Gewerkschaftssekretär Isidoro Peronace. Foto: Ralf Ruder

Interview mit dem Streik-Organisator

Bus-Streik: „Dass wir die Kinder stehen ließen, tut uns schrecklich leid“

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Weilheim - Isidoro Peronace ist Gewerkschaftssekretär bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG in München. Er hat den Busstreik organisiert. Gestern sprachen wir mit ihm in Weilheim beim dortigen RVO-Busdepot.

Herr Peronace, wie ist die Beteiligung am Streik?

Wir haben im Moment 353 Streikende in Oberbayern und im Allgäu. So gut wie alle Busfahrer streiken, nur im Berchtesgadener Land ist die Beteiligung etwas geringer.

Der Streik betrifft Berufstätige und vor allem Schulkinder. Musste das sein?

Das tut uns schrecklich leid, wir haben die Kinder wirklich sehr ungern stehen gelassen. Aber es ging nicht anders. 80 Prozent des RVO-Busverkehrs sind Schülerverkehre. Hätten wir die vom Streik ausgenommen, wäre fast nichts mehr übrig geblieben. Ich habe selber Kinder, die zur Schule mit dem Bus fahren, ich weiß, dass unsere Entscheidung hart war.

Zumindest hätten Sie die Streiks früher ankündigen müssen.

Wir haben am Mittwoch um 17 Uhr die Medien informiert, mit Sperrfrist 18 Uhr. Hätten wir früher informiert, wäre unser Arbeitgeber gewarnt gewesen und hätte Subunternehmer oder Rentner auf 400-Euro-Basis engagiert.

Warum streiken Sie?

Nach fünf Verhandlungsrunden ist der Tarifkonflikt festgefahren. Wir wollen mehr Lohn analog wie bei den anderen Beschäftigten bei der DB AG. Knackpunkt ist aber die Angleichung der Löhne von Alt- und Neubeschäftigten. Die RVO, eine 100-prozentige DB-Tochter, hat 2014 sechs Millionen Euro Gewinn an die Bahn abgeführt, so schlecht steht das Unternehmen nicht da. Trotzdem hat die DB jetzt eine Tochtergesellschaft gegründet, die DB Regio Bus. Nur die nimmt jetzt an Neu-Ausschreibungen von Buslinien teil.

Da wird also mit harten Bandagen gekämpft. Eigentlich müssten Sie doch in einer komfortablen Position sein, denn durch die Fernbusse ist der Arbeitmarkt bei Busfahrern leer gefegt.

Das stimmt. Trotzdem verdient ein Busfahrer bei der RVO nicht gerade viel. 2049 Euro brutto im ersten Jahr, langjährig Beschäftigte haben 2400 Euro brutto. Davon kann man doch kaum leben.

Interview: Dirk Walter

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