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Teure Idylle: Jagdpächter müssen eine Pflichtversicherung abschließen. Das ist nicht neu, allerdings sind die Beiträge stark gestiegen. Nun stellen die Jäger das ganze System in Frage.

Ärger um Pflichtversicherung 

Jäger proben den Aufstand

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München  - Die Kosten steigen, aber die Leistung bleibt gleich. Dem Bayerischen Jagdverband passt das nicht. Am liebsten würde er die teure Pflichtversicherung für Jagdpächter ganz abschaffen – dafür sammelt er jetzt Unterschriften.

Die Sache ist verzwickt – also greift Joachim Reddemann zu einem Vergleich: Motorradfahrer gehören für den Geschäftsführer des Bayerischen Jagdverbands (BJV) zu einer „gefahrengeneigten Gruppe“, ganz im Gegensatz zu den „Hobby-Jägern“, die ihre Reviere durchstreifen. Doch während die Biker keine Berufsgenossenschaftliche Versicherung abschließen müssen, ist die Versicherung für die Jagdpächter ein Zwang.

Deshalb startet der BJV eine bundesweite Kampagne gegen die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Das Ziel ist klar: Die Pflichtversicherung für den Bereich Jagd soll fallen. Den Rücken stärken ihnen die Kollegen vom Bundesverband.

Reddemann und seine Kollegen haben vor allem ein Problem mit den Kosten: Sie müssen tiefer in die Tasche greifen als früher, obwohl die Leistung gleich bleibt. Außerdem haben sie keine Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Die Erhöhungen hängen mit der bundesweiten Vereinheitlichung der Beiträge zusammen. Zum Teil sind die Kosten um 260 Prozent gestiegen.

Ein Beispiel: Für ein Revier im niederbayerischen Bayerbach mit 1400 Hektar Fläche muss der Pächter statt 249,75 Euro nun 610,65 Euro hinblättern – das entspricht einem Kostenplus von 144,5 Prozent. „Das ist eine gewaltige Steigerung, der keine Mehrleistung gegenüber steht“, kritisiert Reddemann.

Grund dafür ist die neue Bemessungsgrundlage, die nach der Zusammenlegung der zuvor selbstständigen regionalen Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften entstanden ist. Heißt: Der Beitrag wird nicht mehr nach dem Jagdwert des Reviers, sondern nach der Jagdfläche berechnet. Gewinner der neuen Regelung sind Inhaber von Revieren, die einen hohen Jagdwert und eine geringe Jagdfläche haben. Die SVLFG favorisiert dieses System im Vergleich zu anderen. „Mit den einheitlichen Beiträgen werden Wettbewerbsverzerrungen vermieden“, sagt Hartmut Fanck, der den Beitragsbereich leitet.

Bei solchen Aussagen platzt Reddemann der Kragen. Er findet: Das System verzerrt das Bild des Jägers. Laut Sozialgesetzbuch wird ein Jagdpächter nämlich als Unternehmer eingestuft – im Steuerrecht aber nicht. Für Reddemann ist der Fall klar: „Das passt nicht zusammen.“ Auch BJV-Präsident Jürgen Vocke betont: „Die privaten Revierinhaber sind in ihrer jagdlichen Tätigkeit keine Unternehmer mit wirtschaftlicher Zielsetzung.“

Darum hat der Verband ein klares Ziel: Die Pflichtversicherung muss weg. 4000 Unterschriften von der Basis liegen dem BJV vor. Mittlerweile hat selbst der Bayerische Landtag reagiert und die Landesregierung um Stellungnahme gebeten. Auch der Deutsche Jagdrechtstag hat Reddemann zufolge die Bedenken geteilt und eine Resolution verabschiedet, mit der Empfehlung, die Jagd aus dem Sozialgesetzbuch zu streichen.

Die Gegenseite sieht das anders. Wie die SVLFG mitteilt, sei es in der ständigen Rechtsprechung der Sozialgerichte unstrittig, dass Jagdpächter und Eigenjagdbesitzer die Unfallversicherung abschließen müssen. Der Gesetzgeber sehe ein besonderes Schutzbedürfnis, weil die Aufgaben ein hohes Unfallrisiko mit sich brächten. Jagd als Hobby, dieses Argument zählt nicht.

Manuela Schauer

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