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Am Samstag beginnt das Zentral-Landwirtschaftsfest: Landesbäuerin Anneliese Göller und Bauernpäsident Walter Heidl sind schon unterwegs. 

Interview mit Bauernpräsident Walter Heidl

Kein Bayern ohne Landwirtschaft

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München - Das Zentral-Landwirtschaftsfest beginnt am Samstag. Bauernpräsident Walter Heidl über seine Erwartungen und die Landwirtschaft im Jahr 2016.

Auf der einen Seite gibt’s Bier, auf der anderen Milch: Mit der Wiesn beginnt am Samstag das Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF). Neben dem Festzelt Tradition geht es um regionale Lebensmittel, Landtechnik und Tierhaltung. Wir haben uns vorab mit Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands, über die Stellung der Landwirtschaft in Bayern unterhalten.

Herr Heidl, das ZLF-Motto ist heuer etwas sperrig: „Landwirt-schaf(f)t Heimat“. Was steckt dahinter?

Walter Heidl: Wir wollen darstellen, dass wir Landwirte nicht nur hochwertige Nahrungsmittel erzeugen, sondern ein wichtiger Faktor im ländlichen Leben sind, indem wir zum Beispiel die Kulturlandschaft pflegen und erhalten.

Warum ist das wichtig für Bayern?

Walter Heidl: Wer durch Bayern fährt, sieht diese einzigartige Mischung aus Feldern, Wiesen und Wäldern. Ich behaupte, dass erst Bäuerinnen und Bauern den Freistaat zu dem machen, was er ist. Die Landwirtschaft und alles was daran hängt, sichert jeden siebten Arbeitsplatz in Bayern. Außerdem ist die Kulturlandschaft wichtige Voraussetzung für den Tourismus.

Inwiefern?

Walter Heidl: Nehmen Sie zum Beispiel die Almen. Ihre Bewirtschaftung ist Voraussetzung für die Attraktivität der Bergregion.

Der Verein „Unsere bayerischen Bauern“ spricht die Bevölkerung gezielt mit der Imagekampagne „Für alle nah“ an.

Walter Heidl: Wir wollen bewusst Nähe aufzeigen. In Bayern gibt es ja tatsächlich noch viele bäuerliche Familienbetriebe. Sie liefern beste Lebensmittel, gestalten unsere Heimat und sind ein wichtiger Faktor im Dorfleben. Das wird durch die Kampagne im ganzen Freistaat deutlich.

Was erwarten Sie vom ZLF?

Walter Heidl: Ich will, dass wir mit den Besuchern ins Gespräch kommen und zeigen, wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Dafür haben wir etwa zum ersten Mal einen modernen Kuhstall aufgebaut. Das war aufwendig, aber es lohnt sich: Tierhaltung hautnah! Es ist eine hervorragende Möglichkeit, Informationsdefizite und Vorurteile abzubauen.

Das klingt ein bisschen, als ob die Bevölkerung den Bezug zur Landwirtschaft verloren hat.

Walter Heidl: Früher hatte fast jeder direkten Kontakt zur Landwirtschaft. Aber diese Zeiten sind vorbei. Viele Verbraucher legen Wert auf gute Lebensmittel, aber unsere Arbeit ist vielen fern. Das macht die Diskussion natürlich schwierig.

Vor welchen Herausforderungen steht die Landwirtschaft heute noch?

Walter Heidl: So wie die Digitalisierung im gesellschaftlichen Leben zunimmt, stehen auch der Landwirtschaft neue Technik, Haltungsverfahren und Innovationen zur Verfügung.

Ist das gut?

Walter Heidl: In dem Kuhstall auf dem Ausstellungsgelände werden 20 Kühe automatisch versorgt. Das erleichtert die Arbeit, dient aber auch dem Tierwohl. Jedes Tier wird nach seinen Bedürfnissen gefüttert. Und der Melk-roboter liefert dem Landwirt Daten zu jeder Kuh. Über Auffälligkeiten wird er sofort informiert.

Der Milchpreis ist derzeit überall Thema. Auch auf dem ZLF?

Walter Heidl: Ganz klar. Wir werden mit Berufskollegen und Politikern darüber sprechen. Die Wertschätzung für die hochwertigen Milchprodukte ist ja vorhanden, wir müssen aber auch deutlich machen, wie wichtig ausreichende Wertschöpfung auf den Höfen für ganz Bayern ist.

Beim letzten Mal waren 370 000 Besucher auf dem ZLF. Ist das heuer wieder drin?

Walter Heidl: Wir bieten ein Spektakel für die ganze Familie. Ich denke deshalb, dass wieder in etwa so viele Besucher zum Landwirtschaftsfest kommen werden.

Werden die Sicherheitsvorkehrungen Einfluss darauf haben?

Die Vorkehrungen sind ja im Sinne von uns allen. Daher glaube ich, dass wieder viele Besucher kommen. „Feiern, Erleben und Genießen“ – darum geht’s auf dem Landwirtschaftsfest.

Das Zentral-Landwirtschaftsfest

hat bis 25. September täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Kinderwagen sind gestattet. Der Eintritt kostet 14,50 Euro. Mit Karten aus dem Vorverkauf (www.zlf.de) ist auch der MVV nutzbar. Das Festzelt Tradition auf dem Gelände kostet ab 18 Uhr zwei Euro Eintritt.

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