Jede dritte Hauptschule bedroht

München – Der Volksschullehrerverband BLLV warnt vor einem massiven Hauptschulsterben. In den nächsten zehn Jahren müssten allein in Oberbayern 93 der 311 Hauptschulen schließen, also fast jede dritte.

Bayernweit sind die Auswirkungen sinkender Schülerzahlen und eines geänderten Übertrittsverhaltens noch deutlicher: 37 Prozent der 1075 Hauptschulen im Freistaat seien akut von Schließung bedroht, sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Als Brennpunkte nannte er die Oberpfalz sowie Unter- und Oberfranken, wo sogar bis zu 50 Prozent der Schulen bedroht seien. Im Jahr 2030 könnten bayernweit mehr als 500 Schulen geschlossen sein, warnte Wenzel. Die Zahl der Hauptschulen wäre damit halbiert. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) erklärte, das BLLV-Szenario sei „nicht auf der Höhe der Zeit“, das Sterben der Realschule werde „kalt miteinkalkuliert“. Durch sein Mittelschul-Konzept könnten die Schulen auch weiter existieren, wenn sie bisher gültige Mindestschülerzahlen unterschritten.

Der BLLV hatte für alle Landkreise und kreisfreien Städte Prognosen errechnet. Demnach ist die Situation stellenweise noch dramatischer. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen etwa geht die Zahl der Siebtklässler demnach in den nächsten zehn Jahren um 45,4 Prozent zurück; im Landkreis Ebersberg beträgt der Rückgang 51,5 Prozent, im Landkreis München sogar fast 60 Prozent.

Allerdings geht der BLLV von einer weiter stark abnehmenden Übertrittsquote auf die Hauptschulen aus. Immer mehr Schüler bevorzugten nach der 4. Klasse Realschule und Gymnasium, rechtfertigte der BLLV-Chef die Prognose. Das Kultusministerium bezweifelt dies. So seien die Übertrittszahlen auf das Gymnasium zuletzt wieder leicht rückläufig.

Wenzel forderte Spaenle auf, wohnortnahe Konzepte zuzulassen. Das Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem sei „absurd“. Stattdessen müssten Fusionen von Haupt- und Realschule zulässig sein. Dies forderte am Dienstag auch die FDP.

dw

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