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Eigentlich ein hübsches Flatterding: Der Distelfalter sucht Bayern heim.

Invasion der Distelfalter in Bayern

Olching - Das Flugobjekt hat eine Flügelspannweite von maximal sechs Zentimetern, es schillert braun, rot und orange und pilgert derzeit über die Grenzen: Der Distelfalter erobert Bayern – „es müssen Abermillionen sein“, sagen Experten.

Sonntag, kurz nach 16 Uhr: „Um Gottes Willen, was ist denn da los“, denkt sich Luzia Brunner in Olching (Kreis Fürstenfeldbruck), als sie nach draußen blickt. Schwärme von Faltern bewölken den Himmel. Etwa zur selben Zeit in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau): Reinhard Magg macht gerade eine Radltour, da begegnet er den Schmetterlingen. „Die Luft war voll von ihnen.“ Sogar an den Straßenrändern kleben tote Falter.

Riesige Kolonien der Tiere beobachtet auch Hartmut Lichti aus Dachau – am Sonntag Nachmittag bei einer Exkursion des Landesbunds für Vogelschutz im Donau-Moos unterwegs. „Nach überschlägigen Hochrechnungen müssen es Abermillionen sein.“ Lichti staunt: „So etwas habe ich noch nicht gesehen.“

„Ja, der Einflug ist derzeit besonders stark“, bestätigt Andreas Segerer, bei der Zoologischen Staatssammlung in München Experte für Schmetterlinge. Der Distelfalter, sagt er, sei „einer der markantesten Wanderfalter“ – bei den Experten bekannt dafür, besonders weite Strecken zurückzulegen. Aus Italien, Spanien, ja aus dem Norden Afrikas kommen die jetzt in Bayern gestrandeten Exemplare des „Vanessa cardui“, so der lateinische Gattungsbegriff. Das Wanderverhalten sei jedes Jahr zu beobachten und diesmal besonders stark, sagt Segerer. Der Distelfalter sei ein sehr kräftiger und schneller Flieger. Er beugt gleich Missverständnissen vor: „Mit dem Klimawandel hat das nichts zu tun.“

Segerer selbst hat die Tiere am Sonntag bei einer Autofahrt auf der A 93 und A 9 zwischen Regensburg und München gesehen. Allerdings fügt er bedauernd an: „Leider klebten auch unzählige an meiner Windschutzscheibe.“ Das Wanderverhalten des Distelfalters sei Teil einer biologischen Überlebensstrategie – der Distelfalter pflanze sich hier fort, lege zum Teil hier auch Eier ab, um sich dann im Verlauf des Sommers wieder nach Süden zurückziehen. Ein Schädling sei der Distelfalter keinesfalls, sagt Segerer.

Die Raupen des Falters ernähren sich hauptsächlich von Distelgestrüpp, aber auch von Brennnesseln. Die Flatterdinger sind übrigens, wie alle Schmetterlinge, sehr sensible Tierchen. „Die meisten waren gut erhalten, ohne zerschlissene Flügel“, hatte sich am Sonntag noch Experte Segerer gefreut. Gestern allerdings wurden statt Schwärmen nur mehr Einzelexemplare gesichtet. Zu vermuten ist: Die heftigen Gewitter Sonntag Nacht in Teilen Oberbayerns haben zumindest einem Teil des Getiers den Garaus bereitet.

Von Dirk Walter

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