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Bayerns Integrationsbeauftragte Kerstin Schreyer will türkische Frauen für die Altenpflegehilfe gewinnen. 

Kerstin Schreyer startet Projekt für türkische Frauen

Integrationsbeauftragte: „Der erste Schritt ist groß“

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Bayerns Integrationsbeauftragte hat ein Projekt gestartet, mit dem sie türkische Frauen für die Altenpflegehilfe gewinnen will. Die Ausbildung könnte eine riesige Chance sein. Für die Frauen - und für die Gesellschaft.

Kerstin Schreyer (CSU) will türkische Frauen für die Altenpflegehilfe gewinnen. Vor drei Monaten hatte die Integrationsbeauftragte das neue Projekt angekündigt: Selbst Frauen ohne Schulabschluss sollen die spezielle Ausbildung machen können und nebenbei unter anderem Sprachunterricht bekommen. Die erste Klasse soll bereits im August starten – wenn sich genug Frauen dafür anmelden.

-Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen, seit Sie das Projekt angekündigt haben?

Wir haben die Idee überall bekannt gemacht und bekommen viele positive Rückmeldungen. Trotzdem ist die Anmeldesituation noch überschaubar. Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen die Idee zwar gut finden, aber erstmal abwarten wollen, wie das erste Jahr läuft, bevor sie sich anmelden. Das Problem ist nur: Wenn das alle machen, geht nichts voran.

-Haben Sie noch gar keine Anmeldungen für die erste Klasse im Sommer?

Es gibt einige Interessentinnen, die sich bei unserer Kontaktperson gemeldet haben. Aber unterschriebene Anmeldungen haben wir noch nicht. Ich bin aber sicher: Wenn wir erst mal einen Kurs gestartet haben, kommen die Anmeldungen für die nächsten Kurse automatisch.

-Hatten Sie damit gerechnet, dass Sie bis Ende Januar mehr Zusagen haben?

Alle anderen Beteiligten waren optimistisch, dass der erste Kurs schnell voll sein wird. Ich war die Einzige, die immer befürchtet hat, dass es schwierig werden könnte. Nicht, weil ich Bedenken an dem Konzept hätte, im Gegenteil. Aber es ist schwierig, jemanden zu motivieren, sein Leben nochmal ganz neu zu gestalten. Dieser erste Schritt ist riesengroß. Wir müssen es nun schaffen, Frauen, die sich dafür interessieren, persönlich zu ermutigen.

-Welche Frauen haben Sie mit Ihrer Idee erreicht?

Genau die Zielgruppe, um die es uns ging. Gemeldet haben sich Frauen, deren Kinder groß sind, die nun Zeit hätten, zu arbeiten. Aber auch Frauen mit kleinen Kindern, die sich schon jetzt für später informieren wollten.

-Warum sehen Sie in der Pflegeausbildung für diese Frauen eine so große Chance?

Sehr viele türkische Frauen werden früh Ehefrau und Mutter. Sie haben wenig Sprachkenntnisse, wenn sie nach Deutschland gekommen sind und können ihren Abschluss oft nicht nachweisen. Deswegen richtet sich unser Projekt direkt an sie. Denn die Pflegeausbildung kann sie vor der Altersarmut bewahren. Wer bei uns nicht in die Rentenkasse einzahlt, wird schließlich nicht viel Rente bekommen. In der Altenpflegehilfe könnten wir die Sprachkompetenz der türkischen Frauen sehr gut gebrauchen. Die erste Generation der Gastarbeiter ist jetzt in einem Alter, in dem immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen sind. Viele fallen, zum Beispiel aufgrund von Demenz, in ihre Muttersprache zurück. Pflegerinnen, die sowohl Deutsch als auch Türkisch sprechen, wären ein enormer Gewinn.

-Wie geht es mit dem Projekt weiter, wenn Sie bis August nicht mindestens 20 Frauen gewinnen?

Ich kämpfe bis zum Schluss dafür. Sollte es nicht klappen, wäre es noch eine Möglichkeit, das Projekt auf andere Nationalitäten auszuweiten. Die Schule wäre auch für eine gemischte Klasse erfahren genug. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit dem Projekt im Sommer beginnen können. 

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