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Paragraphengerechtes Bairisch: Der Bund für Bairische Sprache hat die Münchner Mundart verschriftlicht, damit der bairische Dialekt in die EU-Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufgenommen werden kann.

Heute Tag der Muttersprache

So will ein Dialektpfleger Bairisch schützen

München - Verdient Bairisch den Schutz der EU? Bayerns Dialektpfleger kämpft dafür, dass Bairisch in die EU-Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufgenommen wird. Bislang erfolglos. Bislang.

Sorbisch haben sie akzeptiert, Saterfriesisch und sogar das niederdeutsche Platt – aber die hiesige Sprache nicht. Seit acht Jahren kämpft Bayerns Dialektpfleger Sepp Obermeier dafür, dass Bairisch in die EU-Charta für Regional- und Minderheitssprachen aufgenommen wird. Damals ist der Antrag in Brüssel abgelehnt worden. Weil es für das Bairische keine einheitliche Verschriftung gibt. Weil es vom Nord- zum Südbairischen viele regionale Unterschiede gibt.

Eine Begründung, die Obermeier, Vorsitzender des Bund für Bairische Sprache, nicht akzeptieren kann. Deshalb will der Bund der Bairischen Sprache nun einen neuen Versuch wagen – und hat deshalb musterhaft die Münchner Mundart verschriftlicht. Analog dazu könnte die gesamte bairische Lautvielfalt regelhaft dokumentiert werden, um den EU-Paragraphen gerecht zu werden, sagt Obermeier. Ihm geht es bei der Aufnahme in die EU-Charta nur in zweiter Linie um die finanzielle Förderung – sondern vor allem um mehr Anerkennung des bairischen Dialekts. „Er hätte dann offiziellen Charakter, wäre auf Augenhöhe mit dem Hochdeutschen.“ Das Bairische würde gestärkt werden – und das, so glaubt Obermeier, ist bitter nötig. „Etwa ein Prozent der Kinder in München spricht noch Bairisch“, sagt er. „Eltern geben die Sprache nicht mehr weiter, weil der Dialekt immer noch ein geringes soziales Ansehen hat.“ Auch das kann Obermeier nicht verstehen. „Viele Eltern versuchen alles, um ihre Kinder zweisprachig aufzuziehen. Das geht doch mit dem Dialekt und dem Hochdeutschen auch.“

Vor vier Jahren hat die UNESCO Bairisch in den Weltaltas der bedrohten Sprachen aufgenommen. Bairisch offiziell als bedrohte Sprache – „die absolute Blamage“, findet Obermeier. Aber nicht einmal dieser Warnschuss hat die EU-Entscheidung ins Wanken gebracht. „Das ist sprachkulturelle Sterbehilfe“, findet er.

Deshalb leistet der Bund Bairischer Sprache nun pragmatisch Hilfe – und hat selbst eine Grammatik geschrieben. „Jetzt ist es nur noch eine Sache des politischen Willens“, sagt Sepp Obermeier. Sollten die EU-Politiker sich wieder gegen die Aufnahme in die Charta entscheiden, könne man künftig auch darauf verzichten, bei Staatsempfängen in Bayern stolz Trachtler einzuladen und Kinder bairische Verserl aufsagen zu lassen, findet er. „Das ist dann nichts als eine klischeehafte Vorstellung inmitten der in der jungen Generation völlig dialektfreien Landeshauptstadt.“

Von Katrin Woitsch

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