+
Walter Mixa

Ab jetzt muss Mixa schweigen

Augsburg - Jetzt hat es Walter Mixa auch vom Papst persönlich vernommen: Für den früheren Bischof von Augsburg ist der Abschied von seinem Amt endgültig. In einer Privataudienz legte ihm Benedikt XVI. nahe, sich zu einer Zeit des Schweigens zurückzuziehen.

Fast eine Stunde soll sich Benedikt XVI. für Walter Mixa Zeit genommen haben. Es war – wie es heißt – die längste Privataudienz, die der Papst gestern gewährt hat. Hinter verschlossenen Türen wurde gesprochen über all das, was in den vergangenen Monaten zu einem beispiellosen Drama in der katholischen Kirche Deutschlands geführt hatte. Am Ende hat der Papst offenbar klare Worte gefunden: Er machte Walter Mixa deutlich, dass es für ihn kein Zurück mehr auf den Augsburger Bischofsstuhl gibt. Das Bistum Augsburg wollte sich gestern nicht zu dem Treffen äußern.

Der Papst hatte den Rücktritt Mixas am 8. Mai angenommen und damit auch auf ein Dossier reagiert, in dem Mixa angebliche Alkoholprobleme und angebliche homosexuelle Annährungen angelastet wurden. Zuvor waren ihm Schläge gegen Heimkinder und finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen worden. Die Schläge hatte Mixa zunächst geleugnet, später räumte er Züchtigungen ein.

Um allen Spekulationen über den Verlauf der Papstaudienz vorzubeugen, hat der Vatikan gestern sogar eine Erklärung veröffentlicht, die wir nachfolgend dokumentieren:

„Der Heilige Vater hat am 1. Juli 2010 den emeritierten Bischof von Augsburg Monsignore Walter Mixa in Audienz empfangen. Der Papst hatte mit Schreiben vom 4. Mai 2010 der Bitte des Bischofs um Entpflichtung von seinen Ämtern als Oberhirte der Diözese Augsburg und als deutscher Militärbischof entsprochen; die Endgültigkeit dieser Entscheidung wurde in der Audienz nochmals bestätigt. Bischof Mixa wird sich zu einer Zeit des Schweigens, der Sammlung und des Gebets zurückziehen und nach einer Periode der Heilungen und der Versöhnung wie andere emeritierte Bischöfe für Aufgaben der Seelsorge im Einvernehmen mit seinem Nachfolger zur Verfügung stehen.

Bischof Mixa hat betont, dass er seinen bischöflichen Dienst immer gern und gewissenhaft zu erfüllen sich mühte. Er hat aber auch in aller Ehrlichkeit und Demut sein Bekenntnis bekräftigt, dass er Fehler und Irrtümer begangen hat, die zu einem Vertrauensverlust führten und den Rücktritt unvermeidlich werden ließen. Er hat erneut für all seine Fehler um Verzeihung gebeten, bittet aber zu Recht auch darum, dass man über seinen Fehlern das Gute, das er getan hat, nicht ganz vergessen möge.

Der Heilige Vater hat die Hoffnung ausgedrückt, dass die Vergebungsbitte auf offene Ohren und Herzen stoße. Nach einer Zeit oft maßloser Polemik wünscht er sich Versöhnung, ein neues Sich-Annehmen in der Gesinnung der Barmherzigkeit des Herrn und im gläubigen Sich-Anvertrauen an seine Führung. Er bittet vor allem auch die Mitbrüder im bischöflichen Amt, Bischof Mixa mehr als bisher ihre freundschaftliche Nähe, ihr Verstehen und ihre Hilfe zur Findung der rechten Wege spüren zu lassen.

Alle Gläubigen der Diözese Augsburg bittet der Papst, neu aufeinander zuzugehen und den Bischof offenen Herzens anzunehmen, den er als Nachfolger von Bischof Mixa bestellen wird. Die Welt wartet in einer Zeit der Gegensätze und der Unsicherheit auf das gemeinsame Zeugnis der Christen, das sie von ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn her zu geben vermögen und in dem sie einander wie der ganzen Gesellschaft helfen, den rechten Weg in die Zukunft zu finden.“

mm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei nimmt Fernreisebusse ins Visier
Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord beteiligte sich an einer bayernweiten Kontroll- und Fahndungsaktion. Dabei nahmen sie vor allem Fernreisebusse ins Visier. 
Polizei nimmt Fernreisebusse ins Visier
Schweinehoden an Haustür des Nachbarn gehängt
Ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit in Unterfranken scheint zu eskalieren. Nun hat ein Mann seinem Nachbarn Schweinehoden an die Haustür gehängt. 
Schweinehoden an Haustür des Nachbarn gehängt
Anzeige statt Telefonnummer für Möchtegern-Casanova
Mit einer Verfolgungsjagd und einem riskanten Fahrmanöver hat ein Möchtegern-Casanova in Oberfranken die Handynummer einer Autofahrerin bekommen wollen.
Anzeige statt Telefonnummer für Möchtegern-Casanova
Fliegerbombe neben Schwandorfer Krankenhaus gefunden
Bei Bauarbeiten wurde in Schwandorf eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Für die Entschärfung muss das Krankenhaus evakuiert werden. 
Fliegerbombe neben Schwandorfer Krankenhaus gefunden

Kommentare