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Schlossherr Müller-Elmau zieht Gipfel-Bilanz: „Vielleicht bin ich in 20 Jahren stolz, jetzt ist es noch zu früh.“

Besuch auf Schloss Elmau

Ein Jahr G7: Wie der Gipfel Geschichte schrieb

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Elmau - Vor einem Jahr kamen die Mächtigen der Welt zum G7-Gipfel nach Oberbayern. Wie hat das das Schloss Elmau verändert? Zu Besuch beim Herrn des Hauses.

Im Keller stehen sie noch, dort, wo Hotelgäste ein Radl ausleihen können, um über die Buckel und Hügel rund um Schloss Elmau zu strampeln. Angela Merkel und Barack Obama. Die Kanzlerin und der US-Präsident wünschen viel Spaß bei der Fahrradtour, so steht es auf den Schildern, die die Pappfiguren halten. Es ist nicht der glamouröseste Ort in dem Fünf-Sterne-Hotel bei Krün. Aber hier zeigt sich: Das Schloss ist G7-Gipfel-Hotel, in jedem Winkel. Für alle Zeiten.

Ein "wunderbarer Zufall“

Weltberühmtes Motiv: Merkel und Obama auf der Bank.

Hausherr Dietmar Müller-Elmau, Jahrgang 1954, sitzt auf der Schloss-Terrasse und trinkt grünen Tee. Gerade kam er aus dem Urlaub zurück, sein erster seit zwei Jahren. Eine Woche Ibiza mit Frau und Kindern, ein Hotel mit Blick auf Berge und Meer. Jetzt schaut er in Richtung „Retreat“, sein Neubau, in den die G7-Staatschefs vor einem Jahr eingezogen sind. Eine Merkel-Suite oder den Obama-Flügel, quasi als Gipfel-Erbe, gibt es nicht – das würde nicht passen. Aber man hat das Gefühl, Müller-Elmau würde gerne einige Dinge geraderücken, die ihm der Gipfel eingebrockt hat.

Das Gebäude hinter dem Schloss, sagt er, wurde für das Treffen gerade rechtzeitig fertig. „Ein Geschenk“, ein „wunderbarer Zufall“. Denn das Genehmigungsverfahren habe acht Jahre gedauert. Er betont das, weil es oft heißt: Der hat sich da droben für den Gipfel ein neues Hotel hinstellen lassen, auf Steuerzahlerkosten. Müller-Elmau winkt ab. „Wir haben hier in den letzten 12 Jahren über 100 Millionen Euro investiert“, sagt er. Zum Teil sein Privatvermögen, das er in seinem früheren Leben mit einer Hotel-Software verdient hat.

Bei Konzerten durfte nicht geklatscht werden

Seit einem Jahrhundert betreibt seine Familie das Schloss. Am Samstag ist Jubiläum: Vor 100 Jahren, mitten im Ersten Weltkrieg, war große Eröffnung mit Prinz Max von Baden, dem letzten Thronfolger des Großherzogtums Baden. Der Beginn einer einzigartigen Geschichte. Müller-Elmaus Großvater Johannes Müller richtete hier einen verschrobenen Rückzugsort für Schriftsteller, Esoteriker, Theologen, Philosophen und Musiker ein. Ein bisserl gspinnert war das schon: Bei Konzerten durfte nicht geklatscht werden, es gab gemeinsame Mahlzeiten mit einer festgelegten Sitzordnung, die täglich wechselte. Höhere Töchter machten die Arbeit, es gab weder Tischdecken noch Servietten, die Gäste holten sich das Essen selbst. Die Besucher sollten sich frei machen, sich mit Blick auf das Wettersteinmassiv erholen. „Mein Großvater suchte Zuflucht in der heilen Welt der Natur“, sagt der Enkel.

Der Berg ist noch da, aber mit den Ideen seines Großvaters hat der Luxus, den die Gäste heute erleben, nichts mehr zu tun. Als Dietmar Müller-Elmau das Schloss 1997 übernahm und vor dem finanziellen Ruin rettete, schaffte er erst die skurrilen Regeln ab. Er zersägte auch die langen Tafeln – er wollte, dass seine Gäste Urlaub machen und nicht zur Selbsterfahrung gezwungen werden. Und er baute das Hotel nach einem Brand 2005 neu auf.

Eines Tages rief der Protokollchef an

Johannes Müller (links, mit Ehefrau Irene Sattler, deren Bruder das Gebäude entwarf), eröffnete vor 100 Jahren das Schloss Elmau.

Um den Gipfel habe er sich nicht beworben, sagt er. Im Gegenteil: „Zuerst habe ich die Anfrage von einem Bekannten, der Mittelsmann für die Bundesregierung war, abgelehnt – weil ich nicht wusste, um welche Veranstaltung es geht. Das war geheim“, erzählt er. Eines Tages rief der Protokollchef an, dass die Kanzlerin darauf bestehe, dass er sich das Schloss dennoch anschaut. Und so kam die Welt über die kleine Mautstraße nach Elmau. Heute sagt Müller-Elmau: „Am liebsten würde ich den Gipfel jedes Jahr ausrichten.“

Ernst kann er das nicht meinen. Viele seiner Gäste kommen, weil sie vor Rummel und Medien flüchten. Kurz nach dem Gipfel kamen Touristen busweise, um die berühmte Merkel-Obama-Bank zu besichtigen. „Ich dachte, das bricht uns das Genick“, sagt Müller-Elmau. Er ließ ein Duplikat bauen, das unten an der Straße steht. Ein Denkmal zum Draufhocken.

Der Gipfel, der die Schloss-Geschichte neu geschrieben hat, machte aus ihm eine Reizfigur, vor allem für Naturschützer, die um Flora und Fauna bangten. Müller-Elmau sagt: „Die sehen jetzt, dass wie geplant überhaupt nichts beschädigt wurde.“ Und dann zählt er auf, wie die Region von Schloss und Gipfel profitiert. 330 Arbeitsplätze, Aufträge für Handwerker, weltweite Bekanntheit.

Ein Chalet-Dorf ist geplant

Immer mal wieder taucht das Gerücht auf, Müller-Elmau habe Geldsorgen. „Absurd“, sagt er. Seine finanzielle Situation sei „grundsolide“. Klar: Wie im vergangenen Jahr, in dem das Hotel so gut belegt war wie noch nie, werde es in Zukunft nicht immer laufen. Trotzdem plant er weitere Investitionen: ein Chalet-Dorf. Kritik gibt es auch, aber das wundert den Hotelier nicht mehr. Auch das ist Teil der Geschichte von Schloss Elmau. Und sie geht weiter.

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