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Minister Herrmann klagt die Justiz an.

Innenminister: Entlassung des Sex-Täters war Justiz-Fehler

Töging/Traunstein - Bei dem rückfälligen Sexualverbrecher von Töging sieht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) schwere Versäumnisse der Justiz.

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Schreckliche Bluttat in Töging

Der Täter wollte Carmen K. vergewaltigen 

"Ich habe null Verständnis für die Entscheidung des Landgerichts Saarbrücken, das im Jahr 2006 die dauerhafte Unterbringung von Matthias A. in der Psychiatrie für erledigt erklärt hat", sagte Herrmann am Donnerstag in München. "Matthias A. war als hochgefährlich und hoch rückfallgefährdet eingestuft." Seine Entlassung sei deshalb ein schwerer Fehler gewesen.

Der 40 Jahre alte Täter hatte die 16-jährige Carmen am Dienstag in Töging am Inn (Landkreis Altötting) überfallen, mit einem Messer auf sie eingestochen und sie schließlich mit Benzin übergossen. "Das Leben eines jungen Mädchens ist mir wichtiger als die Resozialisierung eines Verbrechers", sagte Herrmann laut Mitteilung des Ministeriums. "Ich begreife nicht, wie man bei dieser negativen Prognose die dauerhafte Unterbringung beenden kann."

Bilder vom Tatort

Bilder: Bluttat in Töging

Wenn die gesetzlichen Grundlagen für eine dauerhafte Unterbringung dieses Verbrechers nicht ausgereicht haben sollten, könne es nur eine Antwort geben: schärfere Gesetze. "Solche Täter gehören hinter Schloss und Riegel." Dabei gehe es hier nicht um Strafe, sondern um den Schutz der Bevölkerung. "Weder die engmaschige Überwachung noch die Führungsaufsicht mit einer täglichen Meldeauflage bei der Polizei konnten diese Tat verhindern", betonte Herrmann.

Video:

Interview mit der Nachbarin des Täters (rosenheim24.de)

Nach dem brutalen Messerüberfall auf Carmen soll ein Psychiater ein Gutachten zu dem gefährlichen Sexualtäter erstellen. Auch deshalb würden die Ermittlungen sicher erst in einigen Monaten abgeschlossen, sagte ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Traunstein am Donnerstag.

Landgericht Saarbrücken weist Vorwürfe zurück

Das Landgericht Saarbrücken hat indes die Vorwürfe von Herrmann zurückgewiesen. Die Vize-Pressesprecherin des Landgerichts Saarbrücken sagte dazu, die Strafvollstreckungskammer des Gerichts habe seinerzeit gar nicht anders entscheiden können. Die Kammer habe die Unterbringung des 40-Jährigen für erledigt erklärt, weil ein Gutachter gesagt habe, dass die dissoziale Persönlichkeitsstörung des Mannes diese Maßnahme nicht rechtfertige.

"Im Bewusstsein der bestehenden Gefährlichkeit" des Mannes habe die Kammer diesen in den Strafvollzug geschickt, weil es keine andere gesetzliche Handhabe gehabt habe. 2008 kam er wieder auf freien Fuß, blieb aber unter sogenannter Führungsaufsicht unter anderem mit polizeilicher Meldepflicht.

Kurz nach dem grausamen Überfall am frühen Dienstagabend war der mehrfach einschlägig vorbestrafte Tatverdächtige bei einer Ringfahndung festgenommen worden. Am Mittwoch war gegen den gebürtigen Mainzer, der Ende 2008 nach Töging gezogen war, Haftbefehl erlassen worden.

Den Ermittlungen zufolge hat der Mann der Schülerin auf einem Feldweg aufgelauert. Die 16-Jährige fuhr dort mit dem Fahrrad von einer Reitstunde nach Hause. Mit einem Messer in der Hand zwang der Mann das junge Mädchen, abzusteigen und ihm in ein Maisfeld zu folgen. Dort versuchte er die 16-Jährige zu vergewaltigen, dann stach er mit dem Messer etliche Male auf sie ein. Danach übergoss er sie aus einer Flasche mit Benzin und flüchtete mit ihrem Fahrrad. Der 40-Jährige hat die Tat gestanden, aber keine weiteren Angaben dazu gemacht.

Die aus Töging stammende 16-Jährige erlitt eine Vielzahl von Stichverletzungen am Oberkörper sowie an Kopf und Hals. Mit letzter Kraft konnte das blutüberströmte Opfer noch per Handy einen Verwandten benachrichtigen. "Das Handy dürfte dem Mädchen das Leben gerettet haben", sagte Sprecher Fritz Braun vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim. "Das Mädchen ist gerade noch so am Tod vorbeigeschrammt." Die 16-Jährige liegt in einem Krankenhaus, ist aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Dem Täter werden versuchter Mord, versuchte Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Tatwaffe wurde bisher noch nicht gefunden, obwohl auch Taucher im Inn danach gesucht hatten. Auch das Fahrrad des Mädchens ist noch verschwunden.

Der 40-Jährige war in der Vergangenheit nach Angaben der Traunsteiner Staatsanwaltschaft immer wieder als Sexualtäter aufgefallen. Wegen versuchter sexueller Nötigung in zwei Fällen wurde er 1991 zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Nach der Vergewaltigung einer Frau wurde er 1992 vom Landgericht Hildesheim zu drei Jahren Haft und zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt. Aufgrund dieses Urteils war er fast 14 Jahre - von Juni 1992 bis Februar 2006 - in der Psychiatrie.

Während eines Ausgangs in dieser Zeit überfiel er im Jahr 2000 wieder eine Frau und wurde deshalb zu 18 Monaten Haft und weiterer Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt verurteilt. Im Februar 2006 erklärte das Landgericht Saarbrücken die Unterbringung für erledigt, daraufhin befand der Mann sich in Strafhaft. Im Oktober 2008 kam er wieder auf freien Fuß, blieb aber unter sogenannter Führungsaufsicht unter anderem mit polizeilicher Meldepflicht. Kurz nach seiner Freilassung zog er nach Töging.

dpa

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