Kriegsverbrecher-Prozess

Italienische Zeugen sagen per Video aus

München - Der Prozess um den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Josef S. (90) aus Ottobrunn (Landkreis München) wird voraussichtlich noch einige Wochen andauern.

Das Schwurgericht München I hat vorsorglich bis Weihnachten zehn weitere Verhandlungstage terminiert. Hauptgrund für die lange Verfahrensdauer ist der wiederholte Ausfall von Zeugen, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters erkranken.

Auch am gestrigen Prozesstag hätte ein wichtiger Zeuge auftreten sollen. Er musste aber krankheitsbedingt absagen. Das Gericht verlas daraufhin die polizeilichen Aussagen von Männern, die im Laufe des Ermittlungsverfahrens verstorben waren.

Die Zeugen hatten allesamt dem Gebirgspionierbataillon 818 angehört. Den Kompaniechef Josef S. hatten die Befragten aber nur namentlich beziehungsweise gar nicht gekannt. Zum Tötungsvorwurf konnten die Männer überhaupt nichts beitragen. Erinnerungen hatten Zeugen kurioserweise nur an den Kompanie-Koch.

Wie mehrfach berichtet, soll der Angeklagte Josef S. im Juni 1944 den Befehl gegeben haben, im toskanischen Falzano di Cortona ein Haus zu sprengen, in welches zuvor elf Zivilisten hineingetrieben worden waren. Die Aktion galt als Racheakt für einen zuvor verübten Partisanen-Angriff, bei dem zwei Soldaten getötet worden waren. Auch die Namen der beiden gefallenen Kameraden waren den Zeugen fremd. Von einem Vergeltungsschlag hatten sie nichts gewusst.

Im November soll das Verfahren mit der Videovernehmung von vier Augenzeugen aus Italien fortgesetzt werden. Die hoch betagten Männer sind nicht mehr reisefähig, wollen aber ihre Anhörung in Italien direkt in den Münchner Schwurgerichtssaal übertragen lassen. Damit wird Richtern, Staatsanwaltschaft und Verteidigern die Möglichkeit gegeben, direkt Fragen an die Zeugen zu richten.

Eine Dolmetscherin aus München hatte mit den Italienern telefoniert und gab vor dem Schwurgericht die Bereitschaft der Männer bekannt. Bislang war nur ein italienischer Zeuge nach München gereist. Dabei handelte es sich um den einzigen Überlebenden des Massakers.

Angela Walser

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