Mit Phantasiewährung betrogen

Dutzende fielen auf den Jodi-Trick rein

München – Er soll Anlegern mit einer Phantasiewährung Beteiligungen am internationalen Finanzmarkt vorgegaukelt haben. Jetzt steht der Kundenberater einer Internetfirma wegen Betrugs vor Gericht.

Euro oder Jodi? Echte Währung oder Phantasiewährung? Diese Fragen spielten für die Anleger der Internet-Firma moneypay-europe offenbar keine Rolle. Anderthalb Millionen Euro Echtgeld pumpten die Geldgeber aus ganz Deutschland in das Unternehmen, das ihnen knapp ein Prozent Zinsen pro Tag versprach. Ein Himmelfahrtskommando. Erst als die Ausschüttungen nicht mehr wie gewohnt flossen, wachten die Anleger auf und erstatteten Anzeige. Seit Ende vergangener Woche wird gegen einen Kundenberater verhandelt. Die Anklage lautet auf Betrug.

Der 56-jährige Hamburger mit Wohnsitz in Thailand hatte zunächst selber zehn Euro in das vermeintliche Anlage-Unternehmen investiert. „Aus Langeweile“, wie er vor der Wirtschaftskammer am Landgericht München II erklärte. Rasch stellten sich finanzielle „Erfolge“ ein. Der Hamburger engagierte sich zunehmend. Schließlich wurde er Kontenverwalter und Kundenberater.

Auf den Jodi-Trick, den der Angeklagte angeblich lange Zeit als legale Geldschiene betrachtete, fielen Dutzende von Geldgebern herein, darunter auch einer aus Oberbayern. Vorgegaukelt wurden den Anlegern Beteiligungen auf dem internationalen Finanzmarkt. Laut Anklage erfolgten die Ausschüttungen – so sie denn stattfanden – nur aus Einzahlungen weiterer Geldgeber.

Der Angeklagte soll für seine Dienste monatlich mit bis zu 70 000 Euro entlohnt worden sein. Nach seinem Umzug von Thailand nach Deutschland ließ er sich zur Mitarbeit an der Internetseite gewinnen. Das Geschäft lief sogar noch weiter, als bereits Ermittlungen im Gange waren und Büros durchsucht wurden. Laut Anklage gab es keinerlei Anlagen zur Erwirtschaftung von Gewinnen.

Das angelegte Geld ist jedoch verschwunden. Angeblich sollen 110 Millionen Euro auf einem Konto lagern, an das nur der Betreiber kommt. Selbiger ist aber verschwunden, das Konto eingefroren.

Der Angeklagte bestritt am ersten Prozesstag, mit dem großen Chef betrogen zu haben. „Das würde ich nie machen“, sagte er. Auf bohrende Nachfragen des Vorsitzenden Richters Rupert Heindl wurde aber deutlich, dass der 56-Jährige das von ihm selber bevorzugte Anlagesystem nicht so genau durchschaut hatte – oder durchschauen wollte.

Der Prozess ist zunächst auf sechs Tage angesetzt.

Angela Walser

Rubriklistenbild: © dpa

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