union Ingolstadt wolle dafür die Bebauungspläne so anpassen, dass die Geschossflächenzahl im innenstadtnahen Bereich und in Ortsteil-Neubaugebieten erhöht wird, die Bearbeitungszeiten für Bauanträge verkürzen sowie „Brachflächen aktivieren anstatt Grünflächen zu versiegeln“. Zudem solle das „Einheimischenmodell“ auch auf die Vergabe von Eigentumswohnungen in städtischer Hand angewendet werden.

Markus Meyer wirbt bei der Kommunalwahl 2020 in Bayern für sich und seine Partei damit, bis 2023 konkrete Maßnahmen umzusetzen, den Zugang zur nördlichen Uferpromenade der Donau zu verbessern, dort attraktive Sitzgelegenheiten zu schaffen und Badezugänge am Südufer einzurichten.

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidatin der Grünen für den Stadtrat - Petra Kleine

Petra Kleine (Grüne Ingolstadt)

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Ingolstadt stellt sich als OB-Kandidatin und als Listenführerin zur Wahl. Petra Kleine, die als Redakteurin und selbstständige Projektmanagerin arbeitet, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Klima ist ihr Thema: Erstens wünsche sie sich ein „mitmenschliches und weltoffenes“ Ingolstadt, zum anderen ein „nachhaltiges Wirtschaften“ und eine „intakte Natur“, erklärte die 59-Jährige Merkur.de*. „Es ist Zeit für tiefgreifende Veränderung.“

Die Grünen Ingolstadt wollen dafür sorgen, dass auch „leise Stimmen“ gehört werden - für „rechte Parolen ist dabei kein Platz“. Petra Kleine will „gemeinsam mit den kritischen Bürger*innen“ den Technologiewandel in der Wirtschaft und den Klimaschutz „sozial gerecht gestalten“. „Notwendige Veränderungen“ müssten zu „Zukunftschancen“ werden. Kleine plädiert dafür,  Grünringe als Frischluftschneisen zu erhalten, mehr autofreie Bereiche in der Innenstadt Ingolstadts zu schaffen und die regionale Landwirtschaft stärken, Sie ist entschieden gegen eine vierte Donau-Querung und möchte auf 100 Prozent erneuerbare Energien umsteigen.

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der CSU für den Stadtrat - Christian Lösel

Christian Lösel (CSU Ingolstadt)

Der amtierende OB von Ingolstadt, Christian Lösel, ist gebürtiger Münchner, verbrachte aber seine Schulzeit in Ingolstadt und studierte danach hier Betriebswirtschaftslehre, um nun als Steuerberater zu arbeiten. Neben OB ist der CSU-Politiker außerdem Integrationsbeauftragter der Stadt, Präsident des Eissport- und Rollschuhclubs Ingolstadt und sitzt im Aufsichtsrat der Ingolstädter Verkehrsgesellschaft. Der 44-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bei der Kommunalwahl 2020 führt er auch die Liste der CSU für den Stadtrat in Ingolstadt an.

„Ich möchte, dass wir Ingolstädter auch in Zukunft mit Recht sagen können: ‚Uns geht es besser als anderswo, unsere Kinder haben beste Zukunftschancen und unser Standort ist anderen Standorten immer eine Nasenspitze voraus!‘“, sagte Lösel zu Merkur.de*. Er wolle sich mit seiner Partei dafür einsetzen, die „hohe Lebensqualität“ der Stadt weiter zu steigern und die „besten sozialen, ökologischen und ökonomischen Lebensbedingungen“ herzustellen.

Im Vorfeld der Wahl sorgte Lösel aber nicht nur für positive Schlagzeilen. Ein Posting eines Parteigenossen auf Facebook sorgte gar für einen richtigen Eklat.

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der Freien Wähler für den Stadtrat - Hans Stachel

Hans Stachel (Freie Wähler Ingolstadt)

Der selbständiger Handwerksmeister und Betriebswirt Hans Stachel tritt für die Freien Wähler Ingolstadt als Stadtrats-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl in Bayern an. Sein Beruf gebe ihm sowohl „Einblick in die Lebenswirklichkeit vieler Menschen“ als auch „einen Blick für wirtschaftliche Zusammenhänge in unserer Stadt“, sagte er zu Merkur.de*. Seine Partei sei „gegen radikale Ansichten“ und für eine „ideologiefreie Politik“.

„Die Sicherung der Grundversorgung in kommunaler Hand ist von Bedeutung, genau wie eine solide Haushaltsführung“, erklärte er weiter. Stachel will den öffentlichen Personennahverkehr weiterentwickeln und die Grünringe in Ingolstadt erhalten. Seine Partei befürwortet außerdem eine vierte Donau-Querung als Tunnel. Zur aktuellen Kammerspiele-Debatte hat Stachel ein klare Meinung: „Kammerspiele um jeden Preis? Nicht mit mir.“ Bei dem Projekt dürfe man nicht das Budget übersteigen - und die Sanierung des Stadttheaters habe für ihn höhere Priorität. 

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der SPD für den Stadtrat - Christian Scharpf

Christian Scharpf (SPD Ingolstadt)

„Ingolstadt braucht nach 48 Jahren CSU-OBs einen politischen Neuanfang“, deklarierte Christian Scharpf gegenüber Merkur.de*. 100 Prozent der Delegierten der SPD Ingolstadt stimmten für ihn als OB-Kandidaten - außerdem ist er der erste Kandidat auf der Liste für den Stadtrat. Nach den „Lehmann/Lösel-Jahren“ gäbe es im Stadtrat Ingolstadt „heftige Zerwürfnisse“, erläuterte er. 

Er wolle „mehr Miteinander statt Gegeneinander“ und eine „neue politische Kultur, die versöhnt statt spaltet“.  Der Jurist, Jahrgang 1971, wuchs in Ingolstadt und im Landkreis Eichstätt auf, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist römisch-katholischen Glaubens. 

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der ÖDP für den Stadtrat - Raimund Köstler

Raimund Köstler (ÖDP Ingolstadt)

Der IT-Architekt Raimund Köstler sitzt seit 2017 für die ÖDP im Stadtrat Ingolstadt. Für die Stadtratswahl ist er der Spitzenkandidat. Eine „respektvolle Zusammenarbeit“ im Stadtrat sei wichtig: „Transparenz und Offenheit sind seit dem Fall Lehmann mehr denn je geboten“, so Köstler zu Merkur.de*. Die Stadt müsse „qualitatives statt quantitatives“ Wachstum anstreben. „Das Glacis, der Zweite Grünring und der Auwald sind zu bewahren.“ 

Raimund Köstler, Jahrgang 1963, ist außerdem Sprecher der ÖDP-Stadtrats-Gruppe. Seine Partei setze sich für mehr Unabhängigkeit von der Automobilindustrie und den „Erhalt einer bäuerlichen Landwirtschaft“ ein. Um den Ausstieg aus dem Atom- und Kohlestrom zu ermöglichen, will die Fraktion die Stadtwerke Ingolstadt zurückkaufen. Köstler warnt zudem vor den Risiken von 5G und Künstlicher Intelligenz (KI).

Kommunalwahl Ingolstadt: Spitzenkandidat der BGI für den Stadtrat - Christian Lange

Christian Lange (Bürgergemeinschaft Ingolstadt BGI)

Christian Lange hat bereits Erfahrung als Kandidat in Ingolstadt. 2014 war er im Rennen für die Bürgergemeinschaft Ingolstadt (BGI). 2020 kandidiert er wieder und ist der Spitzenkandidat der BGI bei der Stadtratswahl. „Die Bürger haben in Ingolstadt das Vertrauen in die Kommunalpolitik teilweise verloren. Korruptionsaffären, fehlende Transparenz und ungenügende Bürgerbeteiligung sind Ursachen dafür“, kritisierte der 53-Jährige die aktuelle Lage in der Stadt gegenüber merkur.de*.

Was sind die Lösungsvorschläge von Christian Lange? „Wir brauchen in Ingolstadts Kommunalpolitik viel mehr Transparenz durch ein Ratsinformationssystem, in dem auch die Protokolle abgelegt sind und durch einen modernen und barrierefreien Live-Stream mit einer gut strukturierten Mediathek. Und wir brauchen eine echte und entscheidungsrelevante Bürgerbeteiligung.“

Video: Welche Aufgaben haben Stadtrat und Gemeinderat?

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Für den Wahltag empfehlen wir Ihnen unseren Spickzettel für die Kommunalwahl Bayern 2020 als pdf-Datei zum Download und Ausdrucken. Ausführliche Informationen zum Ausfüllen des Stimmzettels*, Briefwahl* und der Wahlbenachrichtigung* haben wir außerdem unter dem jeweiligen Link zusammengestellt.

Alle Informationen und Termine zur Kommunalwahl 2020 in Bayern finden Sie hier*. Ergebnisse der Kommunalwahl 2020 gibt es am Sonntag, 15. März 2020, bei Merkur.de.* Bereits im Vorfeld finden Sie bei uns eine ausführliche Berichterstattung über Kandidaten, Listen und alle aktuellen Entwicklungen*. 

Das Rennen um den Stadtrat in anderen bayerischen Städten

Am 15. März ist nicht nur in Ingolstadt, sondern in ganz Bayern Kommunalwahl, zum Beispiel auch in München*. Für diese Städte hat merkur.de* ebenfalls die Parteien und ihre Kandidaten zusammengetragen:

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

frs

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