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Sie will alle Fraktionen an einen Tisch holen: Kerstin Schreyer hat ihr Amt als neue bayerische Integrationsbeauftragte angetreten.

Bayerns neue Integrationsbeauftragte

Schreyer will sich für Frauen starkmachen

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Seit drei Tagen ist Kerstin Schreyer Bayerns neue Integrationsbeauftragte. Gestern gab sie erstmals bekannt, welche Schwerpunkte sie bei ihrer neuen Aufgabe setzen wird. Stark machen will sie sich besonders für die Integration von Frauen mit Migrationshintergrund.

München - Kerstin Schreyer weiß, dass sie es hier mit großen Fußstapfen zu tun hat. Ihr Vorgänger Martin Neumeyer hat das Amt sieben Jahre lang geprägt. Inhaltlich stehe sie seiner Arbeit sehr nahe, betonte die 45-Jährige. Aber sie will eigene Akzente setzen. Wie, das verkündete sie an ihrem zweiten Tag im Amt.

„Es gibt viele Frauen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen und sich oft schwer tun, hier anzukommen“, sagt sie. Viele haben Kinder und können nicht arbeiten, weil sie sich um die Erziehung kümmern müssen. Das führe dazu, dass sie die Sprache schlecht lernen und irgendwann kaum Rente bekommen. „Wir wissen heute schon, dass ihnen irgendwann die Altersarmut droht“, sagt Schreyer. „Ich möchte an diese Frauen herankommen. Auch sie sollen eine Chance bekommen, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Sonst lassen wir ein großes Potenzial ungenutzt.“ Bayern sei das Land gelingender Integration. „Aber in diesem Bereich können wir noch besser werden“, ist sie überzeugt.

Verbesserungspotenzial sieht Schreyer außerdem bei der Dauer der Asylverfahren im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das sei wichtig, um gezielt die Flüchtlinge in Arbeit zu vermitteln, die in Deutschland bleiben dürfen. Damit bezieht sie sich auf das nur in Bayern eingeführte Arbeitsverbot für Flüchtlinge aus Herkunftsstaaten mit schlechter Bleibeperspektive. „Arbeit ist eine Integrationsmaßnahme für Menschen die hier bleiben oder tendenziell hier bleiben werden“, betont Schreyer. Bei allen anderen sei das Ziel eine schnellere Abschiebung in die Heimatländer. „Für sie wäre Arbeit die falsche Antwort. Betroffene müssten die Klarheit haben, dass sie nicht in Deutschland bleiben werden.

Sehr zufrieden ist Kerstin Schreyer mit dem Integrationsgesetz, das Bayern vergangenes Jahr auf den Weg gebracht hat. „Wir haben damit die Werte festgelegt, nach denen wir hier miteinander leben wollen“, sagt sie. „Werte wie Toleranz und Gleichberechtigung sind für uns nicht verhandelbar.“

Für ihr neues Amt fühlt sie sich gut gerüstet. Die CSU-Politikerin aus Unterhaching (Landkreis München) ist Sozialpädagogin und Familientherapeutin. Sie habe viel mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu tun gehabt, sagt sie selbst. Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnete sie bei der vorgezogenen Amtseinführung im Januar als versierte Sozialpolitikerin. Sie sitzt seit neun Jahren für die CSU im Landtag.

Ihre erste Amtshandlung als neue bayerische Integrationsbeauftragte war es, alle vier Landtagsfraktionen zu einem Gespräch einzuladen. „Das Thema Integration ist so groß, dass es nicht in einem politischen Schlagabtausch enden darf“, sagte Kerstin Schreyer gestern. „Wir müssen dafür mit all unseren Kräften an einem Strang ziehen.“

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