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Immer wieder werden Wölfe in Bayern gesichtet.

Interview mit dem LBV-Vorsitzenden Norbert Schäffer

„Wolfsrudel werden wir bald erleben“

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Der Landesbund für Vogelschutz fordert ein intelligentes Wolfsmanagement für Bayern. Der Vorsitzende Norbert Schäffer geht davon aus, dass es bald Wolfsrudel geben wird. 

München - Der Name täuscht: Landesbund für Vogelschutz ist längst nicht mehr nur der Interessensverband der sogenannten „Birder“, wie sich die Vogelfreunde selbst nennen. Er kämpft für Naturschutz in allen Bereichen und setzt sich auch für den Wolf ein, wie der Vorsitzende Norbert Schäffer im Interview verrät.

Herr Schäffer, freuen Sie sich schon auf den Wolf?

Der Wolf gehört für uns zur biologischen Vielfalt. Aber wir sind nicht naiv, wir wissen, dass es Konflikte gibt, dass wir Konzepte insbesondere für Almen und Rotwildgatter benötigen. Springt ein Wolf in so ein Gatter, gerät das Wild in Panik. Sie werden es dann nie wieder in die Gatter bringen – mit der Folge, dass der Verbiss zunimmt. Gerade deshalb brauchen wir ein intelligentes Management.

Und die Almen?

Da müssen Landwirtschafts-und Umweltministerium aktiv und im Vorhinein Lösungen erarbeiten. Vorab gesagt: Wir kennen die Problematik. Dass man als Städter in München leichter für den Wolf sein kann wie als Almbauer, das weiß ich.

Müssen wir uns auf dauerhafte Wolfsvorkommen in Südbayern wirklich einstellen?

Ja. Wolfrudel im Allgäu und in Oberbayern werden wir bald erleben. Da reichen ja schon vier, fünf Tiere aus. Wölfe im Rudel sind deutlich stationärer als Einzelgänger, die ja bis zu 60 Kilometer an einem Tag wandern können. Momentan erfolgt die Zuwanderung allerdings eher von Osten her. Es gibt wohl je zwei Wölfe in Grafenwöhr und im Bayerischen Wald – da könnte es also bald zur Rudelbildung kommen.

Ist die Rückkehr des Wolfs ein gutes Zeichen für die Ökologie im Freistaat?

Natürlich, einige bekannte Tiere kommen derzeit zurück – der Kranich, der Fischotter, der Seeadler und auch der Wolf. Aber die Gesamtbilanz ist eindeutig negativ. In den vergangenen 40 Jahren hat Bayern 40 Prozent der biologischen Vielfalt verloren. Wir verlieren Arten, die früher prägend waren.

Zum Beispiel?

90 Prozent der Rebhühner, über 80 Prozent der Kiebitze und über die Hälfte der Feldlerchen sind verschwunden. Oder sehen Sie sich die Wiesen an. Eine Löwenzahn-Wiese ist keine Natur. Ich habe auf einem Parkplatz mehr ökologische Vielfalt als auf einer Fettwiese, die fünf, sechs Mal im Jahr gemäht wird. Auf so einer Wiese gibt es deutlich weniger als zehn Pflanzenarten. Es müssten aber 70 sein.

Das klingt jetzt sehr pessimistisch. Stehen Sie nicht als ewiger Mahner und Jammerer da?

Der LBV hat sich pragmatischen Lösungen nie verschlossen. Jährlich werden in Bayern 1200 Biber gefangen und geschossen – bei einer Population von etwa 18 000 Tieren. Hören Sie da einen Aufschrei von uns? In Bayern werden auch jährlich 7500 Kormorane legal geschossen, außerdem über 6000 Graureiher. Von übertriebenem Artenschutz kann daher wirklich nicht die Rede sein.

Oberbayern wird von den Tourismusverbänden als Vorzeigelandschaft gepriesen. Nirgends ist es schöner.

Das ist ein Trugbild. Mir macht der hohe Freizeitdruck in Oberbayern Sorgen. Es tauchen immer wieder neue Probleme auf. Auf einmal sind Stehpaddler eine neue Mode. Die fahren oft deutlich zu nahe ans Schilf ran. Am Seehamer See bei Miesbach habe ich selbst beobachtet, wie hunderte von Enten aufgescheucht wurden. Zweites Problem: die Drohnen. Wir fordern ein Überflugverbot über Vogelschutzgebieten. Es ist noch gar nicht erforscht, wie sich Drohnen auf Vogelschwärme auswirken. Sorgen bereiten uns drittens die Nachtskifahrer, die mit Stirnlampen so stark wie Autoscheinwerfer unterwegs sind und seltene Arten, das Birkhuhn zum Beispiel, verscheuchen.

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