Irrer Prozess: Zu dick für den Lehrerberuf?

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Burghausen - Zu dick für den Staatsdienst: Der Freistaat verweigerte einer Lehrerin die Übernahme ins Beamtenverhältnis auf Lebenszeit – wegen ihres Übergewichts. Doch die Pädagogin zog vor Gericht.

Elke Nock (40) ist eine gute und beliebte Lehrerin. An einer Mittelschule in Burghausen (Kreis Altötting) unterrichtet sie Technik, Wirtschaft und Kunst. Niemand zweifelt an ihren pädagogischen Fähigkeiten. Und dennoch gibt es da einen Haken, weshalb Elke Nock keine Beamtin werden sollte: Sie hat Übergewicht. Der Freistaat verlängert ihr voriges Jahr die Probezeit und will sie nicht in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit übernehmen. Doch die junge Mutter lässt das nicht auf sich sitzen: Sie zieht vor das Verwaltungsgericht München und kämpft für ihren Beamtenstatus.

Als Elke Nock am Mittwoch mit ihrem Mann und dem acht Monate alten Töchterchen Felizia ins Gericht kommt, ist schnell klar: Die 40-Jährige ist barock, aber sie ist fit und engagiert. Sie trägt eine enge Jeans, ein pinkfarbenes Shirt und ein Nadelstreifen-Jackett. Bei 1,70 Metern Größe wiegt sie 89 Kilo. Das entspricht einem BMI (Body-Mass-Index) von 31. Der wünschenswerte BMI liegt in ihrem Alter bei 21 bis 26. Der Wert 31 war dem Freistaat viel zu hoch – sprich zu riskant für mögliche Folgen des Übergewichts.

Zu Beginn ihrer Probezeit als Beamtin bringt Elke Nock ähnlich viele Kilos auf die Waage wie heute. Der Arzt hält sie dennoch für geeignet, denn die Lehrerin ist kerngesund. Das Problem beginnt erst am Ende der Probezeit. Der Direktor der Schule meldet, dass die Pädagogin fachlich in Ordnung sei, dass sie aber „augenscheinlich erhebliches Übergewicht“ habe. Daraufhin geht der Ärger los: Elke Nock muss erneut zum Amtsarzt, der ebenfalls zu viele Kilos diagnostiziert, aber wiederum „kein Hindernis“ für die Übernahme erkennt. Der Freistaat sieht trotzdem Probleme und legt die Untersuchungsergebnisse noch einmal der medizinischen Untersuchungsstelle der Regierung von Oberbayern vor.

Das Ergebnis ist schlecht für Elke Nock: Die Probezeit wird um sechs Monate verlängert, sie soll nicht Lebenszeit-Beamtin werden. Dabei ist Nock inzwischen schwanger – und hat deshalb erheblich zugenommen. Doch das kümmert den Arzt der medizinischen Untersuchungsstelle nicht. Elke Nock erzählt, dass er zu ihr gesagt habe: „Eine Schwangerschaft ist nur eine Ausrede für Frauen, um essen zu können.“

Sechs Monate nach der Geburt von Töchterchen Felizia läuft die verlängerte Probezeit im Januar ab. Elke Nock muss erneut zum Arzt. Das Gesundheitszeugnis besagt: Die Lehrerin ist „fachlich und körperlich geeignet“. Trotzdem lenkt der Freistaat nicht ein, der Fall geht vor Gericht. Doch bevor der Streit richtig los geht, zieht der Freistaat dann doch zurück. „Wir werden sie in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit übernehmen“, sagt die Landesanwältin kurz und knapp. Schon nächste Woche bekommt Nock ihre Urkunde.

Die 40-Jährige fällt ihrem Mann nach der Verhandlung um den Hals, herzt ihre kleine Tochter. „Ich bin sehr erleichtert“, sagt sie, „alles andere hätte ich nicht verstanden.“ Sie freut sich auf die Urkunde, die sie in ein paar Tagen in Händen hält. Im September wird sie wieder unterrichten. Und übers Gewicht macht sie sich jetzt endlich keine Gedanken mehr: „Das verringert sich jetzt von allein.“

Von Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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