Ein bayerischer Preis für die Königin: Silvia von Schweden im Schloss Nymphenburg. Rechts Prof. Christoph Klein von der Haunerschen Kinderklnik. 

Interview mit Königin Silvia von Schweden

„Der Preis ist etwas ganz Besonderes für mich“

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München -  Am Donnerstagabend war die Königin Silvia wieder einmal in München: Im Hubertussaal in Schloss Nymphenburg wurde ihr der Bayerische Stifterpreis verliehen – für ihren Einsatz für Kinder in Not.

Sie ist die Königin der Schweden, aber irgendwie ist ein Teil von ihr auch bayerisch: Königin Silvia, geboren in Heidelberg als Silvia Sommerlath, studierte von 1965 bis 1969 am Sprachen- und Dolmetscher-Institut in München – und wohnte auch während der Olympischen Spiele 1972 in der Stadt. Die märchenhafte Geschichte kennt jeder: Als Chef-Hostess lernte sie ihren späteren Ehemann Carl XVI. Gustaf, den schwedischen König, kennen. Sie kommt oft nach Bayern, auch privat, zum Beispiel an den Tegernsee.

Am Donnerstag war die Monarchin wieder einmal in München: Ihr wurde der Bayerische Stifterpreis verliehen – für ihren Einsatz für Kinder in Not. 1999 hat die 72-Jährige die World Childhood Foundation gegründet, die gut 100 Projekte in 17 Ländern unterstützt. Auch Vereine aus der Region erhalten Hilfe, zum Beispiel Das Netz e.V.in Weilheim, das sich um sexuell missbrauchte Kinder kümmert. Unterstützung bekommt auch Refugio München, eine Anlaufstelle für traumatisierte Flüchtlingskinder.

Übernachtet hat Königin Silvia im Schloss Nymphenburg, auf Einladung von Herzog Franz von Bayern – unter seiner Schirmherrschaft wurde der mit 25 000 Euro dotierte Preis verliehen (siehe Kasten). Bevor Eure Majestät Freitagmittag am Flughafen München in den Flieger nach Hause steigt – streikbedingt in einen späteren als geplant –, nimmt sie sich Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung. Sie spricht leise, aber sehr freundlich, und trägt eine grüne Trachtenjacke über einer weißen Trachtenbluse. Bayerischer kann eine schwedische Königin kaum aussehen.

Herzlichen Glückwunsch zum Bayerischen Stifterpreis! Sie kümmern sich um vernachlässigte, missbrauchte, ausgegrenzte Kinder. Warum ist das auch in reichen Ländern wie Schweden oder Deutschland nötig?

Weil es leider in allen Ländern Kinder gibt, denen es nicht gut geht. Schweden hat schon 1979 ein Gesetz verabschiedet, dass man Kinder nicht schlagen darf. Das hat große Erfolge erzielt. Und dieses Gesetz wollen wir auf der ganzen Welt verbreiten – Kindern darf keine Gewalt angetan werden, nicht in der Schule, nicht von den Eltern. Das verursacht Schäden am Gehirn, am Körper und an der Seele, die das Opfer ein Leben lang beeinflussen.

Welche Schicksale bewegen Sie besonders?

Es gibt heute so viele großartige Organisationen und fabelhafte Menschen, die sich um das Wohl von Kindern kümmern. Aber damals, vor 17 Jahren, waren es nur wenige, die sich zum Beispiel mit sexuellem Missbrauch von Kindern befasst haben. In den 90er-Jahren gab es in Schweden einen Kinderpornografie-Skandal und zum großen Schrecken aller hat man festgestellt: Dafür gibt es einen Markt! Damals waren die Gesetze noch so, dass man solche Filme und Bilder privat besitzen darf. Und das hat mir gezeigt, dass man sich auf diesem Gebiet intensiv einsetzen muss. Durch die Heirat mit meinem Mann habe ich eine gewisse Stellung bekommen. Und ich konnte das Rampenlicht, in dem ich stehe, auf dieses Thema lenken. Ich habe gesehen, dass das ein großes Problem ist. Und mit dem Internet nimmt das weiter zu, auch der Menschenhandel.

Nächstes Jahr eröffnet Ihre Stiftung in Leipzig das erste deutsche „Barnahus“. Was ist das?

Die ganze Welt spricht vom Kindergarten, vielleicht spricht man in einigen Jahren auch überall vom Barnahus, dem Haus des Kindes. Die Idee ist, alle guten Geister, die sich mit missbrauchten oder misshandelten Kindern beschäftigen, in einem Haus zusammenzuführen. Damit das Kind nicht acht, neun, zehn Mal erzählen muss, was ihm passiert ist, sondern nur ein Mal. Im Barnahus findet das Kind eine freundliche Umgebung vor, einen Psychologen, der sein Vertrauen gewinnt. Richter, Polizisten und Ärzte, die besondere Fragen haben, stellen diese nicht direkt an das Kind, sondern an den Psychologen. Der befragt das Kind in einer Sprache, die es versteht. Und hinter einer Glasscheibe sitzen eben die Richter und Polizisten, die sich ein Bild machen müssen. Alles wird gefilmt und vor Gericht vorgeführt – so dass das Kind selbst dem Ganzen nicht ausgesetzt ist. Ich habe das Modell in Island gesehen und fand es großartig. In Schweden haben wir das schon eingeführt, in Brasilien gibt es schon 200 solcher Häuser.

Und bald auch in Deutschland, in Bayern?

Wir haben es vor. Auch in Deutschland nimmt man sich dieser Fälle auf ganz besondere und ernsthafte Weise an. Aber ich würde mir schon wünschen, dass man das in einem Milieu macht, in dem sich das Kind wohlfühlt und offen sprechen kann. Dass man so behutsam wie möglich mit dem Kind umgeht. Das sind sehr schwere Fragen – erleichtern kann man sie dem Kind nicht. Aber man kann dafür sorgen, dass das Kind das Erlebte mit Hilfe von Spezialisten verarbeitet.

Sie waren ja mal Teilzeit-Bayerin sozusagen...Was bedeutet Ihnen der Bayerische Stifterpreis unter den vielen, vielen Auszeichnungen, die Sie schon bekommen haben?

Der Bayerische Stifterpreis ist für mich etwas ganz Besonderes, weil ich Childhood vor vielen Jahren in Deutschland, in Bayern, in München gegründet habe. Ich liebe München, ich habe hier studiert, gearbeitet und ich habe hier auch während der Olympischen Spiele gelebt. Der Preis drückt Anerkennung aus, was mich sehr gefreut hat, auch wenn ich nicht alleine bin – Childhood steht ja hinter mir.

Dann kommen Sie jetzt noch lieber nach München?

Ja, auf jeden Fall. Und das nächste Mal möchte ich dann unbedingt die Haunersche Kinderklinik besuchen. Das habe ich dieses Mal leider nicht mehr geschafft. Bei der Verleihung war auch Prof. Klein von der Haunerschen dabei, der sich ganz besonderer Fälle annimmt – nämlich Kinder mit seltenen Krankheiten. Deren Familien sind in einer sehr schwierigen Situation, die Eltern fühlen sich einsam, weil man so wenig weiß über die Krankheiten. Da frage ich mich manchmal schon, ob sich die Pharmaindustrie nicht kümmern könnte um solche seltenen Erkrankungen. Diese Kinder sind die Waisen der Medizin.

Interview: Carina Zimniok

Die Childhood Foundation wird von Firmen unterstützt, freut sich aber auch über Spenden (Schwäbische Bank, IBAN DE 96600 2010 0000 0002 222 BIC SCHWDESS); Infos unter www.childhood.org

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