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Siegfried Bradl, zweiter Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte.

Interview

„Mundart ist Trend“

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Die Bemühungen um den Erhalt der bairischen Sprache tragen Früchte. Nach einem Dialektforum sprachen wir mit Siegfried Bradl, zweiter Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte. 

Stirbt die bairische Mundart aus?

Nein, ich bin sehr zuversichtlich, dass sie erhalten bleibt – natürlich aber entwickeln sich Sprache und Mundart weiter, so wie sie das immer getan haben. Aber man merkt, dass Bairisch bei Jugendlichen wieder Trend ist. Immer mehr schreiben Kurznachrichten auf dem Handy im Dialekt. Denn man kann im Bairischen Dinge viel kürzer ausdrücken als im Hochdeutschen. Das ist ähnlich wie bei Englisch und Deutsch. So wie es im Englischen um 30 Prozent kürzer ist, ist es auch im Bairischen 30 Prozent kürzer. Und es hört sich auch noch gut an. Die Jugend besinnt sich wieder auf Tradition und Dialekt, um einen Gegentrend zur Globalisierung zu setzen.

Aber es sprechen doch immer weniger Kinder Bairisch. Sind hier die Schulen in der Pflicht?

Es ist schon sehr viel erreicht, weil heute Dialekt in der Schulen ja erwünscht ist. Man hat wieder Spaß an der Mundart, die Negativeinstellung ist überwunden. Man weiß heute, dass Kinder, die Bairisch und Hochdeutsch sprechen, eine gute Basis haben, um Fremdsprachen zu lernen, da sie eine innere Mehrsprachigkeit kennen. In den Schulen wird Bairisch gefördert, es ist enthalten im neuen Lehrplan plus, die zweite Lehrerhandreichung zum Thema Dialekt ist bei den Beteiligten gut angekommen, und die Schulen haben das Lesebuch vom Bayernbund. Heute braucht es die Förderung der Mundart auch in den Schulen, da die Traditionen und die Sprache in den Familien nicht mehr in dem Umfang weitergegeben werden, wie das früher der Fall war.

Sie sprechen von Zweisprachigkeit bei dialektsprechenden Kindern. Ist Bairisch denn eine Sprache?

Um eine Sprache zu sein, fehlt dem Bairischen die Verschriftlichung. Hier gibt es zwar Spezialisten, die sich damit beschäftigen, aber jeder hat ein eigenes System. Unser Ziel ist, hier die vielen Experten zusammenzubringen, damit ein einheitliches System entwickelt werden kann, wie die Laute phonetisch dargestellt werden.

Aber ist das nicht schwierig? Der Bairische Dialekt ist doch sehr vielfältig.

Das stimmt. Uns geht es darum, diese Vielfalt darzustellen und zu erhalten. Nehmen wir den einfachen Satz „viel zu viel Gefühl“: In der Oberpfalz sagt man „vej zvej Gfej“, in Mittelbayern „vui zvui Gfui“ und im Rupertiwinkel „vi zvi Gfi“. Diese phonetischen Unterschiede wollen wir allgemeingültig festhalten. Wir haben festgestellt, wenn man sich über die Unterschiede austauscht, entdeckt man dabei die Gemeinsamkeiten und entwickelt Toleranz. Deshalb ist die Volkskultur in meinen Augen auch ein gutes Mittel zur Integration. Diese Erfahrung machten zum Beispiel auch Lehrer, die an einer Schule in der Region Kelheim ein Wörterbuch für Dialekt entwickelten. Dabei stärkte sich auch in der Klasse, in der viele Kinder mit Migrationshintergrund sind, der Zusammenhalt zwischen den Kindern.

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