Albert Schmid, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken.

Interview mit Landeskomitee-Vorsitzendem Albert Schmid

Katholiken in Sorge um Demokratie

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Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern befasst sich am Wochenende auf seiner Vollversammlung in Würzburg mit der Frage „Wohin steuert unsere Demokratie?“. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Albert Schmid.

Steht es so schlecht um unsere Demokratie, dass sich Kirche damit befassen muss?

Albert Schmid: Das Thema Demokratie hat die Kirche ja nicht erfunden. Im 19. Jahrhundert waren die katholische und evangelische Kirche mehr als zurückhaltend gegenüber der Demokratie. Wir müssen uns daher davor hüten, eine anmaßende Haltung dazu einzunehmen. In Deutschland ist das Phänomen zu registrieren, dass wir am rechten Spektrum eine Enthemmung der Sprache und der Einnahme bestimmter politischer Positionen haben. Am linken Rand ist derzeit eine gewisse Zurückhaltung registrierbar, vielleicht aus taktischen Gründen oder weil man schon länger im parlamentarischen Leben mitwirkt. Als Global Player Kirche schauen wir natürlich auch auf demokratische Entwicklungen in anderen Ländern – auf die USA, Großbritannien oder andere europäische Nachbarn.

Was war der Auslöser, das Thema zu wählen?

Schmid: Auslöser war die Pegida und in Folge die Rolle, die die AfD einnimmt. Die hat ja ihr Themenspektrum völlig geändert. Ursprünglich war sie gegen die europäische Währung und die europäische Finanzpolitik. Mittlerweile hat sie den Umgang mit Ausländern zum Schwerpunkt gemacht und hier alte Ängste geweckt und alte Vorbehalte genährt.

Das Verhältnis zwischen Kirche und Politik, speziell zur CSU, ist ja derzeit etwas belastet. Dass man sich einmischt in Politik, ist doch ein Grundpfeiler der Demokratie.

Schmid: Selbstverständlich! Der Kirche das Recht zu bestreiten, sich politisch zu Wort zu melden, ist aberwitzig. Die kirchliche Wortmeldung ist auch eine Art der Verkündigung. Es liegt am kirchlichen Taktgefühl, wie weit man sich zur Tagespolitik äußert. Aber der Grundanspruch, sich politisch zu Wort zu melden, darf nicht bestritten werden. Was die Nähe der katholischen Kirche zur CSU betrifft, dazu hatte ich schon immer eine kritische Position...

Sie sind ja auch ein SPD-Mann...

Schmid: Ja, und es hat manche irritiert, dass ein ehemals führender Sozialdemokrat eine führende Position in der katholischen Kirche einnehmen kann. Ich sehe hier keinen Widerspruch. Es geht um gegenseitigen Respekt. Und es geht darum, dass man eine wechselseitige Vereinnahmung vermeidet, dass man sich nicht benutzen lässt.

Jetzt kommt der CSU-Justizminister Bausback zum Landeskomitee. Er hatte sich über undifferenzierte Kritik kirchlicher Amtsträger beschwert. Müssen Sie ihm die Spielregeln der Demokratie erklären?

Schmid: Ich denke, da wird es einigen Nachholbedarf bei ihm geben. Man ist in katholischen CSU-Kreisen verwöhnt durch eine Haltung der Kirche, die sich in der frühen Nachkriegszeit sehr angepasst gezeigt hat. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhältnis geändert und das ist gut für Politik und für Kirche.

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