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Der Pumpspeicher Riedl an der Donau. Oben der geplante Speicherteich, gegen den es vor Ort großen Widerstand gibt.

Pumpspeicherkraftwerke in Bayern

Jochberg-Absage: Investoren planen weiter

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München/Kochel – Die Absage von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner war deutlich – trotzdem geben die Investoren nicht auf: Für das geplante Pumpspeicherkraftwerk an der Donau bei Passau und für eine Anlage im Bayerischen Wald laufen die Planungen weiter.

Erleichterung am Jochberg: „Danke“ ist die Email von Friedl Krönauer überschrieben. Krönauer und seine Freunde von der Bürgerinitiative „NochBerg – Der Jochberg bleibt“ vertrauen ganz auf die Aussage von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Diese hatte unserer Zeitung am Wochenende erklärt: „Die Frage nach einem Neubau von Pumpspeicherwerken stellt sich in Bayern und eigentlich in ganz Deutschland derzeit nicht. Es gibt dafür einfach kein Geschäftsmodell.“ Speziell die Planungen am Jochberg hatte Aigner als „keine gute Idee“ regelrecht abgekanzelt.

„18 Monate Engagement und Auseinandersetzungen haben sich also gelohnt“, bilanziert Krönauer. Landschaftszerstörung sei nicht durchsetzungsfähig. Das sei dank vieler Mitstreiter – Krönauer nennt zum Beispiel den Alpenverein, den Bund Naturschutz und den Verein zum Schutz der Bergwelt – in der Politik angekommen.

Freilich stimmt nicht jeder in den Jubel ein. Albert Orterer von der Gruppierung „PSW – Nein Danke“ etwa ist skeptisch. Aigner habe eigentlich nur gesagt, dass ein Pumpspeicher derzeit nicht wirtschaftlich sei, meint Orterer. Eine grundsätzliche Absage sehe anders aus. Fazit: „Wir werden weiter wachsam sein.“ Möglicherweise komme die Politik sonst noch auf die Idee, Pumpspeicher finanziell zu fördern.

Gilt Aigners Absage auch für andere Projekte?

Auch an der Donau ist noch keine Jubelstimmung ausgebrochen. „Aigners Absage gilt mit Sicherheit auch für die Projekte an der Donau und am Osser“, meint zwar der Passauer Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Karl Haberzettl. Aber er tritt gleich auf die Euphoriebremse: „Gefeiert wird erst, wenn wir das Schwarz auf Weiß haben.“

Die Vorsicht kommt nicht ohne Grund: Denn die Investoren beim geplanten Pumpspeicherkraftwerk Riedl und Osser kündigten Projekt sei das Projekt in Riedl schon weit fortgeschritten, betont Fitzinger. Die Infrastruktur, etwa ein Umspannwerk, sei ja wegen des Donaukraftwerks zum Teil vorhanden und müsste nicht neu gebaut werden. Ein Raumordnungsverfahren ist abgeschlossen, die Unterlagen zur Planfeststellung liegen bei der Regierung von Niederbayern vor. Anfang 2015 könnte die öffentliche Auslegung beginnen, 2017 dürfte über das Projekt rechtlich entschieden sein. Erst dann, sagt die Sprecherin von Verbund, werde ihr Unternehmen darüber entscheiden, ob das Projekt wirtschaftlich sei und tatsächlich gebaut werde.

Ähnlich entschlossen gibt sich Amir Roughani. Der Deutsch-Iraner hat sich aus schwierigen Verhältnissen ganz nach oben gearbeitet und führt heute den Münchner Technologiedienstleister Vispiron. Das Unternehmen plant ein Pumpspeicherwerk im Landkreis Cham am Osser (1293 Meter), einem auch touristisch attraktiven Aussichtsberg im Bayerischen Wald. Gerade erst, am 11. August, hat Vispiron die Unterlagen für ein Raumordnungsverfahren eingereicht und dafür einen enormen Aufwand betrieben. Da käme ein politisch verfügtes Aus ungelegen. Sollte Aigner bei der Regierung der Oberpfalz nun intervenieren, wäre das „ungeheuerlich“, heißt es bei Vispiron. Das Unternehmen verwies darauf, dass der geplante Speicherteich am Jochberg sechs Mal größer gewesen wäre als das Becken am Osser. „Wir halten an dem Vorhaben fest und werden das begonnene Raumordnungsverfahren fortsetzen“, betonte Vispiron. Man werde versuchen, mit Aigner persönlich zu sprechen.

Dirk Walter

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