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Nicht gerade sommerlich: Gewitter suchen Bayern derzeit immer wieder heim.

So kommen Sie sicher durchs Gewitter

Wetter-Experte im Interview: „Gewittersaison hat erst begonnen“

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Der Sommer ist auch die Jahreszeit der Gewitter. Doch wie entstehen diese Unwetter überhaupt? Und wie sollte man sich währenddessen verhalten?

München - Gewitter entstehen, wenn warme und feuchte Luftmassen zusammenströmen, in kältere Schichten aufsteigen und eine Wolke bilden. Durch Reibung laden sich Wasser- und Eisteilchen in der Gewitterwolke elek­trisch auf. Während sich die Eispartikel im kalten oberen Teil der Wolke positiv aufladen, reichert sich die negative Ladung in den Wassertropfen an der Wolkenunterseite an.

Das immer stärker werdende elektrische Spannungsfeld entlädt sich schließlich - mit einem Kurzschluss vergleichbar - in einem Blitz. Meist innerhalb der Gewitterwolken. Unter einer Gewitterwolke sammelt sich positive elektrische Ladung aber auch am Boden an.

Schlägt ein Blitz auf der Erde ein, kann das gefährliche Folgen für den Menschen haben: Es drohen Verbrennungen, Knochenbrüche oder gar der Tod. Der Extremfall ist aber selten: Bei Hunderttausenden Blitzen, die alljährlich hierzulande einschlagen, kommt es im Schnitt zu drei bis vier Todesfällen.

Bayerns Blitz-Hauptstadt ist nicht München

Wir haben mit Stephan Thern, Leiter des Blitz-Infodienstes, gesprochen.

Kennt sich mit Gewittern aus: Stephan Thern ist Leiter des Blitz-Infodienstes.

Ziel der Statistik ist es, besonders blitzgefährdete Gegenden in Deutschland auszumachen. 2016 war ein Ausnahmejahr. Ist das erklärbar?

Stephan Thern: Es gibt einfach Jahre, in denen es nicht so heiß wird. Dann ist auch weniger Energie in der Luft. Und wenn die Luft dann abkühlt, dann entstehen Gewitter erst gar nicht, es wird einfach kühler. Vergangenes Jahr hatten wir die Hauptgewitterzeit schon Ende Mai/Anfang Juni. Danach gab es zwar noch Starkregen und Überschwemmungen, aber keine Großereignisse mehr.

Bei uns ist es heuer recht warm in Bayern, abends kracht es hin und wieder heftig. Kann man für 2017 schon Blitz-Prognosen treffen?

Thern: Nein, weil die Gewittersaison erst begonnen hat. Wir müssen den August schon noch abwarten. Fakt ist aber, dass 2016 gerade für Bayern extrem blitzarm verlaufen ist.

Messen Sie auch die Intensität der einzelnen Blitze?

Thern: Ja, wir messen auch die Stromstärke, die so ein Blitz enthält. Das reicht von zwei bis 300 Kiloampere. Daraus kann man ermitteln, welche Schäden so ein Blitz anrichten kann. Das ist wichtig, denn es gibt weit über 500.000 Fälle pro Jahr, in denen Einschläge tatsächlich Schäden verursacht haben.

Ist es möglich, Blitzenergie wirtschaftlich zu nutzen?

Thern: Die Energie, die in einem Blitz steckt, ist nicht so stark, wie man meint. Vielleicht könnte man damit zwei Glühbirnen für zwei oder drei Tage erhellen. Der enorme Aufwand, so einen Blitz einzufangen und seine Energie zu speichern, steht da in keinem Verhältnis. Da ist eine Solaranlage wesentlich effektiver.

Interview: K. Basaran

Tipps: Sicher durchs Gewitter

Blitze - eine Gefahr, die man nicht unterschätzen sollte. Darf ich während eines Gewitters...

Telefonieren? Von Handys und schnurlosen Telefonen droht keine Gefahr, so der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Festnetztelefone sollten einen Überspannungsschutz haben – ansonsten weg vom Netz.

Unter Buchen Schutz suchen? Auf keinen Fall sind Buchen sicherer als andere Bäume. In ihrer Nähe besteht immer Gefahr bei Gewittern. Am besten zu jedem Ast mindestens zehn Meter Abstand halten.

Autofahren? Sicher sind Passagiere in Autos mit Ganzmetallkarosserie. Dort schützt sie ein sogenannter Faradayscher Käfig: Schlägt der Blitz ein, leitet die Außenhaut aus Metall den Strom zur Erde ab. Generell kann ein Auto durch den Blitzeinschlag Schaden nehmen. Dessen elektromagnetisches Feld könne laut VDE beispielsweise die Elektronik des Autos beschädigen. Nach dem Gewitter deshalb die Elektronik prüfen!

Schnell mit dem Rad nach Hause fahren? Die Nähe zu einem metallenen Gegenstand ist gefährlich. Dann ist da die Frage, wie viel Zeit man noch hat, bevor der Blitz droht. Beobachtungen zufolge kann ein Blitz fünf Kilometer und mehr von seiner Ursprungswolke entfernt einschlagen. Faustregel: Liegen zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden und weniger, besteht Lebensgefahr.

Unter einem Regenschirm stehen? Viele Modelle enthalten Metall, das man während eines Gewitters nicht anfassen darf. Deshalb: Schirm zuklappen! Wer keinen Unterschlupf findet, sollte sich eine flache Stelle oder Mulde im Gelände suchen und in der Hocke mit eng geschlossenen Füßen abwarten.

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