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Schüler an der S-Bahn: Die Fahrt ist ziemlich teuer.

Innovation in Hessen

Ein-Euro-Ticket für Schüler – nicht in Bayern

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Eine Idee aus Hessen elektrisiert die Eisenbahnwelt: Dort soll demnächst ein Schülerticket für einen Euro am Tag eingeführt werden. In Bayern nicht machbar, winkt die CSU ab.

München – Das neue Schülerticket in Hessen ist beschlossene Sache: 365 Euro im Jahr, also nur einen Euro am Tag, soll die Fahrkarte kosten, mit der Schüler künftig im ganzen Bundesland Regionalzüge, S-Bahnen und Busse nutzen dürfen. Der Initiative des hessischen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) haben schon zwei der drei großen Verkehrsverbünde zugestimmt. Das Land Hessen bezuschusst einen dreijährigen Versuch, der ab dem kommenden Schuljahr gestartet wird, mit jährlich 20 Millionen Euro.

„So etwas würden wir in Bayern definitiv unterstützen“, sagt Norbert Moy, Bezirksvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn aus Weilheim. Moy findet die Initiative „eine sehr gute Sache“, weil gerade junge Menschen so zur Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln animiert würden. „Und das sind schließlich die Bahnkunden von morgen.“

Das neue Ticket schlägt alle bisherigen Angebote

365 Euro klingt viel – und ist doch weit weniger, als die bisherigen Sonder-Tickets für Schüler sowohl in Hessen als auch in Bayern kosten. So schlägt eine sogenannte CleverCard für den öffentlichen Nahverkehr im Raum Frankfurt mit 417,90 Euro im Jahr zu Buche. Die CleverCard wird nun abgeschafft. Die MVV-Ausbildungstarife sind meist noch teurer als die Frankfurter. Fallbeispiel: Wenn ein 17-jähriger Schüler aus Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck) auf ein humanistisches Gymnasium will (das es in seinem Ort nicht gibt), so muss er nach München fahren. Für S- und eventuell U-Bahn oder Tram zahlt er nach dem MVV-Ausbildungstarif II (5. Ringe) 67 Euro im Monat oder 18.50 Euro in der Woche. Abzüglich drei Monate Ferien ergibt das einen Jahresbetrag von mindestens 603 Euro.

Für Bayern ist das Ticket keine Option, sagt die CSU

Der CSU-Wirtschafts- und Verkehrsexperte im Landtag, Erwin Huber, lehnt das Hessen-Ticket trotzdem ab. Er verweist auf eine Vielzahl von Sonderregelungen in Bayern. Jeder der fünf großen Verkehrsverbünde hat sein eigenes Schüler- oder Auszubildenden-Ticket. „Auf diese bunte, breit gefächerte Struktur ein einheitliches Schülerticket überzustülpen, ist schwer vorstellbar.“ Die Kosten dürften auch weit höher als in Hessen sein – Bayern hat gut doppelt so viele Schüler wie Hessen, nämlich 1,7 Millionen. Außerdem gilt in Bayern bis einschließlich der 10. Klasse die Schulwegkostenfreiheit – alle Kosten werden von Freistaat und Kommune übernommen. Aber eben nur für den Schulweg, nicht für beliebige Fahrten von der Stadt X ins Dorf Y. „Die Freizeit-Rumreiserei von Schülern zu fördern, ist keine staatliche Aufgabe“, findet indes Erwin Huber.

Wenn ein Jugendlicher in die Disco fahre, ins Konzert nach München oder zur Oma in den Nachbarort, sei das letztlich sein Privatvergnügen. Im Extremfall würden mit einem Ein-Euro-Schülerticket Millionärs-Kinder bezuschusst.

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