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Der Integrationsbeauftragter in seinem Element: Martin Neumeyer (CSU) hat gestern in der Münchner Fußgängerzone das Grundgesetz verteilt – in Anlehnung auf die Koran-Aktion der Salafisten. Er wollte bewusst provozieren.

Integrationsbeauftragter wirbt für Demokratie

Warum Martin Neumeyer das Grundgesetz in der Fußgängerzone verteilt

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München - Ungewöhnlich viele Menschen sind am Dienstag mit dem Grundgesetz durch die Münchner Fußgängerzone gelaufen. Daran ist Martin Neumeyer nicht ganz unschuldig. Der Integrationsbeauftragte hat es kostenlos verteilt – und ein wenig provoziert.

Martin Neumeyer ist in seinem Element. Bayerns Integrationsbeauftragter hat den obersten Knopf seines weißes Hemdes geöffnet, eine Krawatte trägt er heute nicht zu seinem Anzug. Er steht in der Münchner Fußgängerzone und hat drei Ausgaben des Grundgesetzes in der Hand. Vor ihm bleibt ein junges Paar stehen. Sie trägt ein Kopftuch, er ein breites Grinsen im Gesicht. „Ganz schön provokativ“, sagt er zu Neumeyer und deutet auf das große Plakat auf dem in vier Sprachen „Lies“ steht. Ein Plakat, wie es in den vergangenen Monaten vor unzähligen Salafisten-Ständen aufgebaut war. Heute wird davor nicht der Koran verteilt – sondern das Grundgesetz mit der Bayerischen Verfassung. Es ist die Art von Provokation, die Martin Neumeyer liebt.

„Wir müssen provokativ anbieten, was wir zu bieten haben“, sagt er und grinst zurück. Und das ist eine ganze Menge, findet Neumeyer. Freiheit, Demokratie, Gleichheit. Werte, von denen man viel öfter sprechen sollte in Zeiten wie diesen. Genau deshalb steht der CSU-Politiker heute hier.

Martin Neumeyer hat bereits Fußgängerzonen-Erfahrung. Vergangenes Jahr ist er schon einmal mit einem kleinen Stand quer durch den Freistaat getourt, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, wie sie über Flüchtlingsthemen denken. Als er im Februar in der Neuhauser Straße stand und diskutierte, verteilten Salafisten wenige Meter weiter kostenlos den Koran. Neumeyer hat das genau beobachtet – und nicht vergessen. „Bei aller Kritik“, sagt er, „man kann der Aktion nicht absprechen, dass sie originell war.“

Natürlich will er sich davon distanzieren und abgrenzen. Denn den Salafisten, einer ultrakonservativen Richtung des Islam, geht es bei ihrer Aktion vornehmlich um politische Agitation. Um die Anwerbung und Rekrutierung islamischer Kämpfer. „Dem müssen wir etwas entgegensetzen“, sagt er. „Und zwar die Bibel der Demokratie: das Grundgesetz.“

Als er am Dienstag auf dem Weg nach München war, hat er gehofft, dass sich Gespräche und Diskussionen ergeben würden. „Über Werte und Freiheit – die Dinge, die uns groß machen.“ Er habe die Hoffnung, mit seiner Aktion Menschen ansprechen zu können, die sich auch von der Koran-Aktion angesprochen fühlten. „Menschen, die noch nicht genau wissen, wohin sie sich wenden sollen.“ Wenn er nicht alle 200 Grundgesetz-Exemplare wieder mit nach Hause nehmen müsse, dann sei die Aktion schon ein Erfolg.

Dieses Ziel hat Neumeyer schon nach einer Viertelstunde erreicht. Die erste von fünf Bücher-Kisten ist leer. Touristen, Rentner, Jugendliche, gebürtige Bayern und Nicht-Bayern bleiben an seinem Stand stehen. Einige wollen wissen, wer er ist. Andere schmunzeln, als sie das Plakat sehen. „Tolle Aktion“, sagt ein junger Mann im Vorbeigehen. Neumeyer lächelt, wirft ihm ein Grundgesetz zu. Mit einem anderen Mann, der gebrochen Deutsch spricht, blättert er gemeinsam in der Verfassung, bis zur Seite auf der die Deutsche Nationalhymne abgedruckt ist. „Die ersten fünf Wörter sind die, auf die es ankommt“, sagt Neumeyer. „Einigkeit und Recht und Freiheit – wenn wir uns daran halten, haben wir gewonnen.“ Der junge Mann nickt. Er nimmt das Buch mit – und blättert im Laufen weiter.

Katrin Woitsch

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