Heimatfan: Regisseur Joseph Vilsmaier. Seine Bayern-Doku kommt am 26. Juli ins Kino.

Eine Film-Hommage an Bayern

Bavaria, Liebe meines Lebens

München - Joseph Vilsmaier, 73, hat das Paradies gesehen – vom Hubschrauber aus. 50 Stunden war der Regisseur dafür in der Luft. Das Ergebnis: seine persönliche „Traumreise durch Bayern“.

In Oberfranken wären sie fast verhungert, also jetzt nicht im Sinne von Sterben, aber einen saubernen Hunger haben sie schon gehabt dort oben in ihrem Hubschrauber. Also landet Hans Ostler, der Pilot, seinen Helikopter auf dem Flughafen von Hof. Sein Kompagnon, Regisseur Joseph Vilsmaier, macht sich sofort auf Richtung Flugplatz-Wirtshaus. Doch so richtig fündig wird der 73-jährige Münchner nicht; der Herd ist schon längst aus. Das Einzige, was die Wirtsleute den Männern anbieten können, sind zwölf Paar Krainer. Zwölf Paar tiefgefrorene Krainer. Die fliegenden Gesellen schlagen sofort zu – und lutschen ihre regelrecht taufrischen, fränkischen Eiskrainer. „Wir haben sie mit viel Senf gegessen“, sagt Vilsmaier. „Aber es war trotzdem eine greislige Wurscht.“

Bayern von oben: "Bavaria - Traumreise durch Bayern"

Bilder aus "Bavaria" von Joseph Vilsmaier

Damit ist er vollbracht – der Beweis, dass im Freistaat doch nicht alles so prima ist, wie so manche immer behaupten. Fränkische Würste jedenfalls schmecken ganz und gar furchtbar, wenn man sie im gefrosteten Zustand zu sich nimmt. Das ist eine Tatsache, an der selbst der größte Patriot nicht vorbeikommt.

Das war’s aber auch schon. Sonst ist es perfekt, hier unter unserem weiß-blauen Himmel. Gibt nichts zu meckern, rein gar nichts. Gott hatte einen Sternchentag, als er den Freistaat gebastelt hat. Findet zumindest Regisseur Vilsmaier („Comedian Harmonists“, „Brandner Kaspar“). Er sagt zum Beispiel: „Ihr könnt alle sagen, Bayern ist scheiße, aber ich bin anderer Meinung.“ Und dann auch noch: Er habe lange negative Sachen gesucht, aber er habe nichts gefunden.

Die Patronin und der Berg: natürlich eine Fotomontage, trotzdem schön: die Bavaria vorm Watzmann.

Der Vilsmaier, aber hallo, der muss es schließlich wissen. Gerade erst ist er 50 Stunden über Bayern geflogen. Hat sich Neuschwanstein von oben angeschaut, Nürnberg, den Bayerischen Wald, den Königssee, die Wiesn, das Isartal, den Eibsee, Regensburg, Würzburg, Landsberg, den Simssee, den Sylvensteinspeicher und ein paar 100 andere Schönheiten. Hoch oben dabei hatte Vilsmaier eine 500 000 Euro teure – Technikfüchse aufgepasst – fünfachsig kreiselstabilisierte Cineflex-Kamera, Gewicht 60 Kilo. Sensationelle Bilder hat er damit eingefangen. Ab dem 26. Juli ist das Ergebnis in den Kinos zu sehen. „Bavaria – Traumreise durch Bayern“ heißt die Dokumentation, die Vilsmaier seiner Heimat geschenkt hat. Aber vielleicht hat er sie auch sich selbst geschenkt. Die Flüge über Bayern waren die „schönste Nebensache der Welt, die mir jemals passiert ist“, sagt er. Hans-Jürgen Buchner, besser bekannt als Haindling, hat dem Film die passende Musik auf den Leib geschneidert. Natürlich gehört eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein dazu, solch einen Film in allen deutschen Städten an den Start zu bringen. Aber daran fehlt es einem Vollbayern wie Vilsmaier eh nicht: „Mir san ja auch ein besonderes Volk.“

Ein Volk, das gerne zeigt, wie es lebt, feiert, wie es die wunderbarsten Autos baut, wie es die speckigsten Lederhosen trägt, wie es schuhplattlt, fingerhaklt und den einen oder anderen Hektoliter Bier trinkt – alles selbstredend in der „Traumreise“ dokumentiert. 80 Prozent des Films sind vom Himmel der Bayern aus gedreht, aber Vilsmaier war auch auf dem Boden der Tatsachen. Er war mit seiner Kamera zum Beispiel beim Bad Kötztinger Pfingstritt oder beim Harlachinger Burschenfest, wo sich ein mächtiger Ochs am Grillspieß dreht. Der Film ist „eine Liebeserklärung“, sagt Vilsmaier. „Ich bin mit Haut und Haaren Bayer. Du kannst mich auf die schönste Südseeinsel schicken. Da halte ich es nicht länger als eine Woche aus.“ Es gibt solche Menschen, die suchen nicht – die haben gefunden. Die wissen mit einer bewundernswerten Gewissheit, wo sie hingehören. Einmal, erzählt Vilsmaier, da war er mit dem wunderbaren Walter Sedlmayr auf Bora Bora – um dort für den „Schwammerlkönig“ zu drehen. Vilsmaier tritt irgendwann aus seinem Bungalow, schaut auf das türkisfarbene Meer. Es ist ein Traum, doch dann kommt der Sedlmayr daher. Er sagt: „Vilsmaier, kummans a mal her. Wie lang samma denn jetz scho do?“

Vilsmaier: „Ja mei, Herr Sedlmayr, vielleicht drei Stund?“ Antwort Sedlmayer: „Ich sag Ihnen, wir sind scho vui zlang do!“

Ja, so läuft das, mancher Bayer verträgt die Fremde nicht. „Ganz so extrem ist es bei mir nicht“, sagt Vilsmaier, „aber ich freue mich immer wider, wenn ich von Reisen heim nach München komme. Ich freue mich, nicht weil ich einen Baum hier so toll finde oder so. Nein, es sind eher die Menschen.“ Und es ist natürlich, die Sprache, die die Menschen hier sprechen: „Mein Hochdeutsch ist ja nicht so berühmt“, sagt der Regisseur. Die Texte für die „Traumreise“, die hat er selbst eingesprochen. Dennoch fände er es fabelhaft und kein Stück schlimm, wenn sein Film auch in Ländern laufen würde, in denen sie das vilsmaiersche Bairisch beim besten Willen nicht verstehen. „Ob Japan oder Amerika – wir wollen weltweiten Erfolg“, sagt er. Und: „Eigentlich müsste man den Film in 42 Sprachen untertiteln.“ Kurze Pause, Vilsmaier überlegt – vielleicht doch keine so gute Idee. „Dann würden wir ja noch mehr Zuwanderer bekommen.“

Vilsmaier lacht, so ganz ernst meint er das natürlich nicht. Ein bisserl ernst aber schon: So ein Paradies, das steht schon in der Bibel, ist natürlich auch eine recht exklusive Veranstaltung. Einlass unter Vorbehalt.

Stefan Sessler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stoppschild nicht beachtet: Sieben Menschen bei Unfall verletzt
Zwei Autos sind am Sonntagabend in der Nähe von Friedberg ineinander gekracht und in den Straßengraben geschleudert worden. Dabei wurden sieben Menschen verletzt, bei …
Stoppschild nicht beachtet: Sieben Menschen bei Unfall verletzt
Streifenwagen kracht frontal gegen Hausmauer - Fahrer schwer verletzt
Auf dem Weg zu einem Einsatz in Schweinfurt ist ein Polizist mit dem Streifenwagen frontal gegen eine Hausmauer geprallt und schwer verletzt worden.
Streifenwagen kracht frontal gegen Hausmauer - Fahrer schwer verletzt
Dachstuhl eines Bauernhaus brennt - sechs Verletzte
Bei einem Dachstuhlbrand in Helmbrechts (Landkreis Hof) sind sechs Menschen leicht verletzt worden.
Dachstuhl eines Bauernhaus brennt - sechs Verletzte
Stille Nacht: Immer mehr Kirchenchöre in Bayern verstummen
Immer weniger Menschen wollen in Kirchenchören singen - und nach der Einschätzung von Kirchenmusikern ist das nicht das einzige Problem.
Stille Nacht: Immer mehr Kirchenchöre in Bayern verstummen

Kommentare