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Rafting ist bei vielen beliebt. Allerdings kommt es immer wieder zu Unfällen, auch weil die Fahrer der Boote Risiken unterschätzen oder falsch ausgerüstet sind.

Gleich mehrere Einsätze auf der Isar

Bootsunfälle am Wochenende: „Ich hab’ Todesangst bekommen“

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München - Boot raus – und ab auf den Fluss. Im Prinzip keine schlechte Idee; mehrere Unfälle am Wochenende haben aber gezeigt, dass mit Isar, Loisach und Co. nicht zu spaßen ist. Trotzdem gehen viele zu leichtfertig aufs Wasser.

Es mag vom Ufer aus nicht so scheinen, aber in diesen Tagen sind Isar und Loisach ziemlich in Fahrt. „Wenn sie wie jetzt viel Wasser führen, sind das gefährliche Flüsse“, sagt Rudolf Brettner, 53, der Technische Leiter der Kreiswasserwacht München. „Da können sie noch so schön aussehen.“

Das belegen zwei Vorfälle von Samstag. Auf der Loisach bei Farchant im Kreis Garmisch-Partenkirchen konnten zwei Schlauchboote einem quer liegenden Baum nicht mehr ausweichen und kenterten – drei Personen kamen nur unterkühlt aus dem Wasser. Am Ickinger Wehr (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) kenterte das Kajak eines Vaters und seiner vier Kinder; auch die Kinder waren stark unterkühlt. Vermutlich hatte der Vater die starke Strömung unterschätzt.

Viele unterschätzen die Risiken, sagt Brettner. „Eigentlich hätte am Wochenende niemand auf Isar und Loisach unterwegs sein dürfen.“ Denn durch den Regen der vergangenen Woche sind beide Flüsse angeschwollen. Mehr Wasser bedeutet: stärkere Strömung. Die wühlt den Untergrund auf, macht das Wasser trüb und lässt so Hindernisse wie Steine oder Holz unsichtbar werden. Außerdem macht sie das Fahren für Amateure unkontrollierbar und zieht allerhand Gegenstände ins Flussbecken, so wie den Baum auf der Loisach.

Verena, 17, saß in einem der beiden Boote, die am Samstag bei Farchant verunglückten. Sie sagt: „Wir stehen noch immer unter Schock.“

Die Gruppe, 39 Personen, hatte sich ihre Rafting-Boote bei einem professionellen Verleih besorgt. Zwar waren sie ohne Führer unterwegs. Aber auch der, sagt Brettner, bietet bei solchen Wasser-Verhältnissen keine 100-prozentige Sicherheit. Verena, die nur ihren Vornamen in der Zeitung lesen möchte, war in einem der Boote. Schon beim Start in Farchant habe man die starke Strömung gemerkt, sagte die 17-Jährige aus Stetten (Kreis Dachau) unserer Zeitung. 15 Minuten später sei ihr Boot an einem Stein hängen geblieben und dadurch nach rechts gelenkt worden. Gegensteuern war wegen der starken Strömung nicht möglich, hinter einer Kurve krachten sie dann in den massiven Stamm. Ihr Boot kenterte, das Nachfolgende fuhr in sie hinein. Verena sagt: „Ich hab’ Todesangst bekommen.“

Schwerer verletzt wurde niemand. Ein Glück, denn Wasserwacht und DLRG wissen, dass solche Situationen auch tödlich ausgehen können. Sie bemerken vermehrt, dass sich Menschen allzu leichtfertig in Gefahr begeben. Ein Teil des Problems ist die oft schlechte Ausrüstung. Viele seien mit billigen Booten aus dem Discounter unterwegs, sagt Bernhard Link, 47, Leiter der DLRG Schäftlarn Wolfratshausen. Häufig tragen sie keine Schutzkleidung. „Es gibt keine Pflicht dazu“, sagt Link. In Verenas Boot trugen sie Schutzwesten.

Auch die vier Kinder, die in der Isar kenterten, waren ausgerüstet. Das Problem lag in ihrem Fall an anderer Stelle: Der Vater war möglicherweise alkoholisiert. Das jedenfalls gaben die Einsatzkräfte der Wasserwacht an. Ingo Roeske, 48, Leiter der Kreiswasserwacht Bad Tölz-Wolfratshausen, würde das nicht wundern. Auch das ist Teil des Problems: Immer mehr Menschen machen Isar und Co. zur Feierfläche, laden ihre Boote mit Bier voll und lassen es auf dem Wasser krachen. „Was uns beschäftigt, sind diese Freizeitkapitäne, die mit Schlauchbooten und Bier aus München hierher kommen“, sagt er. Das sei jedenfalls nicht unüblich.

Das führt zu allerlei Problemen. Wer getrunken hat, ist weniger reaktionsfähig und kann auf Schwierigkeiten nur langsam reagieren. Außerdem kühlt ein alkoholisierter Körper im Wasser schneller aus. Und auch so manche Dummheit bleibt nicht aus. Vor einiger Zeit, erzählt DLRG-Mann Link, sei mal ein junger Mann vom Schlauchboot ins Wasser gesprungen. Er hatte stark getrunken. Sein Pech: Das Wasser war nur 50 Zentimeter tief.

Fahrverbote bei leichtem Hochwasser halten die Lebensretter nicht für zielführend. „Aber die grundsätzlichen Regeln des Anstands sollten schon beachtet werden“, sagt Ingo Roeske.

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