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Joachim Herrmann

Innenminister will Verkauf harten Alkohols einschränken 

München - Die Zahl der Straftaten in Bayern ging 2009 zurück, die Verbrechen unter Alkohleinfluss schockieren aber. Innenminister Herrmann will den "rund-um-die-Uhr"-Verkauf harten Alkohols einschränken.

Die Kriminalität in Bayern geht weiter zurück. Die Zahl der gemeldeten Straftaten sank im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf 635 000 Delikte, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in München mitteilte. Knapp zwei Drittel der Straftaten wurden aufgeklärt. “Wir schützen die Bürger und jagen die Ganoven - und das beides mit Erfolg“, sagte Herrmann. “In Bayern leben die Menschen sicherer als anderswo.“ Trotz aufsehenerregender Gewaltexzesse von Jugendlichen wie beim Mord am Geschäftsmann Dominik Brunner sei auch die Gewaltkriminalität rückläufig. Die größte Sorge bereite ihm der Anstieg von Taten unter Alkoholeinfluss, sagte Herrmann. Er sprach sich dafür aus, hochprozentige Alkoholika nicht mehr rund um die Uhr verkaufen zu lassen.

Die Zahl der Straftaten unter Alkoholeinfluss stieg um 3,7 Prozent auf 65 000. Vor allem Jugendliche fielen hier auf, erläuterte Herrmann. Mehr als jeder sechste jugendliche Täter sei alkoholisiert gewesen, bei den heranwachsenden Tätern war es sogar etwa jeder dritte. “Koma-Saufen und Flatrate-Partys sind nur zwei Schlagworte, die uns deutlich machen, was sich unsere Jugendlichen und Heranwachsenden hier antun“, sagte Herrmann.

Alkohol spiele vor allem bei Gewaltdelikten eine große Rolle - etwa bei mehr als der Hälfte der heranwachsenden Täter. Die Rund-um- die-Uhr-Verfügbarkeit von harten Alkoholika müsse unterbrochen werden. Vorstellbar sei aus seiner Sicht, die Ausnahme vom Ladenschluss für hochprozentige Getränke - zum Beispiel für Tankstellen - aufzuheben. “Es geht mir dabei nur um das Verkaufsverbot von Schnaps und schnapshaltigen Getränken und nicht um die Flasche Bier für den gemütlichen Abend.“

Insgesamt ging die Zahl der Gewaltdelikte zwar um 2,7 Prozent zurück. “Dennoch stellen wir eine hohe Gewaltbereitschaft einzelner fest“, betonte der Minister. Ob die einzelnen Gewalttaten brutaler geworden seien, könne er an der Statistik nicht ablesen. Ein wichtiger Punkt bei den Gegenmaßnahmen sei die Zivilcourage. Er verwies auf eine neue Attacke Jugendlicher in der Münchner U-Bahn am vergangenen Wochenende, “wo nicht lange zugesehen wurde, sondern andere Fahrgäste eingeschritten sind“. Er begrüße jede Initiative für Zivilcourage. “Es kommt in bestimmten Situationen darauf an, dass Frauen und Männer beherzt handeln.“

Immer mehr Täter verlegen sich auch auf das gezielte Ausspähen und Kopieren von Daten auf Zahlungskarten, das sogenannten Skimming. Der Betrug in diesem Bereich sei binnen fünf Jahren um das zehnfache gestiegen, erläuterte Herrmann. Diebstähle sind nach wie vor die häufigsten Delikte. Dabei seien erstmals wieder mehr Autos gestohlen worden - vor allem im Grenzgebiet zu Tschechien. Gestiegen seien insbesondere auch die Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte - der Anstieg liege von 2008 auf 2009 bei 20 Prozent. “Diese Entwicklung werde ich auf gar keinen Fall hinnehmen.“ Herrmann verlangte, den Strafrahmen hier von zwei auf drei Jahre Haft anzuheben.

dpa

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