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An dieser Stelle, unterhalb des Schongauer Frauentors, wurde Manfred P. zusammengeschlagen.

Nach der Prügel-Attacke von Schongau:

Jetzt spricht der Vater des Täters

Schongau - Die Prügel-Attacke auf Manfred P. in Schongau sorgte bayernweit für Entsetzen. Jetzt spricht der Vater des verhafteten Haupttäters (15). Sein Sohn sei doch „ganz brav“ und schüchtern gewesen, behauptet Ahmet M.

„Ja Papa, ich habe es getan – es tut mir leid“: Mit diesen Worten soll sich der 15-jährige Türke von seinem Vater verabschiedet haben, als ihn die Polizei nach seiner brutalen Attacke auf einen 54-jährigen Spaziergänger in Handschellen von seinem Zuhause in Schongau abgeführt hat. „Ich will mich bei dem Mann, bei den Schongauern, bei allen Deutschen entschuldigen“, sagt Ahmet M. (Name von d. Red. geändert).

Ahmet M. hat eine große Last zu tragen: Er ist der Vater des Schülers, der sein Opfer mit einer Eisenstange in der Hand abgepasst und brutal zugeschlagen haben soll. Eine Tat, wegen der die Staatsanwaltschaft jetzt wegen versuchten Mordes ermittelt. Der jugendliche Täter sitzt in U-Haft. Er soll dort viel beten. Für das Opfer, erzählt sein Vater. Und dafür, dass das Opfer – Manfred P. – sein Augenlicht nicht verliert. Die Gebete des Jungen sind nicht erhört worden. P.s Augenlicht konnte von den Ärzten nicht gerettet werden, seit dem Übergriff ist er auf einem Auge blind.

Ahmet M. bezweifelt Eisenstangen-Angriff

Die Wucht des Aufschlags und die Art, wie er getroffen worden war, machen Manfred P. – er arbeitet als Dreher – sicher: Zugeschlagen worden ist mit einer Eisenstange. Auf dieser Aussage des Opfers basiert die Tatsache, dass jetzt nicht mehr nur wegen schwerer Körperverletzung, sondern wegen versuchten Mordes gegen den Schüler ermittelt wird.

Eine Aussage, die Ahmet M. jetzt öffentlich anzweifelt. Als er abends auf dem Polizeirevier gewartet habe, seien die Polizisten mit einem Holzstock vom Tatort zurückgekommen, „40 bis 50 Zentimeter lang“, deutet Ahmet M. mit beiden Armen die Länge an. „Ich habe es mit eigenen Augen gesehen“, bekräftigt er und versteht nicht, wie jetzt von einer Eisenstange die Rede sein kann – auch in einer ersten Version des Polizeiberichts war von einem abgebrochenen Besenstiel die Rede.

„Auch ein Holzstock kann jemanden töten“

Manfred P., ist seit der Prügel-Attacke auf einem auge blind.

„Das Opfer ist sich felsenfest sicher, dass es eine Eisenstange war – und der Mann ist vom Fach “, erklärt Oberstaatsanwältin Regina Sieh auf Anfrage des Münchner Merkur. Die erste Feststellung der Polizei, bei der Tatwaffe habe es sich um einen Besenstiel gehandelt, habe anfangs auch Ausschlag gegeben, keinen Haftbefehl zu erlassen, räumt Sieh ein. Die Frage nach der Tatwaffe: Sie ist keinesfalls geklärt. „Wir gehen allen Fragen nach – zu Lasten und zu Gunsten des Beschuldigten“, betont Sieh. Sollte es allerdings doch ein Besenstiel gewesen sein, so heißt das längst nicht, dass die Anklage wegen versuchten Mordes fallen gelassen würde. „Auch ein Holzstock kann die Beschaffenheit haben, um jemanden zu töten.“

Es gibt eben viele Dinge zu klären nach der Prügel-Tat von Schongau. Unter anderem die Frage: Was für ein Mensch verbirgt sich hinter dieser Tat? „Ein ganz Ruhiger“ sei sein Sohn gewesen, erzählt Ahmet M. „Ganz brav, schüchtern.“ Der Vater verließ die Familie in Schongau vor drei Jahren, baute sich ein neues Leben als Sicherheitsmann in der Großstadt auf. Zurück blieben die Ex-Frau und drei Kinder. Der 15-jährige Täter hat zwei jüngere Brüder, die sieben und zwölf Jahre alt sind. Seine Mutter spricht kaum Deutsch. Und sie dürfte es als geschiedene Muslimin auch sonst im 12 000 Einwohner-Städtchen Schongau nicht leicht gehabt haben, wo eine große türkische Gemeinschaft zusammenhält.

„Mein Sohn hat die falschen Freunde gehabt.“

Diese Gemeinschaft habe mit Fingern auf seine Kinder gezeigt, die Kinder zweier Geschiedener, erzählt Ahmet M. Nach der Trennung stellte er Veränderungen an seinem Sohn fest, über die er mit ihm selten gesprochen hat bei seinen sporadischen Besuchen der Kinder in Schongau. Der heute 15-Jährige sackte in der Schule ab. Von der Realschule wurde er auf die Hauptschule geschickt. „Er fing an, coole Klamotten zu tragen, lässig zu werden“, erinnert sich Ahmet M., der sich heute sicher ist: „Mein Sohn hat die falschen Freunde gehabt.“ Vier dieser Freunde hatten bei der Prügel-Attacke im Gebüsch gelauert und zugesehen. „Ich habe viel versäumt“, sagt Ahmet M. Doch weder die Mutation des Sohnes vom angeblich ruhigen Schüler zum Raufbold, der bereits vor Monaten beim Schongauer Volksfest zugeschlagen hat, noch die schreckliche Tat an Manfred P. kann jetzt noch rückgängig gemacht werden.

„Mein Sohn hat Angst, er weint viel“, sagt Ahmet M. „Er ist doch noch ein Kind!“ Ein Kind, das sich jetzt wegen einer Tat verantworten muss, deren Brutalität wenig von der Tat eines Kindes hat.

von Barbara Schlotterer-Fuchs

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