+
Auf diesem Spazierweg wurde Gertraud R., aus Miesbach Opfer eines brutalen Raubüberfalls. Zwei Jugendliche schlugen die 63-Jährige im Jahnweg nieder, traten ihr ins Gesicht und raubten sie aus.

Prozess um versuchten Mord

Jugendliche treten Passantin fast zu Tode

Miesbach/München – Zwei Jugendliche haben im März in Miesbach eine Passantin brutal überfallen, getreten und ausgeraubt. Jetzt müssen sie sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten.

Gertraud R. (63) hat noch immer Schmerzen. Seit zwei Jugendliche die Verkäuferin am Abend des 3. März mitten in Miesbach überfallen und brutal ins Gesicht getreten haben, geht es ihr schlecht: Die Täter brachen ihr das Mittelgesicht, die Nase und einen Finger. Die Nasenwurzel war abgeknickt, das ganze Gesicht blutig. Heute ist das halbe Gesicht taub, die Augen und die Zähne tun immer weh. „Ich kann nicht in einen Apfel beißen“, klagt die 63-Jährige.

Dazu kommt die Angst: „Bei Dunkelheit gehe ich nicht mehr auf die Straße.“ Schuld daran sind zwei Lehrlinge aus Miesbach (17 und 21 Jahre alt), die die Seniorin brutal zusammengetreten haben. Sie müssen sich nun wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht München II verantworten. „Sie haben den Tod der Frau billigend in Kauf genommen“, sagt Staatsanwalt Matthias Läpple. Die Täter sind geständig.

Die beiden Arbeitskollegen hingen oft mit Kumpels am Bahnhof in Miesbach herum. Angeblich um denen zu imponieren, planten sie einen Überfall. So wollten sie schon am Nachmittag des 3. März einen DVD-Laden in Miesbach überfallen. „Wir trauten uns dann aber nicht rein“, sagte der 17-Jährige vor Gericht. Abends kam es aber dann zu einem Überfall: Auf einem Parkplatz sahen die beiden Jugendlichen Gertraud R. und beschlossen, sie auszurauben. „Schau, die sieht perfekt aus“, soll der Jüngere zum Älteren gesagt haben. Der 17-Jährige schlug dem Opfer von hinten mit der Faust auf die Schläfe. Die Frau fiel zu Boden.

Der 21-Jährige wollte ihr den Rucksack entreißen, doch sie hielt ihn fest und schrie verzweifelt: „Ich habe euch doch nichts getan!“ Da drehte der 17-Jährige, der massiv unter Drogen gestanden haben soll, durch: Er trat ihr brutal gegen das Gesicht. „Drei- bis viermal“, gestand er vor Gericht. „Als ob er einen Fußball schießen würde“, steht in der Anklage. Die Miesbacherin hatte Todesangst: „Ich fragte mich: Hören die auf, damit ich überlebe?“ Reichlich spät stoppte der Schläger dann seine Attacke: „Als ich Blut an meinem Schuh sah, hörte ich auf.“ Die Täter machten sich mit dem Rucksack der Frau davon.

Die Lehrlinge haben sich inzwischen bei ihrem Opfer entschuldigt. Der 17-Jährige hatte ihr bereits aus dem Gefängnis einen Brief geschrieben. Der 21-Jährige stand gestern im Gerichtssaal auf und sagte: „Sehr geehrte Frau R., ich wollte mich noch mal in aller Form entschuldigen, dass ich bei dieser Attacke an diesem Tag dabei war und hoffe, dass es Ihnen bald wieder besser geht.“ Gertraud R. nahm die Entschuldigung gefasst entgegen. Doch am Rande des Prozesses hat sie bereits ihre Wut gezeigt: „An manchen Tagen hasse ich sie“, sagt die 63-Jährige.

Das Landgericht München II will am 23. Dezember sein Urteil fällen.

Nina Gut

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann bedroht Einsatzkräfte mit Axt und verschanzt sich
Ein Mann ist im Landkreis Dillingen mit einer Axt auf Rettungskräfte und Polizisten losgegangen. Anschließend verschanzte er sich in seinem Haus.
Mann bedroht Einsatzkräfte mit Axt und verschanzt sich
Verhängnisvolle Pannenhilfe: Sex-Täter begrapscht Frau
Ein widerlicher Übergriff hat sich in Niederbayern ereignet. Eine junge Frau wollte einem Mann helfen, der anscheinend eine Panne hatte. Das endete für sie in einem …
Verhängnisvolle Pannenhilfe: Sex-Täter begrapscht Frau
Bakterien bringen Heustöcke zum Gären - Feuer droht
In Kempten kam es am Dienstagnachmittag zu einem Feuerwehreinsatz. Der Grund: Überhitzte Heustöcken drohen, sich zu entzünden. 
Bakterien bringen Heustöcke zum Gären - Feuer droht
Bayern will Unwetter-Opfern die Steuer stunden
Mit steuerlichen Hilfsmaßnahmen soll den Opfern der jüngsten Unwetter aus Bayern geholfen werden. Das ist zumindest der Plan des Finanzministers.
Bayern will Unwetter-Opfern die Steuer stunden

Kommentare