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Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) lässt sich von Sophie Friedl, Doktorandin im Bereich "öffentliches Gesundheitswesen nach dem Nationalsozialismus" am IfZ, die Datenbankarbeit für das Projekt zeigen.

Acht Studien geplant

Forscher durchleuchten NS-Belastung von Ministerien

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München - Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München erforscht die NS-Vergangenheit von früheren Beamten in bayerischen Spitzenbehörden.

Ein neues Forschungsprojekt nimmt die NS-Belastung bayerischer Behörden und Ministerien in den Blick. Mit acht exemplarischen Studien will das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) der Frage nachgehen, welche „Brüche und Kontinuitäten“ den demokratischen Neuanfang prägten. Das Projekt unter dem Titel „Demokratische Kultur und NS-Vergangenheit. Politik, Personal, Prägungen in Bayern 1945 bis 1975“ wird vom Freistaat Bayern finanziert.

Den Anstoß hatte der Bayerische Landtag in einem fraktionsübergreifenden Beschluss gegeben, nachdem die Grünen das Thema lanciert hatten. Es kostet 1,8 Millionen Euro. Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte, es gehe um eine „offensive Aufarbeitung“ der NS-Vergangenheit. Durch die Studien werde „sicher nicht nur Angenehmes zutage treten“, aber dem müsse man sich stellen.

Auch Spaenles Haus, das bayerische Kultusministerium und hier speziell die Schulabteilung sowie die Direktoren der bayerischen Gymnasien, soll von den Forschern unter die Lupe genommen werden – allerdings erst in einer zweiten Projektphase ab 2019. In einer ersten Phase sollen zunächst vier Studien erarbeitet werden:

-die bayerische Staatskanzlei und die Personalpolitik

-das Leitungspersonal des bayerischen Finanzministeriums

-das Landeskriminalamt und der Verfassungsschutz

-das öffentliche Gesundheitswesen.

In den Studien werde es nicht um „Nazi-Zählerei“ oder gar „ein neues Spruchkammerverfahren“ gehen, betonte der Leiter des IfZ, Andreas Wirsching. Das reine Zählen von NSDAP-Mitgliedschaften unter der bayerischen Beamtenschaft der Nachkriegszeit sei nicht befriedigend. Vielmehr werde man exemplarisch nach dem Handeln von Personen fragen, Karriereverläufe, individuelle Prüfungen und Personalpolitik analysieren. Die Forscher wollen nicht bei der Leitungsebene der Ministerien stehen bleiben, sondern auch in die Tiefe gehen. So wird bei der Erforschung des Gesundheitswesens nicht nur die Ministeriums-Abteilung untersucht, sondern auch das Personal der Gesundheitsämter sowie der Heil- und Pflegeanstalten auf lokaler Ebene. Auch demokratische Lernprozesse seien im Fokus. Spektakuläre Enthüllungen erwartet Wirsching nicht, da es eher um Personen auf der zweiten Ebene gehen werde. Auch einer von Spaenles Vorgängern, Theodor Maunz, wird nicht erneut untersucht. Der Jurist und führende Grundgesetz-Kommentator hatte inkognito Kolumnen in der „Deutschen Nationalzeitung“ geschrieben. Doch das sei bekannt, außerdem sei zu Maunz eine Dissertation vor dem Abschluss.

Wirsching räumte ein, dass so ein Forschungsprojekt vor 30 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Zum einen, weil da noch Akten gesperrt gewesen seien; zum zweiten aber, weil damals noch „eine Generation das politische Feld beherrschte“, die in „Befangenheiten“ gebunden gewesen sei. Selbst in den 1990er Jahren seien solche Fragestellungen nur „mit spitzen Fingern“ angefasst worden. Der Zugang vor allem zu Personalakten sei heute indes meist unproblematisch – allerdings deutete Wirsching an, dass die Akten-Abgabe des Verfassungsschutzes noch verbessert werden könne. Er sprach hier von „ersten Sondierungen“.

Vorbildfunktion hat für das IfZ die NS-Aufarbeitung auf Bundesebene. Als erstes hatte das Außenministerium unter dem damaligen Minister Joschka Fischer 2005 eine NS-Durchleuchtung in Auftrag gegeben – damals gab es noch vehemente Proteste dagegen. Mittlerweile ist die Behörden-Aufarbeitung fast Routine: Nicht weniger als 36 west- und ostdeutsche Institutionen wurden bisher durchleuchtet.

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