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Der Sylvensteinspeicher im Isarwinkel.

50 Jahre Sylvensteinspeicher: Ein See gegen Hochwasser

Ein 125 Millionen Kubikmeter fassendes Bollwerk für Hochwasserschutz und einen konstanten Wasserspiegel der Isar: Der Sylvensteinspeicher ging vor 50 Jahren erfolgreich in Betrieb. Schon zweimal hat er das Isartal vor einer Überflutungskatastrophe bewahrt. Aber den alten Ort Fall gibt es nicht mehr.

Wenn Umweltminister Markus Söder zur heutigen Festveranstaltung kommt, wird er mit einem Boot durch das türkis-blaue Wasser schippern. Er wird vom See aus das grandiose Alpenpanorama betrachten, das jedes Jahr zahlreiche Erholungssuchende an den Sylvensteinspeicher lockt. Der fjordartige See, der sich so natürlich in die Berglandschaft einfügt, sieht aus wie ein Relikt aus der Eiszeit. Ist er aber nicht. Der See im Isarwinkel südlich von Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) wurde von 1954 bis 1959 für den Hochwasserschutz im Isartal gebaut.

50 Jahre Sylvensteinspeicher

50 Jahre Damm am Sylvensteinspeicher

Schon zweimal hat der Sylvensteinspeicher der Region gute Dienste geleistet. Ohne ihn wäre beim verheerenden Pfingsthochwasser vor zehn Jahren die Stadt Bad Tölz zur Lagunenstadt geworden, waren sich die Experten damals einig. Und auch beim Augusthochwasser 2005 hat der Stausee München vor Milliardenschäden bewahrt, sagt Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Der See staut neben der Isar auch deren Seitenflüsse Dürrach und Walchen auf. In Trockenzeiten verhindert er, dass der Pegelstand der Isar zu niedrig wird, damit Heizkraftwerke und Kläranlagenbetriebe genügend Wasser haben.

Das Gebiet um den Stausee ist naturschutzrechtlich geschützt. Rund um den See tummeln sich Schlangen, Fledermäuse, seltene Vogelarten und im Wasser Fischarten wie Seeforelle und Hechte. Sie schwimmen dort, wo sich heute noch die Reste des Dorfes Fall befinden. Während des Baus des Sylvensteinspeichers wurden die Häuser abgerissen. Die Bewohner wurden zwangsumgesiedelt und fanden ihre neue Heimat ein paar Kilometer südlicher, im neuen Dorf Neu-Fall. Aller Widerstand hatte nichts geholfen. Das alte traditionsreiche Dorf war mit der Flutung ein für alle mal verschwunden. Als die Umsiedlung begann, war Heinz Tretter acht Jahre – zu jung, um die Stimmung unter den Bewohnern mitbekommen zu haben. „Man ist halt mit seinen Eltern mitgegangen“, berichtet er. Das ganze Geschehen, als die Baumaschinen anrückten, hat er mit großem Interesse verfolgt. Noch heute wohnt er in Neu-Fall und hat im vergangenen Jahr die 50-jährige Jubiläumsfeier des Ortes organisiert.

Erinnerungen an das versunkene Fall

Anton Böhm war 32 Jahre, als das Schicksal von Fall besiegelt wurde. Die Menschen haben den Abriss ihrer Häuser mit Schwermut erlebt, erinnert sich Böhm. Er war damals Forstmeister in Fall. Das neue Dorf habe zwar viele Wohnungen geboten, aber es sei doch irgendwie „ein Fremdkörper gewesen“. Nur ein Haus durfte länger stehen bleiben als alle anderen. Weil seine Wohnung im neuen Dorf noch nicht bezugsfertig war, durfte ein Waldarbeiter den Winter noch im höchstgelegenen Haus in Fall verbringen, dem Forsthaus. Doch als ein „wahnsinniger Regenguss“ kam und das Wasser bis zum ersten Stock stand, musste auch dieser Bewohner ausziehen. Das Forsthaus wurde wie alle anderen Häuser gesprengt. Böhm hat zwei Bücher über das versunkene Fall geschrieben, damit die Erinnerungen an das Dorf nicht auch irgendwann einmal verschwunden sind.

Nach der Fertigstellung des Stausees habe es einmal eine kritische Phase gegeben. Ein Gerücht kam auf, der Damm sei nicht dicht. „Das gab eine Riesen-Aufregung“, sagt Böhm. Viele Schaulustige zog es daraufhin zum Stausee. Doch am Gerücht war nie was dran. Genauso wenig wie an der Legende, dass der Turm der gefluteten Kirche ab und an aus dem See schauen soll und um Mitternacht die Glocken bimmeln. Auch wenn die Legende nicht stimmt, eine Faszination übt der Sylvensteinspeicher trotzdem aus.

Von Mieke Meimbresse

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