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Bis 2025 werden laut Prognosen 200.000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen.

Neues Projekt

Integrationsbeauftragte will türkische Frauen für Pflegeausbildung gewinnen

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In Bayern leben 336 000 Menschen mit türkischen Wurzeln. Viele haben nie einen Beruf gelernt, weil sie sich um die Kinder kümmern mussten. Sie sollen nun dank eines neuen Projekts die Chance auf eine Ausbildung bekommen.

München – Eigentlich liegt die Idee auf der Hand. Es gibt in Bayern viele Frauen mit Migrationshintergrund, die nie einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung gemacht haben und denen irgendwann die Altersarmut droht. Gleichzeitig fehlen in Deutschland viele tausende Pflegekräfte. Nach Prognosen wird es im Jahr 2025 bis zu 200 000 Pflegekräfte zu wenig geben. Bayerns Integrationsbeauftragte Kerstin Schreyer (CSU) hat ein Projekt ins Leben gerufen, das beide Probleme etwas lindern könnte. Sie will Frauen mit Migrationshintergrund dabei helfen, eine Ausbildung in der Altenpflege zu beginnen.

Das Projekt startet im kommenden Jahr. Es richtet sich zunächst an türkische Frauen. „Migranten mit türkischen Wurzeln sind die größte Gruppe in Bayern“, betont Schreyer. „Der Beruf der Altenpflege ist in ihrem Kulturkreis sehr anerkannt.“ Dazu komme, dass viele Türken, die als Gastarbeiter vor Jahrzehnten nach Bayern kamen, nun in einem Alter sind, in dem sie zunehmend auf Pflege angewiesen sind. „Viele fallen am Ende ihres Lebens in ihre Muttersprache zurück“, berichtet Schreyer. Auch in dieser Hinsicht könnten türkische Pflegekräfte für viele Einrichtungen ein Gewinn sein.

Integrationsbeauftragte Kerstin Schreyer 

Zusammen mit dem Kultusministerium, der Agentur für Arbeit in München und der Hans-Weinberger-Akademie der AWO hat Schreyer eine Ausbildung erarbeitet, die auf türkische Frauen ideal zugeschnitten ist. Die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehilfe ist auf zwei Jahre ausgedehnt. Dafür gehört auch Sprach-, Kommunikations-, Ethik- und Berufskunde-Unterricht dazu. Vorab nehmen die Frauen an einem Deutschkurs teil. Voraussetzung für die Ausbildung ist nicht wie regulär ein Mittelschulabschluss, sondern Erfahrung in der Haushaltsführung und Betreuung von Kindern oder Angehörigen. Während der zwei Jahre sind die Frauen regelmäßig in Einrichtungen eingesetzt, um Praxiserfahrung zu sammeln. Sie schließen die Ausbildung gleichzeitig mit einem Mittelschulabschluss ab. „Die Ausbildung ist gleichwertig mit der für deutsche Pflegefachhelfer.“, sagt Schreyer. Die Agentur für Arbeit übernimmt die kompletten Kosten für die türkischen Frauen. Dazu erhalten sie noch eine Praktikumsvergütung in ihrer jeweiligen Einrichtung.

Kerstin Schreyer hofft darauf, dass im August eine Klasse von etwa 20 Frauen an der Hans-Weinberger-Akademie die Ausbildung beginnt. Sollte das Projekt erfolgreich sein, will sie es bayernweit ausdehnen – und es auch auf Frauen anderer Nationalitäten erweitern.

Kai Kasri, der Vorsitzende des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, berichtet, dass die Erfahrungen mit Pflegefachkräften aus anderen Kulturkreisen durchweg positiv seien. Es gebe viele Frauen, die als Hilfskräfte begonnen haben und mittlerweile in Führungspositionen arbeiten. „Ohne sie wäre unser Problem in der Pflege heute noch viel größer.“

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