Rätseln über Tathergang

Jäger tötet Freund: Der unfassbare Todesschuss

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Neuburg-Schrobenhausen - Sie waren beste Spezl, die zwei Tiroler. Beide verbunden durch ein Hobby – die Jagd. Am Freitag vor zwei Wochen kam es zu einer unfassbaren Tragödie.

Am Freitag vor zwei Wochen fuhren sie in den Kreis Neuburg-Schrobenhausen, um auf Wildschweine anzusetzen. Doch es gab ein schreckliches Unglück – der 45-jährige Mechaniker Hannes G. wurde erschossen, sein Freund, der mutmaßliche Schütze (68), befindet sich auf eigenen Wunsch hin in der Psychiatrie.

Was war nur passiert auf dem Feld bei Leidling, das zum Markt Burgheim gehört? Derzeit versucht die Kripo Ingolstadt die Geschehnisse zu rekonstruieren. Soweit steht bislang fest: „Wenn man es nachstellen wollte“, so ein Kriminaler zum Donaukurier, „würde der Schuss kaum gelingen.“ Die Chance? „Eins zu einer Millionen.“

Der Revierpächter – ein Augsburger – hatte die Freunde eingeladen, bei ihm zu jagen, weil offenbar die Bauern darauf drängten. Sie befürchteten Flurschäden. In der ersten Nacht wurde ein junges Wildschwein erlegt, Keiler und Bachen genießen Schonzeit.

In der Nacht auf vergangenen Montag sollte mehr Beute hinzukommen. Um 0.30 Uhr bezogen die Freunde ihre Ansitze – der ältere in einem grünen Bauwagen am Waldrand, der jüngere in einer Art Kanzel, gut 300 Meter vom Bauwagen entfernt auf freiem Feld. Sie wussten also, wo sich der jeweils andere aufhielt. Der Bauwagen hat ein winziges Fenster – aus diesem kam der tödliche Schuss. Laut Auskunft des 68-Jährigen, der übrigens völlig nüchtern gewesen war, soll dies gegen 3 Uhr passiert sein. Er hatte auf ein Wildschwein gezielt.

Morgens um 7.15 Uhr verließ er seinen Bauwagen und fand in dem Unterstand seinen Freund. Der sei leblos gewesen, zwei Gewehre standen in der Ecke. Er habe zunächst an einen Herzinfarkt gedacht. Die herbeigerufene Rettung konnte nicht mehr helfen. Erst bei der Bergung wurde die Todesursache offenbar: Bauchschuss. Der Tiroler war wohl qualvoll verblutet.

Diese Erkenntnis brachte den Schützen zum Verzweifeln. Dem Zusammenbruch nahe, ließ er sich in die Psychiatrie bringen. In der Münchner Rechtsmedizin wurde der Schuss aus großer Distanz laut Donaukurier bestätigt. Geschoss und Gewehr passten zudem zusammen.

Wo aber drang die Kugel in der Kanzel ein? Ein Loch fehlt in der Bretterwand, aus Sicht des Schützen ergab sich nur eine kleine Öffnung. Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walter sagte dazu: „Wie gehen davon aus, dass die Kugel durch den vorderen Ausguck eingedrungen ist.“ Er nannte den tödlichen Vorfall, in dem er wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, einen „üblen Zufall“.

Was sich auf dem Feld ereignet hatte, beschäftigt die gesamte Jägerschaft im Kreis Neuburg-Schrobenhausen. Alle eint eine Frage: Wie kann nur so viel auf einmal schieflaufen? „Einfach unfassbar!“

mc

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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