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Unverzichtbares Beiwerk der Bayern-Hymne: die passende Fahne.

150 Jahre Hymne: Der königskritische Bayern-Hit

München - "Gott mit Dir, Du Land der Bayern!" Die Bayernhymne wird 150 Jahre alt. Hier erfahren Sie alles über unsere weiß-blaue Nationalhymne.

Zum 150. Geburtstag neue Töne zur Bayernhymne: Ihr wohnte einst ein königskritischer, ja subversiver Unterton inne. Und noch eins: „Heimaterde“ statt „deutsche Erde“ in der 1. Strophe geht gar nicht – der Erschaffer wollte es so.

Unter desem Link können Sie die Bayernhymne hören.

Könnte Konrad Max Kunz Gema-Gebühren kassieren, wäre er steinreich. Tagtäglich beendet der BR das TV-Programm mit seiner Bayernhymne. Zahllose Politiker intonieren das Lied mit Inbrunst auf Volksfesten und in Biersälen, ja vielleicht hätte auch die Biermösl Blosn seinerzeit für ihre hinterfotzige Abwandlung „Gott mit Dir, du Land der Baywa“ ihren Tribut leisten müssen.

Der Komponist

Nun denn: Komponist Kunz ist seit 1875 tot, seine Hymne aber lebt. Soeben hat der Journalist Thomas Göttinger in einer kundigen Schrift zum 150. Geburtstag von „Bayerns größtem Hit“ (so der Buchtitel; für 12,90 Euro im Buchhandel) die Geschichte recherchiert. Heraus kam: Die Hymne hat fast revolutionären, zumindest aber königskritischen Charakter. Oha!

Der Komponist: K. M. Kunz.

Kunz stammte aus einfachen Verhältnissen, sein Vater war Türmer in Schwandorf, zum Aufgabenspektrum gehörte das Alarmschlagen bei einem Feuer und das Anblasen bei allerlei Feiertagen. Ein öder Job. Der Filius sollte es besser haben, er kam auf die philosophisch-theologische Hochschule. Latein lernte er, Altgriechisch und Hebräisch, die Leidenschaft galt aber der Musik. Erst schlug er sich als Klavierlehrer durch, 1845 aber wurde er Dirigent der Königlichen Oper in München. Klingt gut, war aber eher ein Hilfsjob für den vorgesetzten Herrn Kapellmeister. Trotzdem arbeitete er sogar mit Richard Wagner zusammen. Kunz engagierte sich auch als Chorleiter bei der Bürger-Sänger-Zunft in München, eine Vereinigung stolzer Handwerker (auch Pschorrs und Develeys sind hier zu finden). Ein Engagement mit Folgen.

Die Liedertafel war weit mehr als ein Männergesangsverein, nämlich ein Hort kritisch-loyaler Bürger, die nach Niederschlagung der Revolution 1848 König Maximilian II. neoabsolutistischer Tendenzen verdächtigten. Sie pochten auf die Bewahrung bürgerlicher Rechte (Presse- und Versammlungsfreiheit, mehr Rechte für die Volksvertretung). „Dieser Aspekt wird oft vergessen“, sagt Göttinger. Der Chefarchivar der Sänger-Zunft, Johannes Timmermann, fand 2004 sogar eine Akte, in der ein Polizeispitzel „gefährliche demokratische Umtriebe“ der Sänger petzte.

90 Vorschläge für Hymne sind erhalten

Kunz aber hatte gar nicht mitgemacht. Er suchte indes nach einem Zunftlied für seine Liedertafel. 1860 vertonte er ein kurz zuvor entstandenes Gedicht des Lehrers Michael Öchsner, der wegen kritischer Artikel in einer Lehrerzeitung nahe an der Entlassung vorbeigeschrammt war. „Ein derart kritischer Geist als Dichter des bayerischen Nationalliedes? Undenkbar!“, schildert Autor Göttinger die damalige Situation. Dennoch setzte sich das am 15. Dezember 1860 am Platzl in München erstmals gesungene Lied rasch durch. Ein Jahr später spitzte Öchsner die 3. Strophe königskritisch zu: Statt „Gott erhalte uns den Herrscher“ hieß es jetzt „Denn mit seinem Volk in Frieden wahrt er dessen heilig Recht“. Göttinger interpretiert das so: „Im Kern steckt da eine knallharte politische Botschaft drin“ – nämlich der Appell an Max II., die Rechte der Bürger zu respektieren.

Das Lied, in G-Dur: In der 1. Strophe ist die strittige Passage „deutsche Erde“ enthalten.

In diesem Sinne ist auch die Debatte um die „deutsche Erde“ in der 1. Strophe zu sehen. Die bürgerlichen Chorsänger trachteten nämlich in Abgrenzung von königlich-bayerischer Eigenbrödelei nach einer „Einigung des deutschen Vaterlandes“, wie es damals hieß. Sie waren gewissermaßen Schrittmacher der deutschen Einigung von 1871. Deshalb heißt es in der 1. Strophe auch bewusst „deutsche Erde, Vaterland“, und nicht etwa „Heimaterde“, wie es sehr viel später auf Anregung der Bayernpartei ein Dichter empfahl. „Ich würde es auch bei deutsche Erde belassen“, sagt Göttinger.

Das ist also eine klare Absage an Papst Benedikt, Thomas Goppel und den Triebel Hans aus Gotzing, die ja auf die „Heimaterde“ schwören. Franz Josef Strauß aber, der 1980 die Fassung von Kunz als Bekanntmachung quasi amtlich machte, hat also doch recht gehabt. Nix für unguat!

Von Dirk Walter

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