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Die Wölfe kehren nach Bayern zurück. Bald wird es die ersten Rudel geben, also Wolfsfamilien. 

interview mit Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky

„Wir werden bald wieder Wolfsrudel haben“

Der Wolf kommt zurück nach Bayern. Auf dem Hörnle im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wurde vor zwei Wochen eine Wolfsspur entdeckt. Vor wenigen Tagen wurden zwei Wölfe auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr in der Oberpfalz nachgewiesen – wahrscheinlich ein Paar.

Damit ist davon auszugehen, dass es bald wieder Wolfsrudel in der Region gibt, sagt Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky im Interview. Aber er versichert: Niemand muss Angst haben.

Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem von vielen Menschen gefürchteten Wolf.

Kürzlich wurde eine Wolfsspur auf dem Hörnle bei Bad Kohlgrub entdeckt. Gibt es immer häufiger Hinweise auf Wölfe?

Ulrich Wotschikowsky: Bei der Spur auf dem Hörnle handelt es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um einen Wolf. Sicherheit wird eine genetische Analyse des Urins bringen. Die Hinweise auf Wölfe nehmen zu. Es kommen immer mehr Wölfe aus Norden, Osten und Süden.

Woran liegt das?

Wotschikowsky: Seit weit über zehn Jahren gibt es Bemühungen, die großen Beutegreifer Wolf, Luchs und Bär zu erhalten. Die EU hat das erkannt. Europaweit – Ukraine, Weißrussland und Russland nicht miteinbezogen – gibt es inzwischen rund 12 000 Wölfe. Man schießt die Tiere nicht mehr einfach über den Haufen. Wir haben uns eine etwas freundlichere Einstellung in unserer Gesellschaft gegenüber diesen Tieren angewöhnt. Das finde ich ziemlich gut.

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir bald wieder Wolfsrudel in Bayern haben?

Wotschikowsky: Das ist ziemlich wahrscheinlich, wenn alles gut geht aus Sicht des Wolfes. Wir haben bereits zwei Paare, eines im Nationalpark Bayerischer Wald und wahrscheinlich ein weiteres in Grafenwöhr auf dem Truppenübungsplatz. Wenn es sich um ein Paar handelt, sucht es sich ein Gebiet und bekommt im April/Mai die ersten Jungen. Damit bilden die Wölfe ein Rudel, also eine Familie.

Welche Bedingungen braucht der Wolf, um sich anzusiedeln?

Wotschikowsky: Er muss ein Gebiet finden, das ihm taugt und in dem es genügend Nahrung gibt. Deutschland hat mehr als genug, es ist eines der nahrungsreichsten Gebiete auf der Welt. Außerdem braucht der Wolf Ruhe zum Aufziehen der Jungen. Dafür braucht er große Waldstücke.

Welche Folgen hätte es, wenn es wieder Wolfsrudel in Bayern gäbe?

Wotschikowsky: Schafhalter müssen sich überall darauf einstellen, dass Wölfe von heute auf morgen da sein können. Sie können aus Italien, aus Brandenburg oder aus dem Osten kommen. Schafhalter sind gut beraten, ihre Tiere zu schützen, auch vor Hunden. Am besten eignen sich Elektrozäune. Schafe kann man nicht einfach in die Gegend stellen.

Wie gefährlich ist der Wolf für den Menschen?

Wotschikowsky: Gar nicht. Die Gefahr, von einem Wolf angegriffen zu werden, ist viel, viel geringer, als dass Ihnen beim Spaziergang im Wald ein Ast auf den Kopf fällt.

Man muss also keine Angst haben, wenn man in einen Wald oder auf einen Berg geht, wo ein Wolf gesichtet wurde?

Wotschikowsky: Ich fände es gar nicht schlecht, wenn derzeit ein paar Leute daheim bleiben. Es ist schrecklich, was wir der Natur mit dem Massentourismus antun. Aber man kann nach wie vor bedenkenlos in den Wald gehen.

Wie sollte man sich verhalten, wenn einem ein Wolf begegnet?

Wotschikowsky: Wem ein Wolf begegnet, der sollte auf die Knie fallen und sich darüber freuen, dass ihm ein solches Erlebnis widerfährt. Es ist ein so seltenes Erlebnis, so ein verfolgtes Tier zu erleben. Darauf warte ich schon seit Jahren. Das Letzte, was man haben muss, ist die Sorge, dass er einem in den Hintern beißt.

Das Gespräch führte Nina Gut

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