Michael Kreitmeir mit einigen seiner Schützlinge: Der Eichstätter hat in Sri Lanka eine Hilfsorganisation für Kinder gegründet. Jetzt stellte ihm ein offenbar korrupter Minister eine Falle.

Intrige: Wohltäter aus München in Sri Lanka eingesperrt

Er hat eine Hilfsorganisation gegründet, um armen Kindern in Sri Lanka beizustehen. Jetzt wurde der BR-Filmemacher Kreitmeir offenbar Opfer einer Intrige: Wegen untergeschobener Drogen muss er vor Gericht.

Michael Kreitmeir, 53, geht es schlecht. Er hustet viel, hat sich eine Lungenentzündung zugezogen. „Wir sind mit den Nerven am Ende“, sagt seine Frau Elke, die in Eichstätt lebt. Acht Tage lang war der BR-Filmemacher und Autor Kreitmeir unter unmenschlichen Bedingungen in einem Gefängnis in Monoragala in Sri Lanka eingesperrt. Mit elf Männern teilte sich der Erfinder und Moderator der Kultsendung „Kunst & Krempel“ im bayerischen Fernsehen eine kleine Zelle. Er musste auf dem Fußboden schlafen, konnte sich nicht waschen.

Kreitmeir wird der Besitz von 1,8 Gramm Heroin vorgeworfen. „Dafür drohen ihm fünf Jahre Gefängnis“, befürchtet seine Frau Elke. Noch aus dem Gefängnis startete ihr Mann einen Hilferuf. Seine Geschichte ist auf der Internetseite der Kinderhilfsorganisation Little Smile veröffentlicht, die er 1999 in Sri Lanka gegründet hat. Das dazugehörige Kinderdorf befindet sich in Koslanda, im südlichen Teil des Landes. Kreitmeir selbst beteuert seine Unschuld, fühlt sich als Opfer eines korrupten Ministers.

Am Mittwochabend kam er nach massiver Intervention der Deutschen Botschaft und von Fürsprechern im In- und Ausland gegen Kaution wieder auf freien Fuß. Allerdings nur vorübergehend. Sein Pass wurde eingezogen, er darf das Land nicht verlassen. Am kommenden Dienstag muss er vor Gericht. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte, dass man mit der Familie in Kontakt stehe.

Die Vorgeschichte: Am 17. August fährt Kreitmeir mit seinem 23-jährigen Sohn Manuel nach Kalmunai, wo er eine internationale Schule aufbauen will. Auf dem Heimweg stoppen etwa 30 schwerbewaffnete Männer sein Auto. Die durchsuchen das Fahrzeug, entdecken angeblich 1,8 Gramm Heroin unter dem Rücksitz und bringen ihn auf die nächste Polizeistation. Am nächsten Tag landet er im Gefängnis, sein Sohn darf gehen. Inzwischen dringen die Männer in das Kinderdorf ein, drohen den Betreuern mit Folter und durchsuchen die Gebäude. Kreitmeir fürchtet nun, dass sie wieder Drogen versteckt haben könnten. „Mir wurde klar, dass all dies inszeniert worden war“, schreibt Kreitmeir.

Denn er hat einen Verdacht: Im Frühjahr habe ein lokaler, tamilischer Minister 50 000 Dachbleche im Wert von 200 000 Euro von ihm erpressen wollen. „Der Minister machte mir sehr deutlich, dass er mich und alles, was ich geschaffen habe, zerstören würde, sollte ich nicht mit ihm arbeiten“, schreibt das Opfer. Kreitmeir lehnt ab, woraufhin ihm der Minister gedroht habe: „Zuerst nehme ich dir dein Land weg, dann lass ich deine Kinder vergewaltigen und dann bist du dran“, soll er gesagt haben. Doch der Bayer lässt sich nicht einschüchtern, erstattet Anzeige bei der Polizei und legt bei der Deutschen Botschaft in Colombo Beschwerde ein.

Das war vor rund sechs Monaten. Bereits wenige Stunden nach seiner Freilassung erhielten Kreitmeir und seine Mitarbeiter des Kinderdorfes, wo er sich momentan aufhält, Morddrohungen. „Das ist ein korrupter Minister, der in dieser Gegend auch noch für Soziales zuständig ist“, sagt Kreitmeirs Frau Elke, die täglich mit ihrem Mann telefoniert.

Momentan kann sie nicht aus Deutschland weg. Und bangt um ihren Michael, dem es „sehr schlecht“ gehe. Er leidet an Multipler Sklerose. Das Ehepaar hat einen weiteren Sohn Marko, der erst 15 Jahre alt ist.

Ein einheimischer Anwalt wird Kreitmeir vor Gericht unterstützen. Die Verhandlung findet auf singhalesisch statt. Kreitmeir spricht die Sprache nur gebrochen. „Ich habe nie um Hilfe gebeten, aber jetzt muss ich“, schreibt Kreitmeir in einem Hilferuf an die Öffentlichkeit.

Marlene Kadach

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