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Friederike Sturm ist Bayerns oberste Lotto-Fee. Die Chefin von Lotto Bayern spricht im Interview über persönliches Glück und das große Los.

„Ich freue mich mit jedem, der gewinnt“

Interview mit der Präsidentin von Lotto Bayern: Die Glücksbringerin

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München - Ihr Büro ist ein Hauptgewinn: Friederike Sturm, seit Juli 2016 Präsidentin von Lotto Bayern, blickt aus ihrem Bürofenster über die Theresienwiese, auf St. Paul und auf die Türme des Liebfrauendoms.

Aber auch die Aufgabe bereitet der Glücksbringerin viel Freude. as strahlt die 53-Jährige auch im Interview am umgebauten alten Roulette-Kessel in ihrem Büro aus.

Seit Juli 2016 sind Sie im Amt. War es das große Los für Sie?

Das war mein persönlicher Treffer, wie ein Sechser bei 6 aus 49. Ich empfinde es als echten Glücksfall.

Was ist der Hauptgewinn bei Ihrer neuen Aufgabe?

Ich habe festgestellt, dass ich unwahrscheinlich kompetente Mitarbeiter habe, die mich sehr unterstützen. Das ist wirklich ein Hauptgewinn. Und dann macht es natürlich unheimlich Freude, fürs Glück zuständig zu sein, andere Menschen glücklich machen zu können, indem man ihnen Spiele anbietet, die Spaß machen und durch die man eine große Chance hat, auch lebensverändernde Gewinne zu bekommen.

Duften Sie denn schon einen richtigen Hauptgewinn überreichen?

Ja, im Eurojackpot hatten wir vor zwei Wochen einen Gewinn von über 22 Millionen Euro. Da macht man Menschen schon glücklich. Manchmal erschrecken sie auch erst einmal angesichts solcher Summen...

Solche Gewinner bleiben natürlich anonym, aber können Sie trotzdem verraten, wie der Gewinner reagiert hat?

„Der Gewinner freute sich wahnsinnig“

Es ist ein Oberbayer gewesen. So viel kann man sagen. Die Reaktion von ihm war angelehnt an den bekannten Loriot-Sketch vom Lottogewinn. Er sagte, er wird keine Boutique mit seiner Tochter auf Mallorca eröffnen... (lacht) Der Gewinner freute sich wahnsinnig. Bei solchen Summen fragt man sich natürlich, was man damit macht. Wenn man ein paar tausend Euro gewinnt, fährt man vielleicht in Urlaub oder leistetet sich schneller ein neues Auto. Aber bei solch hohen Gewinnen muss man sich doch ganz genau überlegen, wie man sein künftiges Leben sortieren will.

War der Gewinner schon vorher gut situiert oder war es jemand, der es eigentlich richtig gut gebrauchen konnte?

(lächelt) Das dürfen wir schon nicht mehr sagen.

Jedenfalls haben Sie sich sehr für ihn gefreut?

Das auf jeden Fall. Ich freue mich mit jedem, der gewinnt. Das ist ja das Schöne an unseren Spielen.

Sind Sie selber Spielerin?

Lotto darf ich ja spielen. Das tue ich auch regelmäßig gerne, auch gerade wenn ein hoher Jackpot da ist. In den Bayerischen Spielbanken darf ich nicht spielen. Aber alles, was es in den Annahmestellen gibt, kann ich machen. Lose bringe ich auch gerne als Geschenk mit. Und wenn dann jemand das große Los gezogen hat, dann gönn ich ihm das auch.

Haben Sie denn selber schon etwas gewonnen?

Ja, immer wieder mal. Aber den Riesen-Jackpopt habe ich noch nicht geknackt. Aber gerade bei den Losen sind die Chancen zu gewinnen relativ hoch. Da nimmt man immer wieder mal etwas mit.

Haben Sie feste Zahlen, wenn Sie Lotto spielen?

Das traue ich mich nicht, denn wenn ich vergesse, Lotto zu spielen und die werden gezogen, dann wäre es ganz furchtbar (lacht).

„Ich spiele aber immer unterschiedliche Zahlen“

Also raten Sie auch davon ab, feste Zahlen zu spielen?

Nein, wenn man regelmäßig spielt, dann kann man das machen. Wir haben ja auch Möglichkeiten, dass man sicherstellt, das Spielen nicht zu vergessen. Sie können ja ein Abo machen. Ich spiele aber immer unterschiedliche Zahlen.

Es gibt natürlich auch die dunkle Seite vom Glücksspiel, die Sucht. Welche Verantwortung spüren Sie da als Lotto-Präsidentin?

Dieses Thema nehmen wir sehr ernst. Wir sind ein staatlicher Anbieter und im Gegensatz zu manchem Anbieter aus dem Ausland, die keine Rücksicht nehmen, achten wir sehr darauf. Das Personal in den Annahmestellen wird geschult, auf auffälliges Verhalten zu achten. Da gibt es ein Sozialkonzept, damit man weiß, wie man damit umgeht.

Was sind Anzeichen für eine Sucht?

Wenn sich das Spielverhalten verändert, wenn der Einsatz von jemandem, der immer mit einer regelmäßigen Summe gespielt hat, plötzlich in die Höhe schnellt. Man schaut, woran das liegt und spricht mit dem Betreffenden. Dann kann sich derjenige sperren lassen. Wenn jemand ganz uneinsichtig ist, dann können auch wir ihn sperren.

Bitten auch schon mal Angehörige darum?

Bei Lotto eher selten. Das Spiel ist ja auch für jemanden, der den großen Kick sofort sucht, nicht so geeignet. Das ist eher ein Thema für Spielbanken. Aber damit gehen wir sehr verantwortungsvoll um. Wenn wir hier jemanden sperren, dann gilt das für das ganze Bundesgebiet.

Der Finanzminister freut sich über Geld aus dem Glücksspiel. Wie viel Geld fließt in den Staatshaushalt?

Letztes Jahr waren es 423 Millionen Euro, rund 200 Millionen waren Lotteriesteuer, der Rest Gewinnabführung. Das ist natürlich eine schöne Sache für den Finanzminister. Und jeder Mitspieler gewinnt immer. Ob er persönlich gewinnt oder nicht: Die Allgemeinheit profitiert immer. Denn mit dem Geld werden öffentliche Aufgaben finanziert.

Welche?

Sport, Kultur, Wohlfahrtspflege, Denkmal- und Naturschutz sind die Hauptbereiche.

„Jeder Mensch will spielen“

Diese Mittel für soziale und kulturelle Aufgaben, sind sie es, die das Glücksspiel moralisch rechtfertigen?

Sie müssen sehen: Jeder Mensch will spielen. Als Kind fangen sie das Spielen an – und das bleibt in gewisser Weise ein Leben lang. Jemandem, der gerne spielt, sollte man ein staatlich seriöses Angebot machen. Damit er nicht auf Spelunken und Hinterzimmer ausweichen muss.

Im Internet gibt es ja auch jede Menge dubiose Angebote.

Online-Casino-Spiele sind unter dem Suchtaspekt nicht unproblematisch. Und die gibt es derzeit faktisch wie Sand am Meer – mangels effektiven Vollzugs gegen illegale Angebote. Das macht die Sache durchaus gefährlich. Staatlich seriöses Glücksspiel ist ein Wert an sich. Sie können hier in einem sicheren Umfeld spielen.

Es gibt im Internet Anbieter, die vorspiegeln, dass man bei ihnen Lotto spielen kann. Was steckt dahinter?

Das sind Schwarzlotterien. Anbieter aus dem Ausland, die keine deutsche Lizenz haben. Sie geben vor, dass Sie Lotto, Eurojackpot spielen. Das tun Sie aber nicht, Sie geben eine Wette ab auf den Ausgang der deutschen Lotterieziehung. Sie wetten, dass diese sechs Zahlen fallen – und wenn sie fallen, dann müssen Sie darauf hoffen, dass der Anbieter Ihnen auch den Gewinn auszahlt. Bei uns werden dazu keine Spielscheine eingereicht, die machen ihr eigenes Süppchen. Der Spieler hat keine Sicherheit. Das ist eindeutig nicht erlaubt, sondern strafbar. Auch für den Spieler! Wenn Sie verlieren, fließt das Geld nicht ans Gemeinwohl, sondern in die Kasse des privaten Anbieters.

Was bedeutet für Sie persönlich Glück?

(lacht) Nicht Geld allein. Eine ausreichende Menge Geld ist natürlich notwendig, um sorgenfrei zu sein. Aber wenn man in seinem persönlichen Umfeld zufrieden ist, Familie und Freunde hat, die einen stützen, man sich das ein oder andere leisten kann, das macht glücklich. So ein Lottogewinn, der würde natürlich voll reinhauen! Es gibt da übrigens einen Großgewinner, der sich noch nicht gemeldet hat. Bei der Eurojackpot-Ziehung am 7. Oktober hat jemand aus Oberbayern 4,1 Millionen Euro gewonnen. Drei Jahre lang hat er Zeit sich zu melden. Solange heben wir das Geld auf, danach geht es in den Auslosungstopf zurück. Bitte melden!

Lesen Sie auch: Mister Lotto geht in Ruhestand

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