"Autobomber" muss 15 Jahre hinter Gitter

München - Als er von der Polizei umzingelt war, sprengte er mit Campinggas sein Fluchtfahrzeug in die Luft - mehrere Beamte wurden dadurch gefährdet. Nun muss der Räuber, der damals selbst zum Pflegefall wurde, 15 Jahre in Haft.

Der sogenannte Autobomber ist am Donnerstag vom Münchner Landgericht wegen versuchten Totschlags an fünf Polizisten sowie einer Serie von 13 Raubüberfällen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der 50 Jahre alte ehemalige Manager wurde auch der Körperverletzung schuldig gesprochen. Er hat bei Überfällen auf Einkaufscenter, Optikerläden und zuletzt eine Bank im Raum Augsburg insgesamt etwa 40 000 Euro erbeutet. Bei der Flucht jagte der Räuber im August 2010 seinen Kleinbus in Selbstmordabsicht in die Luft - die neben dem Transporter stehenden Polizisten wurden verletzt.

Die Anklage war von Mordversuch in sieben Fällen ausgegangen. Laut Urteil hat der Angeklagte aber zwei Beamte hinter dem Fluchtfahrzeug möglicherweise nicht wahrgenommen. Verteidiger Karl-Heinz Seidl, der auf eine milde Strafe nur wegen Körperverletzung plädiert hatte, kündigte Revision gegen das Urteil an.

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt die Raubüberfälle gestanden. Hinsichtlich der Explosion sagte er allerdings, dass er beim Anzünden des Propangases nur an einen Brand gedacht habe und niemanden verletzen oder gar töten wollte. „Es ist allgemein bekannt, dass die Entzündung eines Gasgemischs zu einer Explosion führt, die umstehende Personen gefährdet“, wies der Kammervorsitzende Michael Höhne diese Darstellung zurück. Der Angeklagte suche die Schuld immer bei anderen, rügte der Richter. In einem Schreiben habe er die Beamten auch noch verhöhnt und ihre Verletzungen mit einem Sonnenbrand verglichen.

Bei der Explosion hat der 50-Jährige selbst schwerste Verletzungen erlitten. Seine Haut war zu 30 Prozent verbrannt. Er hat über ein Dutzend Operationen hinter sich und wird zeitlebens ein Pflegefall sein. Nur aus diesem Grund bleibt ihm die Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Strafe erspart. Der psychiatrische Sachverständige hatte dem Angeklagten eine „grundsätzliche Gefährlichkeit“ bescheinigt, die aber durch den Gesundheitszustand nicht mehr so bedrohlich sei.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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