Der Iran macht unsere Bratwürscht teurer

Nürnberg - Es klingt komisch, aber Nürnberg ist ein Nebenschauplatz des Iran-Konflikts. Die Metzger stöhnen auf, denn das Land im Nahen Osten macht unsere Bratwürste teurer.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich der Konflikt zwischen dem Westen und dem Iran wegen des Atomprogramms nicht ein kleines Stück mehr zuspitzt. Erst am Sonntag, als die Revolutionsgarden mit einem Manöver begonnen haben und zeitgleich dem Iran vorgeworfen wurde, die Entwicklung von Atomwaffen voranzutreiben. Und mittlerweile gibt es Nebenschauplätze des Konflikts, mit denen der Verbraucher nicht rechnet – in Nürnberg etwa. Beim dortigen Metzger!

Das große Grill-ABC

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Denn ein Hauptbestandteil der Nürnberger Rostbratwurst ist der Schafsaitling, und einer der Hauptexporteure des hauchdünnen Schafsdarms ist – man ahnt es – der Iran.

Metzger Claus Steiner (32) berichtet, dass die Saitlinge, die in Salzlake antransportiert werden, fast doppelt so teuer sind wie früher. „Das ist hart“, sagte er den Nürnberger Nachrichten, und die Konsequenzen sind in der Metzgerei spürbar. „Um rund drei Prozent ist der Preis inzwischen gestiegen“, erzählt Steiner, der seinen Laden im Stadtteil Altenfurt betreibt. Die Iraner würden so wenig Saitlinge liefern wie noch nie, dafür verlangten sie mehr. Alternativen wie Schweinsdarm verbieten sich: Schließlich sind die echten Nürnberger Rostbratwürste nur dann nach Europäischen Recht echt, wenn sie im engen Schafsaitling abgedreht sind.

Und so sind die Nürnberger Metzger auf eben die Staaten angewiesen, in denen traditionell Lamm und Schaf auf den Tisch kommen: Iran, Irak, weit dahinter die Mongolei und Türkei. Auch Neuseeland. Am liebsten sind den Metzgern, auch wegen der Qualität, die iranischen.

Ein Großhändler berichtet, dass er für wichtige Abnehmer wegen des Darmproblems inzwischen zwei Cent pro Wurst mehr berechnen muss. „Die toben natürlich.“ Ein Chefeinkäufer denkt, dass die Ware „strategisch verknappt wird“. Politische Unruhen im Mittleren Osten trügen das Ihre zur immensen Hochlage bei. Langfristig müssten die Verbraucher weit mehr für ihre Nürnberger Bratwürste hinlegen.

Eine wenig schmackhafte Aussicht, doch es könnte schlimmer kommen, falls man Wurstliebhaber ist. Auch iranische Pistazien wurden massiv teurer. Diese stecken in der Mortadella. Die Italiener hätten hier allerdings laut Metzger Steiner eine Lösung gefunden: In der italienischen seien einfach weniger Pistazien drin.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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