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Übernachten in der Burg: 1955 erwarb der Landkreis München die Burg Schwaneck und übergab sie dem Kreisjugendring. Damit ist die Jugendherberge über 50 Jahre alt.

100 Jahre Jugendherberge: Die Idee kam bei Blitz und Donner

In einer Gewitternacht vor 100 Jahren wurde die Idee der Jugendherberge geboren. Es begann mit nassen Kleidern – und endete als weltweiter Exportschlager. Moderne Herbergen sind kaum noch mit ihren Vorfahren zu vergleichen. Doch Eines wird sich nie ändern...

„Ja“, sagt Katharina Eimansberger und lacht, „die Buben schleichen nachts noch immer in die Zimmer der Mädchen.“ Auch die altbewährten Etagenbetten haben die Zeitenwende überstanden, hier in der Jugendherberge Burg Schwaneck in Pullach (Kreis München). Doch sonst erinnert kaum noch etwas an die kargen Unterkünfte aus einem anderen Jahrhundert:

Alles begann in der Nacht zum 26. August vor 100 Jahren. Richard Schirrmann, Ostpreuße und Lehrer aus Tradition, unternahm häufig Wanderungen mit seinen Schülern. Auf einer jener Reisen kam die Gruppe in der ersten Nacht in einer Scheune unter, wo ein Bauer sie mit Decken und Milch versorgte. In der zweiten Nacht, es braute sich gerade ein Gewitter zusammen, baten sie erneut einen Bauern um Obdach. Der jedoch blieb hart, gab ihnen ein wenig Stroh und schickte sie fort. Schließlich schliefen die Kinder in einer leeren Dorfschule. „Das Unwetter tobte mit Blitz und Donnerschlag, mit Sturm und Wolkenbruch, als wenn die Welt untergehen sollte“, hielt Schirrmann seine Erinnerungen fest. „Während die wandermüden Jungen fest schliefen, lag ich hellwach.“ Da kam ihm die Idee: Wie praktisch wären doch Herbergen, die in ganz Deutschland verteilt wären?

„Jede Lagerstatt besteht aus einem straff mit Stroh gestopften Sack und Kopfpolster, zwei Betttüchern und einer Wolldecke“ – so stellte sich der passionierte Wanderer die Herbergen damals vor. „Jedes Kind wird angehalten, seine Lagerstatt wieder fein säuberlich in Ordnung zu bringen.“

100 Jahre später zuckt Doris Knoll mit ihren Schultern: „Wir müssen anschließend sowieso nachputzen.“ Früher, das weiß die stellvertretende Leiterin der Jugendherberge in Pullach, früher habe es das noch gegeben, dass die Gäste ihre Zimmer selbst putzten. Doch diese Zeiten seien vorbei. „Das mit der Hygiene, das hat sich in 100 Jahren sehr, sehr gewandelt.“ Heute hat sogar jedes der 33 Zimmer in der ehrwürdigen Burg Schwaneck sein eigenes Bad. „Die berühmt berüchtigten Waschsäle, die gibt es nicht mehr“, sagt Knoll und schüttelt leicht angewidert den Kopf.

Die 49-Jährige nennt es „den Zug der Zeit“. Die Ansprüche hätten sich eben verändert – und mit ihnen das Publikum. Noch immer machen Schulklassen das Gros der Übernachtungen aus. Doch längst gehören auch Familien oder sogar Geschäftsleute zum Kundenkreis. Einzelwanderer, Hauswirtschaftsleiterin Eimansberger nennt sie „Ewis“, gebe es immer weniger. Fast alle Gäste wollen heutzutage verpflegt werden. Eine Selbsversorger-Küche gebe es zwar, werde aber fast nie genutzt – man lässt sich lieber bedienen. Das war nicht immer so.

„Ich erinnere mich noch genau an einen ausgeflippten Schotten, der jeden Abend total besoffen war, aber morgens immer pünktlich zum Dienst erschien“, berichtet Rezeptionistin Helga Lagha von einer Zeit, als Reisende noch für Kost und Logis arbeiten konnten. Heute geht das nicht mehr, „wegen des Arbeitsrechts“, sagt Knoll ein wenig traurig.

Die meisten „Ewis“ sind weg, dafür gibt es jetzt separate Toiletten und Internet-Anschluss. Trotzdem hat sich nicht alles verändert. Die Etagenbetten müssen noch immer selbst bezogen werden, es gibt noch immer Zehnbettzimmer in der Burg. Und das mit dem nächtlichen Umzug der Buben zu den Mädchen, das ist genau wie früher.

Von Thomas Schmidt

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