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Immer mehr Jugendliche finden Rauchen nicht mehr cool.

Jugendliche finden Rauchen nicht mehr cool

München - Noch nie haben die Jugendlichen so wenig Tabak konsumiert wie im vergangenen Jahr. Das liegt an Maßnahmen, das Rauchen unattraktiv zu machen, sagt ein Münchner Arzt.

Für Hannah ist die Sache mit dieser Qualmerei einfach. „Bei uns hat sowieso keiner geraucht. Vorher und auch nachher nicht“, schreibt die Schülerin ins Gästebuch des Nichtraucher-Wettbewerbs „Be smart – don’t start“. Und Luna aus der Fünften jubelt: „Juhuuuu!“ – ihre Klasse hat es durchgezogen, keiner ist schwach geworden.

Immer mehr Jugendliche finden Rauchen doof. Die Zahl derer, die noch nie geraucht haben, steigt laut Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, der gestern veröffentlicht wurde. Während 2011 70,8 Prozent der Jugendlichen (12 bis 17 Jahre) noch nie geraucht hatten, waren es zehn Jahre zuvor noch 40,5 Prozent. Für Bayern gibt es keine separaten, aktuellen Zahlen. Eine Sprecherin des Landesamts für Gesundheit bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung aber, dass der Trend auch für den Freistaat gilt: 2008 hatten sogar knapp 85 Prozent der bayerischen Jugendlichen angegeben, noch nie geraucht zu haben.

Der aktuelle Bericht für ganz Deutschland zeigt, dass noch gut jeder zehnte Jugendliche raucht – 2001 waren es mehr als jeder vierte. Auch der Anteil der Raucher bei den jungen Erwachsenen, die 18 bis 25 Jahre alt sind, wird kleiner. Er sank von 44,5 Prozent (2001) auf 36,8 Prozent.

Warum greifen immer weniger junge Menschen zur Zigarette? Zahlen aus der Studie, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erstellt hat, liefern Antworten. Die Jugendlichen schätzen das Qualmen zunehmend als gesundheitsschädlich ein. Und: Immer mehr (88,6 Prozent) finden Rauchverbote in Discos und Kneipen gut. Bei der BZgA ist man sicher, dass Präventionsangebote für Schüler wie „Be smart – don’t start“ greifen: Bei diesem Wettbewerb verpflichtet sich die ganze Klasse, nicht zu rauchen. Im vergangenen Schuljahr haben 10 600 Klassen mitgemacht – „weil sie den Hauptpreis, eine Reise, gewinnen wollen, aber auch, weil Rauchen nicht mehr als cool gilt“, sagt eine Sprecherin. Der Münchner Markus Backmund, Chef der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin, sagt: „Die Maßnahmen der letzten Jahre, um das Rauchen unattraktiver zu machen, zeigen Wirkung.“ Zigarettenautomaten höher hängen, Hinweisschilder auf den Packungen, Aufklärung – das alles hält der Mediziner für sinnvoll. Beim Rauchverbot aber ist er zwiegespalten: „Das Verbot ist sinnvoll, weil es Nichtraucher schützt und die Barrieren für Gelegenheitsraucher höher hängt.“ Das Suchtpotenzial minimiere es aber nicht.

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