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Seit 45 Jahren stehen sie in Position: Die handgeschnitzten Schachfiguren sind noch nie über das Brett g ezogen. Deshalb will Josef Klaus das Spiel verkaufen.

Die Fundgrubengeschichte

Ein Nicht-Schachspieler mit dem richtigen Bauchgefühl

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Eine Kleinanzeige, oft sind das nur zwei knappe Zeilen. Doch hinter ihnen verbirgt sich manch spannende Geschichte. Zum Beispiel die eines handgeschnitzten Schachspiels aus Singapur, das seit 45 Jahren nicht mehr benutzt wurde.

Vor 45 Jahren, als Josef Klaus noch ein junger Mann war, der mit seinem Rucksack die Welt bereiste, hat er die meisten Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen. Damit ist er gut durchs Leben gekommen. Aber die ein oder andere Kleinigkeit muss er heute erklären. Zum Beispiel das große chinesische Schachbrett, das seit vielen Jahrzehnten ungenutzt in seiner Wohnung steht.

Ein toller Blickfang – handgeschnitzte Figuren, ein wunderschön verziertes Brett. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Josef Klaus damals nicht vorbeigehen konnte, als er es in einem kleinen Laden in Singapur entdeckte. Er hat es in seinem Rucksack heil nach Bayern transportiert. Und seit damals nicht ein einziges Mal damit gespielt. „Ich bin Schach-Laie“, sagt er. „Ich weiß zwar, wie die Figuren ziehen können – aber nicht viel mehr.“ So schön es gewesen wäre, einen passionierten Schachspieler hat sein Fundstück nie aus ihm gemacht. Nun ist Josef Klaus 66 – und vertraut noch einmal auf sein Bauchgefühl. Es sagt ihm, dass aus ihm kein Schachprofi mehr werden wird.

Der König hat einen eigenen Thron bekommen.

Deshalb hat er eine Kleinanzeige aufgegeben. „Es wäre doch schön, wenn die Figuren doch noch einmal übers Feld ziehen würden“, sagt er. Vielleicht findet sich ja sogar ein Schachclub, der Interesse hat. Oder ein Schachspieler, der von dem ungewöhnlichen Brett genauso begeistert ist wie Josef Klaus.

Er hat sich jetzt im Ruhestand ein ganz anderes Projekt gesucht. „Ich habe mir ein Haus im Allgäu gebaut“, erzählt er. Dafür hat er seine Wohnung am Starnberger See gerne verlassen. Dem Umzug verdankt er es, dass er das Schachspiel wiederentdeckt hat. Allein dafür hat sich das Haus ja eigentlich schon gelohnt. „Das Geld könnte ich jetzt ganz gut gebrauchen“, sagt Josef Klaus ganz offen. Er ist eben nicht mehr der junge Mann, der mit dem Rucksack durch ferne Länder reist und Abenteuer sucht. Heute ist er ein Hausbesitzer – aber einer, der fest davon überzeugt ist, dass sein Bauchgefühl noch genauso verlässlich ist wie vor 45 Jahren.

Die Kleinanzeige

Chinesisches Schachspiel mit geschnitzten Figuren, 265,- Euro Tel. 0170/5355695.

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