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„Im Nachhhinein stellt sich alles als Scheinwelt heraus“, sagt Schirmbar-Wirtin Anneliese Oberauer

Vor den Inzellern mimte das Ehepaar bis zum Ende die sorglosen, reichen Städter

Inzell: Das Doppelleben von Christa und Hannes M.

Inzell - Was muss das für eine Anstrengung gewesen sein: Jeden Tag aufbretzeln, immer nett lächeln. Und innen drin war sie eine gebrochene Frau.

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Christa M. (67) hat mit ihrem Mann bis zum Schluss ein Doppelleben geführt. Das wird den Inzellern nun klar. Nur einmal, als endgültig feststand, dass der vermeintliche Käufer ihres Inzeller Hauses sie angeschmiert hatte und die finanzielle Misere damit unausweichlich war, sei die 67-jährige Frau in Tränen ausgebrochen. „Sie hatten schon die kleinere Wohnung in Bad Reichenhall gekauft und neu möbliert“, erinnert sich Christas Bekannte Christine K. (59). „Sie saßen auf gepackten Koffern und hatten gehofft, damit ihre Schulden los zu sein – und mit einem Mal hatten sie noch mehr.“

Explosion in Inzell

Inzell: Wohnhaus abgebrannt

War das Christa M.s wahres Gesicht? Den Nachbarn, den Verkäufern im Ort oder auch Anneliese Oberauer, der Wirtin der Schirmbar im Ortszentrum, erzählte sie bis zuletzt dasselbe: Es sei nicht schlimm, dass der Haus-Verkauf nicht klappe. Sie seien ja nicht aufs Geld angewiesen. Seit ihrem Umzug aus München vor 15 Jahren hatte das kinderlose Ehepaar den Ruf der „reichen Städter“ weg – und den genossen sie auch. Hannes M. (75) kurvte erst im Porsche, dann im BMW Cabrio mit Sonnenbrille durch Inzell, „immer mit schwarzer Hose, Sakko und Hemd“, erinnert sich die Wirtin. Seine Frau beschreibt Oberauer als „tolle Erscheinung“: dunkelhaarig, einen Kopf größer als ihr Mann und selbst beim Einkaufen so herausgeputzt, dass alle sie für jünger hielten. Die Bekannte Christa M.: „Sie war immer geschminkt und trug Edelstein-Armbänder.“

Bilder vom Tag danach

Trümmerfeld nach Explosion

Vor ein paar Jahren hat Anneliese Oberauer ­bemerkt, dass Christa M.s hübsches Gesicht sich verändert hat. „Ein Schlaganfall?! Der Mann sagte nur, sie sei krank. Von da an ist sie kaum mehr vor die Tür gegangen.“ Vielleicht wollte das Ehepaar den Schein wahren, weil sie den Niedergang so selbst besser verdrängen konnten. Auf die Frage, warum sie nach Bad Reichenhall ziehen wollen, antwortete das Paar: Es gäbe dort nicht so viel Schnee…

Dass sie eine kleinere Wohnung brauchten, weil sie sich bei der Finanzierung des Traumhauses übernommen hatten, erzählten sie nur Christine K.. Dass sie weg wollten, weil sie hier einfach kein Fuß fassten – zu niemandem ein Wort. Dass der Druck aber immer größer – ja unerträglich – wurde, wissen die Inzeller seit der entsetzlichen Nacht der Explosion. „Irgendwie passt das tragische Ende“, überlegt Wirtin Oberauer. „Sie sind nicht leise und jammernd gegangen, sondern mit einem Knall. Und alles nur, weil es für sie keine schlimmere Vorstellung gab, als Hartz-IV-Empfänger zu sein…“

Nina Bautz

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