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Die ersten Krokusse blühen bereits

Was Sie wissen müssen

Jetzt kommt der Frühling!

München - Es ist soweit: An diesem Wochenende beginnt der meteorologische Frühling – nach einem Winter, der eigentlich keiner war. Aber: Fällt am Ende auch noch der Frühling aus? Ein paar gute Antworten.

Zuerst die schlechte Nachricht: Der meteorologische Frühling startet an diesem Samstag kühler – und das soll sich bis Mitte nächster Woche nicht ändern: viele Wolken, Niederschlag, böiger Wind, vielleicht sogar etwas Schneeregen, sagen die Wetterexperten. Jetzt die gute Nachricht: „Im Frühling herrscht Aufbruchstimmung. Wir fühlen uns aktiver und optimistischer“, sagt Psychologin Felicitas Heyne. Will heißen: Frühling ist auch das, was im Kopf passiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ende des – milden – Winters.

Warum war der Winter so mild?

Weil sich seit Monaten immer wieder Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik gebildet haben, die dann über Europa gezogen sind. „Die Folge war, dass mit einer Luftströmung aus Süd bis West ständig milde bis sehr milde Luft nach Bayern geführt wurde“, sagt Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Am Alpennordrand gab es zudem oft Föhn.“ Nach DWD-Angaben lag die Durchschnittstemperatur in Oberbayern für diesen Winter bei +2,6 Grad – normal sind -0,6 Grad. Vor allem der Februar war viel zu warm: gut 4 Grad über dem langjährigen Monatsmittel. Der milde Winter brachte auch viel Sonne nach Oberbayern – und viel Trockenheit. Allein in München wurden 302,6 Sonnenstunden gemessen; für gewöhnlich sind es 208,1. Dafür fielen hier deutlich weniger Schnee und Regen: 93,3 Liter pro Quadratmeter. „Normal wären 157,9 gewesen“, sagt Wünsche. Dennoch: „Der Winter 2006/07 war noch milder.“ Doch dieser Winter gilt immerhin als der viertwärmste seit dem Jahr 1881, dem Beginn der Messungen.

Wird der Frühling jetzt auch wärmer?

Das lässt sich nicht so einfach sagen, erklärt DWD-Experte Wünsche: „Ein Temperaturtrend ist bestenfalls für 15 Tage möglich.“ Josef Jägerhuber, passionierter Wetterbeobachter aus Starnberg, wird konkreter: Das Jahr 2014 werde eher kalt und feucht. Für April prognostiziert Jägerhuber aber laue Frühlingstage.

Was passiert mit Tieren und Pflanzen?

„Die ersten Frühlingsblüher blühen schon“, sagt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Vor allem Krokusse. Auch bei Bäumen würden Knospen sprießen. Die Vögel singen, balzen – und suchen nach Brutquartieren. „Viele Vogelarten, etwa Meisen und Stare, haben sich zu Paaren zusammengefunden und verschaffen sich einen Überblick über den Wohnungsmarkt“, erzählt Agrarbiologe Alf Pille vom LBV. Gartenbesitzer sollten ihre Nistkästen also schon jetzt aufhängen, durch den milden Winter geht heuer alles ein bisschen früher los. Das Besondere: „Die Vögel könnten es sogar schaffen, dieses Jahr eine Brut mehr durchzubringen als sonst“, sagt LBV-Experte Erlwein. Außer es werde nochmal kalt, dann würden die Jungvögel sterben. Ähnlich könnte es einigen Bienenvölkern ergehen. „Die sollten eigentlich im Winter brutfrei sein – nun haben aber die Königinnen selbst im Dezember oder Januar Eier gelegt“, erklärt Erlwein. Normal sei allerdings ein Brutbeginn ab März. „Das Wärmen der Brut oder das Ausfliegen kostet viel Energie.“ Zudem gestaltet sich die Nahrungssuche schwierig, denn trotz der Plusgrade gibt es nicht genug Blumenblüten.

Haben mehr Schädlinge überlebt?

Zecken und Schnecken in jedem Fall. Was die Mücken betrifft, da sind sich die Experten nicht ganz sicher. Erlwein vom LBV sagt: „Durch die warm-feuchten Temperaturen werden Mücken im Larvenstadium vermehrt von Pilzen befallen.“ Und das sei ihr sicherer Tod. Andererseits könnten sie sich durch steigende Temperaturen früher vermehren. „Ein milder Winter kommt ihnen entgegen“, sagt auch Professor Sven Klimpel, Experte für biologische Vielfalt. Insekten profitierten von den weniger streng abgegrenzten Jahreszeiten.

Wie sieht’s mit Kröten und Fröschen aus?

Runter vom Gas! Frösche, Kröten und Molche wandern schon. Ihr Winterschlaf ist etwas früher vorbei als sonst. Auch die Igel sind unterwegs und auf Nahrungssuche.

Wie reagieren Felder, Wiesen und Wälder?

„Wir hatten heuer kaum Frost – Wintergetreide wie Weizen und Roggen präsentieren sich sehr ordentlich“, sagt Johann Graf vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Die ersten Bestände würden bereits grünen und wachsen. Für Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben könne der fehlende Frost jedoch zum Problem werden: Die grobe Bodenstruktur erschwere den Pflanzen das Wachstum; Frost könnte die Erdklumpen in feine Krümel sprengen. Auch die Waldbauern plagen Sorgen. Grundsätzlich liegt die Hauptsaison für Holzfällerarbeiten zwischen September und März. Der fehlende Frost hat jedoch dazu geführt, dass gerade auf nassen Böden die Holzernte erschwert wird. „Maschinen, mit denen das Holz gerückt und abtransportiert wird, beschädigen mit ihrem Gewicht die Waldwege und Böden“, warnt BBV-Experte Johann Koch. Die Folge: Viele Waldbesitzer müssen mit dem Abtransport des Holzes warten. Und auch die Winzer haben mit den milden Temperaturen zu kämpfen: Die Eisweinernte ist fast vollständig ins Wasser gefallen. Denn eigentlich müssten die Trauben am Rebstock bei mindestens -7 Grad über mehrere Stunden durchfrieren; dabei kristallisiert ein Großteil des Wassers aus den Trauben und der Zuckergehalt steigt, so entsteht der süße Wein. Doch dafür war es heuer einfach zu warm.

Wir Menschen sind aktiver – wieso?

Die längeren und helleren Tage bremsen die Ausschüttung von Melatonin in der Zirbeldrüse im Gehirn. Gleichzeitig wird mehr von den Hormonen Serotonin und Dopamin produziert, die weiter stimmungsaufhellend und antriebssteigernd wirken. „Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen unserer Laune und dem Frühlingswetter gibt: Je mehr Zeit Versuchspersonen an sonnigen Tagen im Freien verbringen, desto besser ist ihre Stimmung“, sagt Psychologin Heyne. Besonders positiv in diesem Jahr: Die Frühjahrsmüdigkeit macht uns nicht so zu schaffen wie nach einem kälteren, dunkleren Winter. Auch das hängt mit den Hormonen zusammen. Denn heuer hat der Körper mehr von dem Glückshormon Serotonin bilden können als sonst. Durch diesen neuen Hormonhaushalt wird uns der Übergang von einer Jahreszeit in die nächste erleichtert, erklärt Professorin Angela Schuh, Expertin für medizinische Klimatologie an der LMU München. Und: Aus dem milden Winter gehen viele mit einem gestärkten Immunsystem heraus, die Anfälligkeit für Krankheiten sinkt – starke Kälte hätte das Gegenteil bewirkt.

Warum klagen so viele über Pollen?

Alle Heuschnupfen-Geplagten müssen in diesem Jahr etwas früher die Taschentücher bereithalten, denn die ersten Pollen der Frühblüher fliegen schon – bereits seit Januar. „Die Natur ist drei bis sechs Wochen zu früh dran, deshalb kommt es zu ersten allergischen Reaktionen“, sagt Thomas Aßmann vom Deutschen Hausärzteverband. Betroffene sollten sich nicht zu lange im Wald oder Park aufhalten, wo viele Pollen unterwegs sind. Ein Trostpflaster: Die Plage dauert trotzdem nicht länger.

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Wieso kann Frühling depressiv machen?

Es gibt tatsächlich so etwas wie eine Frühlingsdepression, und sie ist gar nicht selten: bis zu 60 Prozent aller Menschen in Deutschland – vor allem Frauen mit eher niedrigem Blutdruck und Ältere – fühlen sich zu dieser Jahreszeit müde, deprimiert, antriebslos. „Der Frühling verlangt durch seine oft heftigen Temperaturschwankungen von einem Tag auf den anderen dem Körper besonders viel Anpassungsleistung ab und belastet den Kreislauf“, erklärt Psychologin Heyne. Als wirksamstes Gegenmittel gelte körperliche Bewegung: Sie helfe dem vegetativen Nervensystem bei der Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Leider ist auch die Zahl der Suizide im späten Frühjahr so hoch wie sonst nie. Eine eindeutige Erklärung gibt es nicht. Aber: „Es könnte sein, dass sich zu dieser Jahreszeit, wo die Zeichen auf Neuanfang, Aktivität und Zuversicht stehen, gerade Depressive oder Ältere besonders vom Leben ausgeschlossen fühlen“, sagt Heyne. Zudem heißt es, dass mehr Menschen beim Frühjahrsputz sterben als bei Autounfällen.

Warum duftet es noch nach Winter?

In der Parfümeurs-Nase duftet der Frühling leicht und frisch. Doch wer die laue frühlingshafte Luft schnuppert, der bekommt eher den Odeur von modrigem Laub und feuchter Erde zu riechen, sagt Professor Hanns Hatt, Geruchsforscher von der Ruhr-Universität Bochum. Der Grund: Mit steigenden Temperaturen werden im Frühjahr immer mehr Duftmoleküle freigesetzt und wirbeln umher. „Das kennen Sie von eingefrorener Tomatensuppe“, erklärt der Biologe: Der Eisblock rieche nach nichts, erst beim Erwärmen auf dem Herd treten immer mehr Aromen aus – „bis die ganze Wohnung duftet“.  Mitarbeit: Barbara Nazarewska

Von Jonas Regauer/Barbara Nazarewska

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