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Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Interview: Made in Bavaria reicht nicht

München - Bayern lässt immer mehr Spezialitäten von der EU schützen. Wir haben mit Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) über den Schutz unserer Schmankerl gesprochen:

Bayern hat 19 Produkte von der EU schützen lassen und den Schutz von weiterer 22 Spezialitäten aus dem Freistaat beantragt. Was ist das Besonderebayerischer Spezialitäten?

Diese Schmankerl sollen Welt-Genuss-Erbe werden

Helmut Brunner: Die Produkte müssen in Bayern hergestellt werden. Das reicht aber nicht immer. Ein Allgäuer Emmentaler muss zudem aus Allgäuer Rohmilch hergestellt werden, er darf keine Silomilch enthalten. Eine Nürnberger Bratwurst muss eine bestimmte Rezeptur aus Majoran und einer bestimmten Krönung des Fleischbräts erfüllen und ein bayerisches Bier das Reinheitsgebot erfüllen.

Wie streng ist dieser Schutz? Es gibt ja überall Bavaria-Brauereien, unter anderem auf St. Pauli in Hamburg und in Holland.

Brunner: Die holländischen Bierbrauer müssen ihre Bavaria-Produkte eindeutig als holländisches Bier kennzeichnen. Das gilt auch, wenn eine Marke wie Bavaria bereits eingeführt ist. Bavaria Weißbier aber darf man in Aschaffenburg ohne Hinweis brauen, in Hanau nicht.

Und wenn jemand kurz vor der Inschutzstellung durch die EU ein Produkt als Marke eintragen lasse?

Brunner: So bald der Antrag bei der EU gestellt ist, kann kein entsprechendes Markenrecht mehr beantragt werde.

Kann ein Hersteller eine neue geschützte Spezialität einführen?

Brunner: Eine Anerkennung gibt es nur für Produkte, die bereits als solche im Markt verbreitet sind.

Was ist, wenn ein Discounter ,Emmentaler aus dem Allgäu‘ verkauft statt ,Allgäuer Emmentaler‘, der ja als geschützt gilt?

Brunner: Das ist ein grenzwertiger Fall, den man prüfen muss. Der Verbraucher muss jedenfalls davon ausgehen, dass der ,Emmentaler aus dem Allgäu‘ möglicherweise nicht aus Allgäuer Milch hergestellt wurde. Die Garantie hat er nur, wenn er ,Allgäuer Emmentaler‘ kauft.

Und muss dann nicht Pilsner aus dem böhmischen Pilsen kommen?

Brunner: In diesem Falle handelt es sich um eine Produktbezeichnung, die sich schon längst von ihrer geografischen Herkunft gelöst hat.

Siegel sagt, woher der Inhalt kommt

Zwei Siegel garantieren die geografische Herkunft von Lebensmitteln: Das rote g.U.-Siegel garantiert die geschützte Ursprungsbezeichnung eines Lebensmittels. Nicht nur das Produkt muss in einer Herkunftsregion hergestellt werden, sondern alle verwendeten Rohstoffe müssen aus der genannten Region kommen. So darf etwa Allgäuer Emmentaler mit dem roten g.U.-Siegel nur aus silofreier Rohmilch aus dem Allgäu hergestellt werden. Auch der Allgäuer Bergkäse hat das rote Siegel sowie zwei Mineralwasser.

Für das blaue g.g.A.-Siegel (geschützte geografische Angabe) ist es ausreichend, wenn eine der Herstellungsstufen (Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung) in einem bestimmten Herkunftsgebiet stattfand. Münchner Bier etwa muss in München gebraut werden, kann aber auch Zutaten aus dem Ausland enthalten.

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