+
Ludwig Spaenle.

Interview: „Spielregeln müssen eingehalten werden“

München - Bayerns Schüler streiken - um die Diskussion über das Bildungssystem anzuheizen. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) warnt vor einer Eskalation der Proteste.

 -Münchner Schüler im Bildungsstreik – und wo ist der Kultusminister?

Ich habe schon heute beim Bildungscamp am Geschwister-Scholl-Platz vorbeigeschaut, aber da war fast niemand. Ich gehe am Mittwoch noch einmal hin. Aber nicht in der Schulzeit, vielleicht so ab 12 Uhr. Eine Missachtung der Schulpflicht kann ich nicht begrüßen, das ist ja wohl klar.

-Weniger Leistungsdruck, Bildung ohne Gebühren, bessere Lernbedingungen – Sie gehen zu einer Demo, auf der gegen Sie demonstriert wird.

Lesen Sie dazu:

Bayerns Schüler proben den Aufstand

Schulstreik: Ministerium droht mit Verweisen

Nach Schulboykott: Schüler wehren sich gegen Strafen

Schülerstreik wegen Bildungsmisere

Das sehe ich anders. Man kann über alles reden und ich stelle mich der Diskussion, auch wenn ich anderer Meinung bin. Ich respektiere das Engagement der Schüler, möchte aber sensibel machen für eine mögliche Instrumentalisierung durch bestimmte politische Kreise. Bei vielen Anliegen habe ich Verständnis – der Bildungshaushalt, die Lehrerversorgung zum Beispiel könnten noch besser sein, aber wir sind auf einem guten Weg, stellen 2009/10 rund 2700 neue Lehrer ein. Einiges sehe ich anders, etwa die Forderung nach einer Gesamtschule oder auch die Forderung nach Gebührenfreiheit beim Studium.

-Die Organisatoren sind Ihnen nicht zu linkslastig?

Nein. Wenn sich Schüler engagieren, Interesse an Bildungspolitik zeigen, ist das kein Chaotentum.

-Was raten Sie Schulleitern, denen die Schüler am Mittwoch bei der Großdemo stiften gehen?

Das muss innerhalb der Schulfamilie aufgearbeitet werden, da mische ich mich im Einzelnen nicht ein. Über Disziplinarmaßnahmen muss der Schulleiter selbst entscheiden. Ich warne aber: Der Schulpflicht nicht nachzukommen, ist kein Spaß. Wo Pflichten verletzt werden, muss das geahndet werden.

-Am heutigen Dienstag wollen die Schüler ein Münchner Gymnasium unter Quarantäne stellen, am Donnerstag gibt es einen so genannten symbolischen Banküberfall. Haben Sie Verständnis für solche Aktionen?

Also ich muss schon sagen, das ist mehr als unglücklich. Ich muss schon sensibel vorgehen, auch bei der Wortwahl. Ein symbolischer Banküberfall kann nicht satirisch gemeint sein. Auch bei der offenbar geplanten Blockade einer Schule wird eine Grenze deutlich überschritten. Die Spielregeln müssen eingehalten werden.

Das Interview führte Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trotz 80 Meter Absturz in die Tiefe: Verletzer alarmiert noch selbst seine Retter
Über felsiges Gelände stürzte ein Urlauber in die Tiefe. Trotzdem konnte er noch selbst den Notruf wählen. 
Trotz 80 Meter Absturz in die Tiefe: Verletzer alarmiert noch selbst seine Retter
Unfall mit Lkw: Frau getötet und Kind schwer verletzt
Bei einem schweren Unfall zwischen einem Auto und einem Lastwagen auf der Autobahn 6 in der Oberpfalz ist am Mittwoch eine Frau ums Leben gekommen und ein Kind schwer …
Unfall mit Lkw: Frau getötet und Kind schwer verletzt
Haftbefehl aufgehoben: Mutmaßliches Boko-Haram-Mitglied wieder auf freiem Fuß
Der Haftbefehl gegen ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Boko Haram wurde nun aufgehoben, nachdem der Verdacht sich als zweifelhaft herausstellte. 
Haftbefehl aufgehoben: Mutmaßliches Boko-Haram-Mitglied wieder auf freiem Fuß
Nach Frühlingswetter kommt nun Kälte-Einbruch - Allergiker atmen auf
Nach einem Super-Frühling müssen die Bayern sich nun auf einen rapiden Temperatur-Einbruch und Schauer gefasst machen. So wirkt sich das Wetter-Tief auf Allergiker aus.
Nach Frühlingswetter kommt nun Kälte-Einbruch - Allergiker atmen auf

Kommentare