Merkur.de-Datenprojekt

Interaktive Karte: So macht sich der Rückgang der Flüchtlinge bemerkbar

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München - Die Zahl der in Bayern ankommenden Flüchtlinge ist im März drastisch zurückgegangen. Im Datenprojekt von Merkur.de sehen Sie, wie sich das in den Gemeinden auswirkt.

Im neuen Schuljahr soll alles wieder wie vorher sein, das ist der Plan. Die 700 Schüler des Gymnasiums Tegernsee (Kreis Miesbach) sollen wieder in ihrer Turnhalle Sport machen können. Seit Sommer 2015 müssen sie auf die Realschul-Halle, Kirchensäle und Fitnessstudios ausweichen, weil der Landkreis bis zu 200 Flüchtlinge in der Halle untergebracht hatte. Schulleiter Werner Oberholzner sagt zwar, alles sei „sehr gut gelaufen “. Trotzdem ist er froh, dass der Ausnahmezustand bald ein Ende hat.

Derzeit kommen nur noch wenige Flüchtlinge nach Bayern. Im März waren es 6600, im Vormonat kamen 41 600. Außerdem hat die Regierung von Oberbayern den Kreisen zugesichert, ihnen im April keine neuen Asylbewerber zu schicken (wir berichteten). Der Effekt: Immer mehr Turnhallen können wieder von Schulen und Sportvereinen genutzt werden.

134 Flüchtlinge sind im Moment noch in der Tegernseer Halle. Bis Ende April sollen sie in Traglufthallen untergebracht sein. Dann sind zwei von vier Turnhallen im Kreis Miesbach, die bislang mit Flüchtlingen belegt waren, wieder frei. Andernorts sieht es ähnlich aus. Allein im Kreis Fürstenfeldbruck sollen laut Landrat Thomas Karmasin (CSU) bis zum Sommer alle vier Hallen wieder für Sport genutzt werden können, in Poing (Kreis Ebersberg) werden zwei Hallen frei.

Das klingt leichter, als es ist. Zunächst müssen die Hallen nämlich saniert werden. Die Kosten dafür trägt die Regierung von Oberbayern. Wie groß die Schäden im Schnitt sind und viel Geld für die Reparaturen fließt, konnte die Regierung gestern nicht beantworten. In vielen Fällen sind die Schäden offenbar überschaubar, in anderen extrem hoch, Beispiel Dreifachturnhalle Gräfelfing: Hier waren zwei Monate lang Flüchtlinge untergebracht. Seit Wochen stehen 575 000 Euro Sanierungskosten im Raum. Vor allem der Parkett-Boden soll gelitten haben. Ob er tatsächlich erneuert wird, ist aber noch nicht entschieden. Im Landratsamt München spricht man von einem „Ausnahmefall“, was die Kosten betrifft.

Viele Flüchtlinge kamen nach ihrer Ankunft zunächst in Turnhallen unter. Diese werden nun leerer und leerer.

Was die Sanierungen im Einzelfall kosten, ist vielerorts noch nicht absehbar. Auch im Falle der Tegernseer Halle gibt es noch keine Schätzung. Ein Sprecher des Miesbacher Landratsamts sagte aber, die Sanierung der Toiletten werde „aufwendig“. Ob das Parkett gelitten hat, bleibt abzuwarten. Es ist derzeit noch mit einem Schutz-Belag aus PVC verdeckt. Schulleiter Oberholzner sagt: „Ich schaue da lieber erst wieder rein, wenn die Halle saniert ist.“

Trotz allem sollen die Dinge ab kommendem Sommer wieder einfacher werden – vorerst. Denn niemand schließt ein erneutes Anwachsen der Flüchtlingszahlen aus. Das Landratsamt Miesbach etwa lagert Betten und Spinde vorsichtshalber auf seinem Gelände ein. Im Zweifel will man schnell reagieren können. Die Normalität lockt, aber es ist eine Normalität unter Vorbehalt.

von Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © merkur.de

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