Großeinsatz am Schliersee - Schwimmer offenbar vermisst

Großeinsatz am Schliersee - Schwimmer offenbar vermisst
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Für das Team in der Konditorei Müller in Prien war Naseer Ahmadi (2. von links) sehr wichtig. Nun hat er nach drei Jahren keine Arbeitserlaubnis mehr bekommen – und seine Kollegen wissen nicht, wie sie das kompensieren sollen. 

Flüchtlinge in Arbeit

Integration mit Hindernissen: Nach drei Jahren die Arbeitserlaubnis verloren 

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Arbeit sei der zentrale Schlüssel zur Integration, betont Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Bei einer Konferenz sucht er mit Vertretern der Wirtschaft nach Lösungen. Viele Arbeitgeber beschäftigen jedoch ohnehin seit Jahren Flüchtlinge – und klagen, dass es die Politik ist, die ihnen dabei Steine in den Weg legt.

Prien/München – Luitpold Müller musste das Angebot seiner Konditorei in Prien (Kreis Rosenheim) vor Kurzem um einige Produkte reduzieren. Weil er und sein Team es trotz Überstunden einfach nicht mehr schaffen. Müller hat vor wenigen Tagen einen Mitarbeiter verloren – und weiß nicht, wie er das kompensieren soll.

Der Mitarbeiter heißt Naseer Ahmadi – und wünscht sich nichts mehr, als sein Leben hier in Bayern so weiterführen zu dürfen, wie er es die vergangenen drei Jahre getan hat. Als er damals erfuhr, dass in der Konditorei Mitarbeiter gesucht werden, hat er sich vorgestellt – und die Stelle bekommen. Müller hatte damals ein gutes Gefühl. „Man merkt sofort, ob jemand arbeiten will“, sagt er. Ahmadi wollte unbedingt arbeiten. Er hat perfekt Deutsch gelernt, sogar ein klein wenig Bairisch. Er konnte sich von seinem Gehalt eine Wohnung mieten und Steuern zahlen, war nicht mehr auf die Hilfen vom Staat angewiesen.

Jahrelanges Warten auf den Asylbescheid 

Auf seinen Asylbescheid wartete er seit 2015, seine erste Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fand erst vergangenes Jahr statt. Im Dezember kam die Ablehnung, dagegen klagt Ahmadi. Bis das Verfahren entschieden ist, werden noch Monate vergehen. Doch seine Arbeitserlaubnis hat er im Juni verloren. Ein paar Tage nachdem Angela Merkel im Bundestag gesagt hatte, dass wieder nach Afghanistan abgeschoben werden könne. Naseer Ahmadi hat seitdem jeden Tag Angst, dass er abgeholt wird. Und Luitpold Müller macht Extraschichten in der Bäckerei. Einen neuen Mitarbeiter hat er so schnell nicht gefunden. „Ich bekomme seit Jahren so gut wie keine Bewerbungen mehr“, sagt er.

Naseer Ahmadi ist einer der Fälle, bei denen sich Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK München und Oberbayern, etwas mehr Toleranz wünschen würde. Damit bezieht er sich darauf, dass der Freistaat seit Ende 2016 keine Arbeitsgenehmigungen mehr für Flüchtlinge mit schlechter Bleibeperspektive ausstellt. „Wir verstehen, dass die Politik kein Pull-Signal in diese Länder senden möchte“, sagte er gestern bei der Integrationskonferenz zum Thema Arbeit, zu der Joachim Herrmann (CSU) geladen hatte. Trotzdem müsse besonders für die Menschen, die seit Jahren in Deutschland sind und auf einen Asylbescheid warten, eine Regelung gefunden werden, von der alle profitieren. Auch die Arbeitgeber, die ihnen eine Chance gegeben haben. Herrmann entgegnete, er halte nichts von einer Pauschallösung für die sogenannten Altfälle. „Wir müssen jeden Fall einzeln prüfen.“ Dann erst könne entschieden werden, ob in Einzelfällen von einer Abschiebung abgesehen werden kann.

Arbeit als Schlüssel zu gelungener Integration

In einer Sache aber waren sich der Innenminister und die 70 Vertreter aus der Wirtschaft und der kommunalen Spitzenverbände einig: Arbeit ist der Schlüssel zu gelungener Integration. Und mit den Bemühungen, die es in Bayern bisher gab, zeigten sich alle sehr zufrieden. Die Arbeitslosenquote von Ausländern liege mit 6,2 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, bilanzierte Herrmann. Das Projekt „Integration durch Ausbildung und Arbeit“ hatte schon im März das für Ende 2019 gesetzte Ziel erreicht, 60 000 Migranten erfolgreich in Arbeit zu bringen. Doch noch vieles könne verbessert werden, betonte der Minister. Zum Beispiel die berufsbezogene Sprachförderung.

Bernhard Gerstenkorn hat sich darum selbst gekümmert. Er leitet ein Gartencenter in Neubiberg (Kreis München). Und hat dort bereits seit 2015 Flüchtlinge eingestellt, denen er in seinen Räumen einen kostenlosen Deutschkurs organisiert. Weil er dankbar war, zuverlässige und engagierte Mitarbeiter gefunden zu haben. Sie stammten aus Pakistan, Afghanistan oder afrikanischen Staaten. Und viele von ihnen hat er mitten in der Hochsaison verloren, als Bayern die Arbeitsverbote einführte. Erst neulich musste ein Flüchtling aus Mali, mit dem er sehr zufrieden war, seinen Betrieb verlassen, weil er plötzlich in eine Unterkunft nach Traunstein verlegt wurde. Damals hat Gerstenkorn viel mit den Behörden telefoniert. „Mir wurde klar signalisiert, dass unser Engagement, ihn zu beschäftigen, nicht erwünscht ist.“

Trotzdem stellt er weiterhin Flüchtlinge ein – auch wenn sie noch keinen Asylbescheid haben. „Weil ich nicht verstehen kann, warum ich das nicht tun sollte.“ Schon seine Eltern hatten in den 60ern Gastarbeiter in dem Gartencenter beschäftigt. Und in den 90er-Jahren Flüchtlinge aus dem Kosovo, damit sie in Deutschland Fuß fassen können. Mit dieser Einstellung hat Bernhard Gerstenkorn den Familienbetrieb übernommen. Nur eines hat sich seit damals geändert, findet er. Früher musste sich seine Familie keine Sorgen machen, dass gut eingearbeitete Mitarbeiter von heute auf morgen nicht mehr arbeiten dürfen.

Katrin Woitsch / Dirk Breitfuss

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